Letztes Jahr verschwand der junge Kunsthändler Inigo Philbrick von der Bildfläche, nachdem ihm unter anderem vorgeworfen worden war, in mehreren Fällen ein und dasselbe Kunstwerk mehrfach verkauft zu haben sowie Handel mit Kunstwerken betrieben zu haben, die ihm gar nicht gehörten. Anfang Juni wurde er in Vanuatu, einem Inselstaat im Südpazifik, aufgespürt und festgenommen.
Der 33-jährige Kunsthändler wird nun wegen elektronischen Betrugs und Identitätsdiebstahls strafrechtlich verfolgt. Philbricks „Programm“ habe zwischen 2016 und 2019 Sammler und Kunstmarktunternehmen um insgesamt 20 Millionen US-Dollar betrogen, so die Bundesanwaltschaft in Manhattan.

Auf Ersuchen der US-Botschaft in Papua-Neuguinea wurde Philbrick nach Guam gebracht, wo er am vergangenen Montag vor einem Bundesgericht erschien. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Manhattan hatte Philbrick die Vereinigten Staaten kurz vor der Veröffentlichung der Vorwürfe gegen ihn verlassen. Die Behörden von Vanuatu teilte den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden mit, dass Philbrick sich seit Ende Oktober 2019 auf ihrem Staatsgebiet aufhalten würde.
Philbricks Galerien in London und Miami präsentieren Top-Künstler wie Rudolf Stingel, Christopher Wool, Wade Guyton und Mark Bradford. Philbrick ist auf dem Kunstmarkt dafür bekannt, Werke nicht nur an Einzelpersonen, sondern auch an Gruppen von Sammlern oder Investoren zu verkaufen. In nur wenigen Jahren hatte er sich das Image erarbeitet, ein Experte für jene zeitgenössische Künstler zu sein, deren Preise seit Beginn der 2010er Jahre stark angestiegen sind.

2019 verkaufte Philbrick bei Christie's ein von Rudolf Stingel gemaltes Porträt von Pablo Picasso für 6,5 Millionen USD, das er selber einige Jahre zuvor für 6,7 Millionen USD erworben hatte. Nach der Auktion meldete sich eine Person, die behauptete, alleiniger Eigentümer des Gemäldes zu sein, während zwei weitere Personen angaben, jeweils 50% Anteil daran zu besitzen. Dies führte zu der Vermutung, dass Inigo Philbrick das Gemälde zweimal verkauft hatte.
Zudem nutzte er vermutlich auch gefälschte Dokumente und Verträge, um seine Kunden und Investoren zu betrügen und den Wert seiner Kunstwerke zu erhöhen.
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Laut Philbricks Freund und ehemaligem Mitarbeiter, dem New Yorker Schriftsteller und Händler Kenny Schachter, wurden Philbricks betrügerische Machenschaften aufgrund der mangelnden Transparenz des Kunstmarktes ermöglicht. Trotz der hohen Geldsummen, die dort bewegt werden, gibt keine zentralisierte Datenbank und kaum Regulierung. Für Anleger ist es daher schwierig zu überprüfen, für welche Summe ihre Händler Kunstwerke tatsächlich erworben haben und wie hoch ihre Marge auf den Kaufpreis schließlich ausfällt. Schachter fügte hinzu, wie schockiert er sei, das eine so brillante und talentierte Person wie Inigo Philbrick sich von Stolz und Gier so habe blenden lassen.
Philbrick wurde im vergangenen Jahr von seinen Mandanten in New York, Miami und London angezeigt, verschwand jedoch, bevor er bei den Gerichtsverhandlungen hätte erscheinen müssen. Jetzt droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren.
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