Ein vom Architekten Hector Guimard entworfener Parfümflakon, von dem es heute nur noch ganz wenige Exemplare gibt, stellte am 9. Oktober einen neuen Weltrekord auf. An jenem Tag widmete sich das Pariser Auktionshaus Copages Auction & Associés Losen aus der Welt der schönen Düfte und rief mit einem oberen Schätzpreis von 15.000 Euro auch besagten Flakon auf. Verkauft wurde das seltene Stück schließlich für 127.600 Euro.

Der Flakon für das Eau de Toilette Kantirix, trägt das Monogramm "HG" sowie eine Signatur Guimards, der eine der führenden Figuren des Jugendstils war. Des Weiteren besticht das Fläschchen durch seine geschwungenen Linien und asymmetrischen Formen und durch sein goldenes Etikett mit geprägtem Muster.
Der 1867 in Lyon geborene Hector Guimard entdeckte auf einer Reise nach Brüssel im Jahr 1895 den Jugendstil für sich. Vor Ort traf er seinen belgischen Kollegen Victor Horta, der ihn durch das damals im Bau befindliche Hôtel Tassel führte. 1900 nahm Guimard an der Weltausstellung teil, wo er für den Entwurf des Pavillons der Parfümerie Millot mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Auch verdanken wir Hector Guimard die berühmten gusseisernen Jugendstil-Eingänge zu den Pariser Métro-Stationen.

Die 1860 gegründete Parfümerie Millot beschäftigte immer wieder talentierte Designer für die Gestaltung ihrer Flakons und Filialen. Die von Guimard für das prestigeträchtige Haus entworfenen Flakons sind heute seltene und begehrte Sammlerstücke, wie der Verkauf der Kantirix-Flasche beweist. Der Flakon aus farblosem geblasenem Glas und dem vergoldeten Bronzestöpsel stammt aus dem Jahr 1899.
Die Auktion am 9. Oktober umfasste 200 Parfümflakons, darunter ein vom New Yorker Chrysler Building inspiriertes Modell von René Lalique sowie 40 weitere, die zu den ersten von Elsa Schiaparelli entworfenen Flakons gehören. Neben dem Rekord für einen Flakon von Hector Guimard erzielte das Auktionshaus außerdem Weltrekorde für einen Archivkatalog von Millot und für eine Factice auf. Facticen sind für Präsentations- und Dekorationszwecke geschaffene Kopien von Parfümflakons, die jedoch kein Parfüm enthalten.

Parfüms gelten noch immer als luxuriöses Statussymbol, mit Frankreich, vor allem Paris, als eine der führenden Nationen auf diesem Gebiet. Die dortige Tradition entstand bereits im 18. Jahrhundert und gewann an der Wende zum 20. Jahrhundert neue Impulse. Der Fokus war und ist nicht allein auf den Duft gerichtet, sondern auch auf das diesen umgebene Behältnis. Ein Parfümflakon ist immer als ein Kunstwerk gedacht, der von der jeweiligen Ästhetik einer Epoche zeugt.




