5 (Kunst-) Fakten über Madame du Barry

Am 1. Mai wird Christie's in New York Gemälde Alter Meister versteigern. Eines davon stammt von Élisabeth Vigée-Lebrun, die erst kürzlich einen neuen Rekord aufstellte, und zeigt die letzte Maitresse König Ludwigs XV. von Frankreich.

5 (Kunst-) Fakten über Madame du Barry

Eines der Highlights der Auktion mit Alten Meistern, die Christie's am 1. Mai in New York abhalten wird, ist ein Portait, das Élisabeth Vigée-Lebrun 1789 von Marie-Jeanne Bécu, Comtesse du Barry (1743-1793) malte, der letzten Maitresse des französischen Königs Ludwig XV.

Élisabeth-Louise Vigée Le Brun (1755 Paris 1842), Portrait der Madame du Barry (1743-1793), 1789 | Foto: Christie's
Élisabeth-Louise Vigée Le Brun (1755 Paris 1842), Portrait der Madame du Barry (1743-1793), 1789 | Foto: Christie's

Zum Zeitpunkt des Entstehens des Gemäldes war Ludwig bereits seit 15 Jahren Tod und Jeanne du Barry lebte zurückgezogen und umgeben von den luxuriösen Geschenken ihres ehemaligen Liebhabers in ihrem Schlösschen in Louveciennes bei Paris. Und es gab sogar einen neuen Mann in ihrem Leben, den Herzog Hercule de Cossé-Brissac, der vermutlich auch der Auftraggeber des Portraits war.

In Madame du Barrys Leben hatten Kunst und Luxus stets eine große Rolle gespielt. Fünf interessante Beispiele finden Sie im Folgenden.

1. Madame Tussauds Muse

Die älteste Wachsfigur, die bei Madame Tussaud's in London ausgestellt ist, trägt den Namen Sleeping Beauty und stammt aus der Mitte der 1760er Jahre. Angeblich soll niemand anderes als die spätere königliche Maitresse, die zu diesem Zeitpunkt als Kurtisane in Paris lebte, Modell gestanden bzw. gelegen haben.

"Sleeping Beauty" bei Madame Tussaud's in London | Foto: tiarasandtrianon.com
"Sleeping Beauty" bei Madame Tussaud's in London | Foto: tiarasandtrianon.com

Nicht selten wird angegeben, dass Madame Tussaud selbst, die damals noch Marie Grosholtz hieß, die Schöpferin der Figur gewesen sein soll. Allerdings war Marie zum entsprechenden Zeitpunkt erst ungefähr vier Jahre alt. Geschaffen wurde Sleeping Beauty von Maries Lehrer Philippe Curtius.

2. Als Förderin der Künste...

1769 wurde die damals 25-jährige Jeanne, die man noch schnell mit einem Grafen verheiratet hatte, um sie hoffähig zu machen, die offizielle Maitresse Ludwigs XV. In ihrer machtvollen Position am Hof von Versailles durfte sie sich nicht nur regelmäßig über Geschenke freuen, sondern auch als Förderin der Künste in Erscheinung treten, was sie mit Vorliebe tat und dabei einen guten Geschmack bewies.

Der klassizistische Pavillon de musique in Louveciennes von 1771 | Foto: Jean-Marie Hullot via Wikimedia Commons
Der klassizistische Pavillon de musique in Louveciennes von 1771 | Foto: Jean-Marie Hullot via Wikimedia Commons

Nachdem Ludwig ihr das Schlösschen in Louveciennes geschenkt hatte, ließ Jeanne es erweitern und neu dekorieren. Besonders bedeutend war der Pavillon de musique, den sie ab 1771 von Architekt Claude Nicolas Ledoux errichten ließ und der als der Prototyp des französischen Klassizismus schlechthin gilt.

3. ...kann man auch mal daneben liegen

Ein weiterer bedeutender Künstler, der mit die Neudekoration des Schlosses beauftragt wurde, war Jean-Baptiste Fragonard. Für den Pavillon sollte er eine Reihe mit Wandgemälden schaffen. Als Ergebnis lieferte er die vierteilige Serie Das Fortschreiten der Liebe, ein bezauberndes Ensemble im Stil des späten Rokoko mit romantischer Schäferidylle.

