Der Name des Minerals Malachit leitete sich vom griechischen Wort μαλάχη (maláchē) für "Malve", da sein faszinierendes Grün an die Blätter der Pflanze erinnert. Malachit wird auf der ganzen Welt abgebaut. Beinahe 9000 Fundorte sind bekannt. Kein Wunder also, dass es nicht lange unentdeckt blieb.

Bereits die antiken Ägypter erkannten sein breitgefächertes Potenzial: In zerriebener Form als ausdrucksstarker Lidschatten oder durch Reduzierung auf seinen Kupferanteil als Lötmaterial in der Metallverarbeitung, z.B. bei der berühmten Totenmaske des Tutanchamun. Auch kam es als Farbpigment häufig in der Malerei zum Einsatz, z.B. bei Raffaels Sixtinischer Madonna. Allerdings ist bei der Verarbeitung von Malachit Vorsicht geboten, denn der entstehende Staub ist giftig.

Seinen großen "Durchbruch" konnte das Malachit als dekorativer Stein im Russland des 19. Jahrhunderts feiern. Ab 1803 ließen ihn die Zaren in großem Umfang im Ural abbauen und verschwenderisch in ihren Palästen in Szene setzen. Es entstanden dekorative Objekte wie Schreibtischsets, Kaminuhren oder große Vasen in antiken Formen sowie Tische und Konsolen oder sogar ganze Säulen. Das Malachit wurde dabei in kleineren Stücken aufgelegt, wobei die auffällige Maserung des Materials berücksichtigt wurde, sodass ein harmonischer Gesamteindruck entstand. Ganz besondere Fähigkeiten darin entwickelten russische Künstler, die in der Lage waren, auch gebogene Oberflächen nahtlos zu verzieren, weshalb die Technik aus "russisches Puzzle" genannt wird.

Auch gab es ganze Räume, deren Ausstattung auf dem faszinierenden grünen Stein basierten. Schöne Beispiele dafür finden sich natürlich in Sankt Petersburg, der damaligen Hauptstadt des Russischen Kaiserreiches. Im Winterpalast der Zarenfamilie gibt es den Malachit-Saal, so benannt wegen seiner Dekoration mit Malachitpilastern und -säulen sowie einer Kaminummantelung aus demselben Material.
Der Raum wurde 1837 für die damalige Zarin Alexandra Fjodorowna gestaltet und diente ihr als Empfangssalon. Die ebenfalls in Sankt Petersburg gelegene Isaakskathedrale verfügt über eine Ikonostase, deren einzelne Bildfelder durch imposante Halbsäulen aus Malachit voneinander getrennt sind. Und auch im Moskauer Kreml kam Malachit verschwenderisch zum Einsatz.

Doch auch außerhalb Russlands gibt es Malachit-Säle und Salons, so etwa im Grand Trianon, dem unter König Ludwig XIV. im Park von Versailles errichteten Lustschlösschen. Nachdem das Inventar des Trianons während der Französischen Revolution verkauft worden war, ließ Napoleon die Räume im Stil des Empire neu einrichten. Sein Appartement umfasst auch ein Malachit-Zimmer, das seinen Namen einigen Geschenken verdankte, die Napoleon von Zar Alexander I. geschenkt bekommen hatte, bevor sich die beiden entzweiten.

Malachit wird bis heute aufgrund seines dekorativen Erscheinungsbildes mit feiner Maserung und leuchtender Farbe als dekorativer Stein geschätzt. Und natürlich kommt er auch noch immer in der Schmuck- und in der Uhrenindustrie zum Einsatz: So zieren geschliffene und geschnittene Malachite etwa Stücke der Alhambra-Kollektion von Van Cleef & Arpels oder auch Zifferblätter von Piaget-Armbanduhren.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 10. Oktober 2017



