Um 1530 entstand das Gemälde Salome mit Johannesschüssel, ausgeführt in Öl und Tempera auf einer Tannenholztafel von einem Werkstattmitarbeiter oder Nachfolger Lucas Cranachs des Älteren. Etwa 400 Jahre später geschah dann das Unfassbare: das Werk wurde in zwei Teile zersägt. Doch wie konnte es dazu kommen?
Salome mit Johannesschüssel ist seit 1644 in der Sammlung der Herzöge von Sachsen-Gotha nachweisbar, die u. a. in der ehemaligen herzoglichen Residenz, Schloss Friedenstein in Gotha, aufbewahrt wird. Da die nach dem Ersten Weltkrieg an den Freistaat Thüringen übertragene Sammlung über sehr viele Cranach-Gemälde verfügte, entschied man sich 1936 dafür, Salome mit Johannesschüssel zu veräußern. Käufer war ein Kunsthändler, der das Motiv jedoch für nicht geeignet „für fein besaitete Menschen“ hielt und zudem befand, dass es nicht leicht weiterzuverkaufen sei. Um den oberen Bildteil als Porträt einer ernestinischen Prinzessin anbieten zu können, sägte er den unteren Teil mit dem Kopf Johannes des Täufers kurzerhand ab und schickte ihn an die Sammlung zurück, das ihn 2015 restaurierte und 2021 in der Ausstellung „Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meister“ zeigte.
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Der obere Bildteil wurde 2012 bei Christie’s in London versteigert, woraufhin sich seine Spur vorerst verlor. Im vergangenen Jahr tauchte er erneut im Kunsthandel auf und konnte mit Unterstützung der Kulturstiftung Gotha für die mittlerweile von der Friedenstein Stiftung Gotha verwaltete Sammlung auf Schloss Friedenstein zurückgekauft werden. Für 2026 ist eine Restaurierung des Gemäldes geplant, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Restaurierung der TU Köln erfolgen wird. Zudem sollen weitere Untersuchungen die Frage um die Zuschreibung von Salome mit Johannesschüssel klären.




