Marie Antoinette: Eine Biografie in Schmuckstücken

Am 13. November brach die Versteigerung der Schmucksammlung der Familie Bourbon-Parma mehr als nur einen Rekord. Highlights waren die Stücke aus der Schmucksammlung Marie Antoinettes, allen voran ein Diamantanhänger mit großer Perle.

Marie Antoinette: Eine Biografie in Schmuckstücken

Die Liebe zu Mode und Schmuck der letzten französischen Königin des Ancien Régime, Marie Antoinette, ist beinahe schon sprichwörtlich, in jedem Fall aber legendär. Vermutlich, weil die damit einhergehende Verschwendungssucht ihren Teil zum Sturz der Monarchin in ungeahnte Tiefen beitrug.

Links: Brosche mit weißen und 1 gelbem Diamant. Erzielte Preis: 2.115.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Martin van Meytens d. J., Erzherzogin Maria Antonia, 1767-68
Links: Brosche mit weißen und 1 gelbem Diamant. Erzielte Preis: 2.115.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Martin van Meytens d. J., Erzherzogin Maria Antonia, 1767-68

1770 war Marie Antoinette, geborene Erzherzogin von Österreich, im Alter von 14 Jahren mit dem französischen Thronfolger Louis Auguste verheiratet worden. Es war die Hochzeit des Jahrhunderts, mit der das neue Bündnis zwischen den ehemaligen Erzfeinden Österreich und Frankreich gefestigt werden sollte. Da zu diesem Anlass kein Land hinter dem anderen zurückstecken wollte, erhielt Marie Antoinette sowohl von ihrer Mutter, Kaiserin Maria Theresia, als auch von ihrem neuen Schwiegeropa, König Ludwig XV., jede Menge Schmuck geschenkt, vor allem Perlen und Diamanten.

Links: Taschenuhr mit Perlen und Emaille. Erzielte Preis: 250.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Staatsportrait Marie Antoinettes mit der französischen Königskrone, 1778 (Wien, Kunsthistorisches Museum)
Links: Taschenuhr mit Perlen und Emaille. Erzielte Preis: 250.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Staatsportrait Marie Antoinettes mit der französischen Königskrone, 1778 (Wien, Kunsthistorisches Museum)

Marie Antoinette war in den ersten Jahren, die sie in Frankreich verbrachte, äußerst beliebt. Sie war jedoch nicht gebildet genug, um die Zeichen der Zeit und die Tatsache zu erkennen, dass nicht jeder mit der Annäherung zu Österreich einverstanden war. Auch ihre Ehe, die lange kinderlos blieb, gestaltete sich als schwierig.

Links: Diamantring mit Haaren und den Initialen Marie Antoienttes. Erzielter Preis: 447.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Jean-Baptiste André Gautier-Dagoty, Marie-Antoinette spielt die Harfe im Chambre de la Reine, 1777 (Château de Versailles)
Links: Diamantring mit Haaren und den Initialen Marie Antoienttes. Erzielter Preis: 447.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Jean-Baptiste André Gautier-Dagoty, Marie-Antoinette spielt die Harfe im Chambre de la Reine, 1777 (Château de Versailles)

Was konnte man also tun. Um der strengen, minutiös geplanten und vor allem langweiligen Hofetikette zu entkommen, umgab sich Marie Antoinette bald nur noch mit jungen Leuten, die sie amüsierten und gab sich ihrem schier grenzenlose Faible für Mode und Schmuck hin. Marie Antoinettes "Ministerin für Mode", die Modistin Rose Bertin, schmeichelte ihrer größten Auftragsgeberin, indem sie der Farbe eines Stoffes den Namen "cheveux de la Reine" ("Haare der Königin") gab.

Links: Anhänger mit Diamanten und großer Perle. Erzielter Preis: 36.427.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Jean-Baptiste André Gautier-Dagoty, Marie Antoinette, 1775 (Château de Versailles)
Links: Anhänger mit Diamanten und großer Perle. Erzielter Preis: 36.427.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Jean-Baptiste André Gautier-Dagoty, Marie Antoinette, 1775 (Château de Versailles)

Die Reifröcke wurden immer breiter, die Frisuren immer höher, bekrönt mit wippenden Straußenfedern. Marie Antoinettes sparsamer Mann, seit 1774 König Ludwig XVI., hatte für die Federmode, die, wie könnte es anders sein, äußerst kostspielig war, nichts übrig und schenkte seiner Frau eine Diamantagraffe, die sie stattdessen im Haar tragen sollte. Marie Antoinette, mit einem Mal sehr pragmatisch, kombinierte einfach beides.