Fragonards Bilderzyklus "Das Fortschreiten der Liebe" ist heute Teil der Frick Collection | Foto: ©The Frick Collection: photo Michael Bodycomb
Fragonards Bilderzyklus "Das Fortschreiten der Liebe" ist heute Teil der Frick Collection | Foto: ©The Frick Collection: photo Michael Bodycomb

Die Bilder wurden zunächst auch aufgehängt, schließlich aber doch abgelehnt, da die Schlossherrin sie als zu altbacken empfand. Schweren Herzens nahm Fragonard sie wieder mit und hängte sie im Haus seines Cousins in seiner Geburtsstadt Grasse auf. Heute sind sie Teil der Frick Collection in New York.

4. Aus Liebe zum Schmuck

Einer der berüchtigsten Kriminalfälle des 18. Jahrhunderts ist die Halsbandaffaire von 1785/86, die der darin unschuldig verstrickten Königin Marie Antoinette das letzte Bisschen ihres guten Rufes kostete. Das Collier im Wert von 1,6 Millionen Livree war zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als zehn Jahre alt. Ludwig XV. hatte es beim Hofjuwelier Böhmer in Auftrag gegeben, um es seiner Jeanne zu schenken.

Kopie des berühmt-berüchtigten Colliers in Schloss Breteuil, Frankreich | Foto via Wikipedia
Kopie des berühmt-berüchtigten Colliers in Schloss Breteuil, Frankreich | Foto via Wikipedia

Doch leider starb Ludwig XV. 1774 bevor er das Collier bezahlen konnte und sein Nachfolger hatte kein Interesse daran. Böhmer reiste nun an die Königshofen Europas, doch keiner war bereit, einen so hohen Preis zu zahlen. Die Verzweiflung des Juweliers machte sich schließlich eine Bande von Betrügern zu nutze, die das Collier vorgeblich im Namen der Königin Marie Antoinette an sich brachten und nach und nach verkauften.

5. Mehr als ein Portrait

Ab den späten 1770er Jahren wurde Élisabeth Vigée-Lebrun zur gefragtesten Portraitmalerin Frankreichs. Marie Antoinette ließ sich mehrfach von ihr malen und jedes Mitglied des Adels, das etwas auf sich hielt, tat es ihr gleich. Natürlich auch Jeanne du Barry.

Links: Élisabeth-Louise Vigée Le Brun, Portrait der Madame du Barry, 1781, Philadelphia Museum of Art Rechts: Élisabeth-Louise Vigée Le Brun, Portrait der Madame du Barry, 1782, National Gallery of Art, Washington D.C.
Links: Élisabeth-Louise Vigée Le Brun, Portrait der Madame du Barry, 1781, Philadelphia Museum of Art Rechts: Élisabeth-Louise Vigée Le Brun, Portrait der Madame du Barry, 1782, National Gallery of Art, Washington D.C.

Das bei Christie's angebotene Portrait ist eines von drei Bildnissen, die Elisabeth Vigée-Lebrun von der ehemaligen Maitresse malte. Die ersten beiden stammen aus den Jahren 1781 und 1782. Auf einem davon ließ sich Jeanne wie Marie Antoinette in einem einfachen weißen Kleid mit Strohhut darstellen. Auf dem anderen trägt sie einen Blumenkranz im Haar.

Élisabeth-Louise Vigée Le Brun (1755 Paris 1842), Portrait der Madame du Barry (1743-1793), 1789 | Foto: Christie's (Detail)
Élisabeth-Louise Vigée Le Brun (1755 Paris 1842), Portrait der Madame du Barry (1743-1793), 1789 | Foto: Christie's (Detail)

Das bei Christie's angebotene Portait stammt aus dem Jahr 1789 und ist das letzte Portrait Jeanne du Barrys. In jenem Jahr malte Vigée-Lebrun auch den indischen Gesandten Mohammed Dervish Khan, den ein Auftrag seines Herrn auch Frankreich geführt hatte. Das Bild wurde am 30. Januar 2019 bei Sotheby's in New York versteigert und sorgte mit einem Ergebnis von 7,18 Millionen USD für einen neuen Rekord für die Künstlerin sowie den höchsten Auktionspreis für eine "Alte Meisterin".

Jeanne du Barrys Portrait, das sich in wechselndem französischen Adelsbesitz befand, nachdem die Dargestellte während der Französischen Revolution ihren Kopf verloren hatte, war zuletzt Teil der Sammlung der Familie Rothschild. Der Schätzpreis liegt bei 1 - 2 Millionen USD.

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