Die spätere Gräfin du Barry kam 1743 als uneheliche Tochter eines nicht bekannten Vaters und einer als Näherin arbeitenden Mutter zur Welt. Durch die Anstellung ihrer Mutter im Pariser Wohnsitz einer italienischen Kurtisane kam Jeanne schon früh mit Kunst und Luxus in Berührung. Später sorgte der Liebhaber der Hausherrin dafür, dass das hübsche Mädchen in einem Kloster erzogen wurde.
Als Jeanne das Kloster im Teenageralter verließ, war sie auf sich gestellt. Zunächst arbeitete sie im Modegeschäft À la Toilette, das dem Vater der später berühmten Malerin Adélaïde Labille-Guiard gehörte. Aufgrund ihres blendenden Aussehens öffneten sich Jeanne jedoch noch ganz andere Türen und schließlich schloss sie sich dem berüchtigten Grafen du Barry an, der mit zwielichtigen Aktivitäten in ganz Paris von sich reden machte. Die strahlend schöne Jeanne wurde zu seinem größten Triumph, den er 1768 im Bett des im Alter einsam gewordenen Königs Ludwig XV. platzierte. Um Jeanne hoffähig zu machen, verheiratete er sie kurzerhand auf dem Papier mit seinem eigenen Bruder und bald darauf konnte Jeanne als offizielle Mätresse im Schloss von Versailles einziehen.
Wie Jeannes weiteres Leben verlief und einige Kunstfakten daraus können Sie im Folgenden entdecken.
1. Madame Tussauds Muse

Die älteste Wachsfigur, die bei Madame Tussaud's in London ausgestellt ist, trägt den Namen Sleeping Beauty und stammt aus der Mitte der 1760er Jahre. Angeblich soll niemand anderes als die spätere königliche Mätresse, die zu diesem Zeitpunkt als Kurtisane in Paris lebte, Modell gestanden bzw. gelegen haben.
Nicht selten wird angegeben, dass Madame Tussaud, die damals noch Marie Grosholtz hieß, selbst die Schöpferin der Figur gewesen sein soll. Allerdings war Marie zum entsprechenden Zeitpunkt erst vier oder fünf Jahre alt. Geschaffen wurde Sleeping Beauty von Maries Lehrer, dem Wachskünstler Philippe Curtius, der wenige Jahre später sein erstes Wachsfigurenkabinett in Paris eröffnete.
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2. Als Förderin der Künste...
In ihrer machtvollen Position am Hof von Versailles durfte sich Jeanne nicht nur regelmäßig über Geschenke freuen, sondern auch als Förderin der Künste in Erscheinung treten, was sie mit Vorliebe tat und dabei einen guten Geschmack bewies, der seit ihrer frühesten Kindheit geschult worden war.

Nachdem Ludwig ihr das Schlösschen in Louveciennes bei Paris geschenkt hatte, ließ Jeanne es erweitern und neu dekorieren. Besonders bedeutend war der Pavillon de musique, den sie ab 1771 von Architekt Claude Nicolas Ledoux errichten ließ und der als der Prototyp des französischen Klassizismus schlechthin gilt.
3. ...kann man auch mal daneben liegen
Ein weiterer bedeutender Künstler, der mit die Neudekoration des Schlosses beauftragt wurde, war Jean-Honoré Fragonard. Für den Pavillon sollte er einige Wandgemälden schaffen. Als Ergebnis lieferte er die vierteilige Serie Das Fortschreiten der Liebe, ein bezauberndes Ensemble im Stil des späten Rokoko mit romantischer Schäferidylle.
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Die Bilder wurden zunächst auch aufgehängt, schließlich aber doch abgelehnt, da die Schlossherrin sie als zu altbacken empfand. Schweren Herzens nahm Fragonard sie wieder mit und hängte sie im Haus seines Cousins in seiner Geburtsstadt Grasse auf. Heute sind sie Teil der Frick Collection in New York.
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4. Aus Liebe zum Schmuck

Einer der berüchtigtsten Kriminalfälle des 18. Jahrhunderts war die Halsbandaffäre von 1785/86, die der darin unschuldig verstrickten Königin Marie Antoinette das letzte Bisschen ihres guten Rufes kostete. Das pompöse Collier im Wert von 1,8 Millionen Livres war zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als zehn Jahre alt. Die Juweliere Böhmer und Bassenge hatten es aus den lupenreinsten Diamanten geschaffen, die sie finden konnten. All ihre Hoffnung setzten sie darauf, das Ludwig XV. es seiner Mätresse schenken würde.
Doch leider starb Ludwig XV. 1774 bevor er sich zum Kauf durchringen konnte und sein Enkel und Nachfolger Ludwig XVI. hatte kein Interesse daran. Böhmer und Bassenge reisten nun an die anderen Königshofe Europas, doch niemand war bereit, einen so hohen Preis zu zahlen. Die Verzweiflung der Juweliere machte sich schließlich eine Bande von Betrügern zu nutze, die das Collier vorgeblich im Namen Marie Antoinettes an sich brachten und die Diamanten nach und nach verkauften.
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5. Drei Porträts von Élisabeth Vigée-Lebrun
In den späten 1770er Jahren wurde Élisabeth Vigée-Lebrun zur gefragtesten Porträtmalerin Frankreichs. Marie Antoinette ließ sich mehrfach von ihr malen und jedes Mitglied des Adels, das etwas auf sich hielt, tat es ihr gleich. Natürlich auch Jeanne du Barry, und zwar insgesamt dreimal.

Die ersten beiden Bildnisse stammen aus den Jahren 1781 und 1782. Auf dem ersten ließ sie sich in einem damals voll im Trend liegenden schlichten weißen Kleid mit federgeschmückten Strohhut abbilden. Diese Mode war durch Königin Marie Antoinette populär geworden, die jedoch, als sie sich selbst in einem solchen Outfit malen und das Ergebnis öffentlich ausstellen ließ, für einen Skandal sorgte.
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Das Porträt von 1782 zeigt Jeanne (vielleicht als Frühlingsgöttin Flora?) in einem weißen Seidenkleid mit Rosen im Haar und einem Blumenkranz in der Hand. Jeanne lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren in ihrem Schlösschen in Louveciennes, wohin sie, nach dem Tod Ludwigs XV. zunächst in Ungnade gefallen (während ihrer Zeit in Versailles war die damalige Dauphine Marie Antoinette ihre ärgste Feindin gewesen), schließlich hatte zurückkehren dürfen. In jenem Jahr trat Jeanne erstmals als Mätresse eines weiteren hohen Herrn in Erscheinung, des Herzogs von Cossé-Brissac, der wie sie die Französische Revolution nicht überleben sollte. Möglicherweise war der Herzog der Auftraggeber dieses und des dritten Porträts seiner Geliebten, das von Élisabeth Vigée-Lebrun ausgeführt wurde.

Das dritte Bildnis stammt aus dem Jahr 1789 und ist das letzte Porträt Jeanne du Barrys, deren Leben vier Jahre später unter der Guillotine endete. Das Porträt wurde im Mai 2019 bei Christie's in New York versteigert und erzielte 975.000 USD.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 4. April 2019




