Am 16. Mai versteigert das Wiener Kunstauktionshaus Lehner moderne und zeitgenössische Kunst. Der 170 Lose umfassende Katalog setzt sich aus Werken österreichischer und internationaler Künstler zusammen.

Das mit einem Schätzpreis von 90.000 - 100.000 Euro am höchsten bewertete Los ist eine nicht betitelte Plastik des österreichischen Künstlers Franz West. West begann in den 1980er Jahren mit der Arbeit an seinen "Neurosen" - Plastiken aus Gips und Papiermaché oder auch aus Metall von undefinierbarer Form, die eine Art Ergänzung des Körpers darstellen sollten. Das vorliegende Objekt von 1982 ist ein frühes Beispiel dieser Arbeiten.

Gleich zwei Arbeiten des Provokateurs Otto Mühl haben in der Auktion die Möglichkeit, einen neuen Höchstpreis für den Künstler zu erzielen: Zwei Ziegen von 1984 sowie ein titelloses Werk von 1985 wurden jeweils mit 80.000-100.000 Euro bewertet - Preise, die sich am bisherigen Rekordpreis für den 2013 verstorbenen Künstler orientieren (91.800 Euro). Der Rekord wurde 2008 aufgestellt mit dem Werk Papyrus Porno, das derselben Schaffensperiode entstammt wie die beiden vorliegenden Arbeiten.

Otto Mühl war eine der zentralen Figuren des Wiener Aktionismus, einer Künstlergruppe, die in den 1960er Jahren mit ihren extremen Performances und Happenings für Aufsehen sorgte. Ein weiteres Mitglied dieser Gruppe ist Günter Brus. Nach dem Ende der Gruppe schlug Brus als Bild-Dichter neue Wege ein.

Ebenfalls im Auktionskatalog vertreten sind zwei Gemeinschaftsarbeiten von Arnulf Rainer und Dieter Roth. Der "konkrete Poet" Roth, ein Schweizer Künstler mit deutschen Wurzeln, befand sich zeitlebens auf Wanderschaft. Diese führte ihn in den 1970er Jahren wiederholt nach Wien, wo er im Atelier von Arnulf Rainer arbeitete. Es entstanden in dieser Zeit mehr als 700 Gemeinschaftswerke der beiden Künstler.

Auf zwei gänzlich unterschiedlichen Schaffensphasen Hubert Schmalix' entstammende Arbeiten darf ebenfalls mitgeboten werden. Segelboot von 1980 entstammt jener kurzen Phase, in der Schmalix Teil der Bewegung Neue Wilde war.

Ein nichtbetiteltes Werk von 2001 zeigt den gereiften Künstler, der mit großen Flächen und oftmals gewählten "BonbonFarben" zu seinem eigentlichen Stil gefunden hat.
Dreidimensional wird es noch einmal mit zwei Arbeiten von Erwin Wurm und Valie Export. Die österreichische Medien- und Performancekünstlerin Valie Export setzt sich seit den 1960er Jahren kritisch mit Medien und Geschlechterrollen auseinander. So auch bei der Wachslampe von 1974, mit der sie den Betrachter einlädt, zum Mitgestalter zu werden: Die phallisch geformte Lampe ist mit Wachs überzogen, das sich beim Einschalten des Leuchtkörpers verflüssigt.

Eine Arbeit von Erwin Wurm stellt hingegen den Alltag auf die Probe. Indem er ein zusammengelegtes Hemd in eine Vitrine legt, entreißt er die damit durchgeführte Handlung ihrem eigentlichen Zweck und drückt damit ihre Banalität aus.
Neben bedeutenden Künstlern aus Österreich sind auch bekannte Namen der internationalen Kunstszene in der Auktion vertreten. Sowohl von Pablo Picasso als auch von Willem de Kooning liegen Arbeiten vor, die sie persönlich Freunden und Kollegen widmeten und zukommen ließen.

Einen weiblichen Akt aus Kohle und Tusche schenkte Willem de Kooning dem Kunstkritiker Harold Rosenberg. 1956 versah Picasso die Vorsatzblätter der ein Jahr zuvor erschienen Beschreibung seiner Kunstwerke von Wilhelm Boeck mit einer polychromen Kreidezeichnung und einer Widmung, die an seine deutsche Kollegin Marie-Luise Heller gerichtet war. Heller, die sich mit Informel, OP-Art und Minimalismus beschäftige, hielt sich damals in Südfrankreich auf, wo sie Picassos Schaffen als Keramiker in Vallauris dokumentierte und selbst einige ihrer Arbeiten im späteren Picasso Museum in Antibes präsentierte.

Dei Auktion findet am 16. Mai um 18 Uhr bei Lehner Kunstauktionen am Getreidemarkt 1 in Wien statt. Dort kann auch vom 10.-16. Mai (außer Sonntag) die Ausstellung zur Auktion besucht werden.
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