Beim Volk wurde Marie Antoinette immer unbeliebter und auch bei Hof verlor sie viele Anhänger. Ihr Leumund war so schlecht, dass ihr in einer der zahlreichen Schmähschriften, die über sie im Umlauf waren,  der Satz "Sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben" in den Mund gelegt wurde - ihre angebliche Reaktion auf die Hunger leidende Bevölkerung.

Links: Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Marie Antoinette mit Rose, 1783 (Château de Versailles) Rechts: Collier mit Perlen aus dem Besitz Marie Antoinettes. Erzielter Preis: 2.295.000 CHF (Foto: ©Sotheby's)
Links: Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Marie Antoinette mit Rose, 1783 (Château de Versailles) Rechts: Collier mit Perlen aus dem Besitz Marie Antoinettes. Erzielter Preis: 2.295.000 CHF (Foto: ©Sotheby's)

So richtig das Genick brach ihr jedoch 1785 jener berühmte Betrugsfall, der als die "Halsbandaffaire" in die Geschichte eingegangen ist. Dabei wurde ihr unterstellt, heimlich eine Diamantkette im Wert von 1,6 Millionen Livre erworben zu haben, die sie in Raten abbezahlen wollte. Initiiert worden war das ganze von einer Bande von Betrügern, die sich die bekannte Liebe Marie Antoinettes für außergewöhnlichen Schmuck zunutze machten.

Links: Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Marie Antoinette mit ihren Kindern, 1787 (Château de Versailles) Rechts: Paar Ohrringe mit Diamanten und Perlen. Erzielter Preis: 447.000 CHF (Foto: ©Sotheby's)
Links: Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Marie Antoinette mit ihren Kindern, 1787 (Château de Versailles) Rechts: Paar Ohrringe mit Diamanten und Perlen. Erzielter Preis: 447.000 CHF (Foto: ©Sotheby's)

Obwohl sie unschuldig war, war Marie Antoinettes Ruf nachhaltig ruiniert. Hatte sie sich 1783 noch von Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun mit einer doppelreihigen Perlenkette malen lassen, verzichtete sie 1787 auf dem Portrait, das sie gemeinsam mit ihren Kindern zeigt, lieber ganz auf einen Halsschmuck.

Zwei Jahre nach dem Ausbruch der Französischen Revolution von 1789 ließ Marie Antoinette, die mittlerweile mit ihrer Familie als Staatsgefangene in Paris lebte, ihren Schmuck ins Ausland bringen. 1793 wurden Ludwig XVI. und Marie Antoinette hingerichtet. Sie hinterließen zwei Kinder, den 1785 geborenen Louis-Charles, der jedoch unter mysteriösen Umständen 1795 im Gefängnis starb, und die älteste Tochter Marie-Thérèse, die nun Erbin der Schmucksammlung ihrer Mutter wurde.

Links: Diamantring mit dem Portrait Marie Antoinettes. Erzielter Preis: 250.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Alexandre-François Caminade, Marie-Thérèse von Frankreich, 1827
Links: Diamantring mit dem Portrait Marie Antoinettes. Erzielter Preis: 250.000 CHF (Foto: ©Sotheby's) Rechts: Alexandre-François Caminade, Marie-Thérèse von Frankreich, 1827

Durch Erbfolge kamen die Stücke in den Besitz der Familie von Bourbon-Parma und wurden im Laufe der Jahrzehnte teilweise umgearbeitet. Am 13. November kamen 100 Schmuckstücke aus der Sammlung der Familie von Bourbon-Parma bei Sotheby's in Genf unter den Hammer. 10 Stücke entstammten der ehemaligen Sammlung Marie Antoinettes und waren das Highlight der Auktion, die mit einem Gesamtergebnis von 53,1 Millionen USD zur erfolgreichsten Versteigerung einer königlichen Schmucksammlung in der Auktionsgeschichte wurde.

Lassen Sie sich von Marie Antoinettes Schicksal nicht abschrecken und entdecken Sie schönen Schmuck gleich hier!

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