Eine geheime Mission ging erfolgreich zu Ende, als am 30. September 2019 ein Transportfahrzeug vor dem Berliner Rathgen-Forschungslabor hielt, um fünf Pakete zu entladen.
Was diese Pakete enthielten wurde jedoch erst am 17. Januar 2020 auf einer Pressekonferenz enthüllt: fünf Gemälde Alter Meister, die vor mehr als 40 Jahren aus dem Gothaer Schloss Friedenstein gestohlen wurden und seitdem als verschwunden galten. Der Diebstahl, der im Dezember 1979 Gotha und die gesamte DDR erschütterte, ging als einer der spektakulärsten Kriminalfälle in die Geschichte des Landes ein. Umso erstaunlicher ist es, dass die Bergungsmission nun ohne jedwedes Lösungsgeld vonstatten gehen konnte.
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"Der Raubüberfall von 1979 hat die Gothaer traumatisiert", erklärte Tobias Pfeifer-Helke, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein, auf der Pressekonferenz. fast 1000 Personen waren von den Strafverfolgungsbehörden befragt worden. Jüngsten Entdeckungen zufolge wurden die Gemälde Mitte der 1980er Jahre durch den Eisernen Vorhang geschmuggelt. Wie es die Kriminellen es geschafft haben, eine der am besten gesicherten Grenzen zu überwinden, bleibt abzuwarten.

40 Jahre dauerte es, bis die fünf Gemälde, deren Versicherungswert 4 Millionen Euro beträgt, wieder auftauchten. Gothas Bürgermeister Knut Kreuch gab an, dass ihn 2018 mehrere Anrufe sowieso einige durch einen Anwalt vorgelegte Fotografien erreicht hätten. Die Klienten des Anwalts verlangten mehr als 5 Millionen Euro für die Gemälde. "Wir geben kein Geld an Diebe", lautete die Antwort von Martin Hoernes von der Ernst von Siemens Kunststiftung, bei der für die geforderte Summe angefragt wurde.
Hoernes betonte, dass vonseiten der Stiftung keinerlei Zahlung geleistet wurde, um die Rückgabe der Gemälde zu gewährleisten. Die Stiftung übernahm jedoch die Kosten für den Rechtsbeistand, die Nachforschungen und den Transport - alles zusammen eine Summe von weniger als 50.000 Euro. Das Ergebnis war ein "diplomatischer Putsch", der durch geschickte Verhandlungen möglich wurde.

Bei den fünf heimgekehrten Gemälden handelt es sich um ein Bildnis der Heiligen Katharina von Hans Holbein d. Ä. (1510), das Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen von Fran Hals (1535), eine Landstraße mit Bauernwagen und Kühen, die früher Jan Brueghel d. Ä. zugeschrieben wurde, heute jedoch als Arbeit seiner Werkstatt gilt, die Kopie des Selbstbildnis mit Sonnenblume von Anthonis van Dyck sowie Alter Mann, das eine von Jan Lievens oder Ferdinand Bol ausgeführte Kopie nach Rembrandt darstellt.

Nach der Ankunft im Rathgen-Forschungslabor hatten die dortigen Experten drei Monate lang Zeit, die Bilder zu analysieren und deren Echtheit zu überprüfen. Letzteres konnte vom Leiter des Instituts, Stefan Simon, bestätigt werden, vor allem anhand der Lackrisse, die bereits vor 1979 festgestellt und dokumentiert worden waren.
Die strafrechtlichen Ermittlungen dauern hingegen noch an. Die Identität der Diebe ist nach wie vor ungeklärt, womit der Fall noch immer als ungeklärt gilt, wie René Allonge von der Berliner Polizei erklärte.
Nach ihrer erstmaligen Präsentation waren die Gemälde bis zum 26. Januar auf Schloss Friedenstein ausgestellt. Nun werden sie für eine für 2021 geplante Ausstellung restauriert, die sich mit der Historie des Diebstahls von 1979 befasst. "Dies ist das bedeutendste Ereignis für die Stadt Gotha seit der deutschen Wiedervereinigung", betonte Tobias Pfeifer-Helke.
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