Mit dem Verkauf des Porträt des Mohammed Dervish Khan für 6,3 Millionen Euro bei Sotheby's am 30. Januar 2019 stieg Élisabeth Vigée-Lebrun in den Olymp der teuersten Künstlerinnen der Auktionsgeschichte auf und wurde außerdem zur teuersten Alten Meisterin. Die französische Malerin wurde bereits zu ihren Lebzeiten für ihre eleganten Porträts gefeiert, in denen sie ihre Modelle gleichermaßen mit königlicher Vornehmheit, Würde und Menschlichkeit darzustellen vermochte.
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Geboren wurde Élisabeth im Jahr 1755 in Paris als Tochter des Porträtmalers Louis Vigée und dessen Frau Jeanne, eine Friseurin. Schon früh machte sich bei Élisabeth ein großes Talent bemerkbar, sodass sie die Schülerin ihres Vaters wurde. Im Alter von 19 Jahren wurde sie Mitglied der Académie de Saint-Luc, zwei Jahre später heiratete sie Jean-Baptiste-Pierre Lebrun, einen Verwandten von Charles Le Brun, der Maler am Hofe Ludwigs XIV. gewesen war. Auch Lebrun war Maler und handelte auch mit Kunst. Das Zuhause des jungen Ehepaares diente gleichzeitig als Galerie, in der Élisabeth ihre Werke ausstellte.

Ihren großen Durchbruch als Porträtmalerin hatte Élisabeth im Jahr 1778, als sie nach Versailles gerufen wurde, um von Königin Marie Antoinette ein Staatsporträt anzufertigen. Marie Antoinette war hochzufrieden und viele weitere Aufträge folgten. Außerdem verband die beiden gleichaltrigen Frauen schon bald eine Freundschaft. Man war sich so sympathisch, dass Marie Antoinette einmal darauf bestand, alle Pinsel, die der im Jahr 1780 schwangeren Malerin runtergefallen waren, selbst aufzuheben.
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Die Freundschaft überstand auch den Skandal, den ein Porträt der Königin 1783 im Pariser Salon auslöste. Modebewusst wie sie war, hatte sich Marie Antoinette im "angesagtesten Outfit" der Saison, einem schlichten Musselinkleid mit Strohhut, malen lassen. Die Besucher des Salons waren so empört, dass das Bild aus der Ausstellung entfernt werden musste. Um die Gemüter zu beruhigen, wurde ein weiteres Porträt angefertigt, dass die Königin in der gleichen Pose, jedoch in einem etwas pompöseren Kleid zeigte.
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Ebenfalls im Jahr 1783 wurde Élisabeth Vigée-Lebrun in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen – was jedoch nur dem Einfluss Marie Antoinettes zu verdanken war, denn die natürlich von Männern geleitete Institution wollte davon eigentlich nichts wissen.
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1787 löste ein weiteres Werk Élisabeth Vigée-Lebruns einen Skandal im Pariser Salon aus, obwohl das Sujet mehr als harmlos erscheint: ein Selbstporträt, das die Malerin zusammen mit ihrer sechsjährigen Tochter Julie zeigt. Doch zeigte Élisabeth nicht nur ihr Kind, sondern auch ihre Zähne und beim Lächeln geöffnete Lippen waren damals ein Verstoß gegen die Etikette. Doch Skandale hin oder her, Élisabeth Vigée-Lebrun blieb bei ihren Kunden beliebt und stellte insgesamt neun Mal im Salon aus.
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Doch schon bald änderte sich alles. 1789 brach die Französische Revolution aus und nicht nur die königliche Familie wurde immer unbeliebter, sondern auch alle, die jemals in ihrer Gunst gestanden hatte. Dazu zählte auch Élisabeth Vigée-Lebrun, die sich in Paris nicht mehr sicher fühlte.

Und so begab sich Élisabeth für die nächsten zwölf Jahre ins Exil. Gemeinsam mit ihrer Tochter Julie reiste sie durch Europa, besuchte Italien, Österreich, England und Russland. Ihr guter Ruf eilte ihr stets voraus und auch ihre enge Verbindung zu Marie Antoinette öffnete ihr die Tore zu den königlichen Palästen. In dieser Zeit wandelte sich ihr Stil zunehmend von den weichen Linien des Rokoko zum klar umrissenen Klassizismus. Ihre adeligen und königlichen Modelle setzte sie als Figuren der griechisch-römischen Mythologie in Szene, Prinzessinnen, Baronessen und Kaiserinnen wurden zu Ariadne (Königin von Kreta), Iris (Personifikation des Regenbogens), Hebe (Göttin der Jugend) oder Flora (Göttin der Blumen).
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Das Porträt, das sie selbst am liebsten mochte, war Emma Hamilton als Sibylle von Cumae aus dem Jahr 1792. Es zeigt die jugendliche Lady Hamilton, die als Geliebte von Lord Nelson in die Geschichte einging, gekleidet in ein karminrotes Kleid mit Turban, als die mächtige Prophetin der Antike, die Vergil in seinem Epos Aeneis beschrieb.
1802 kehrte Élisabeth Vigée-Lebrun in ihre Geburtsstadt Paris zurück, ihre Ehe mit Jean-Baptiste-Pierre Lebrun war während ihrer Abwesenheit geschieden worden.
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Ihre Reisen durch Europa, vor allem nach London und in die Schweiz, setzte sie fort und erfreute sich anhaltender Popularität. Im hohen Alter veröffentlichte Élisabeth Vigée-Lebrun ihre umfangreichen Memoiren, bevor sie 1842 im Alter von 86 Jahren die Augen für immer schloss.
Nachdem ihrem Werk in der Folgezeit nur noch wenig Beachtung geschenkt worden war, erlebte es durch Retrospektiven im Grand Palais in Paris (2015/16) und im Metropolitan Museum of Art in New York (2016) ein Revival.
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Heute befindet Élisabeth Vigée-Lebruns Œuvre, das aus mehr als 850 Porträts und Landschaften besteht, in den bedeutendsten Museen der Welt, darunter der Louvre, die National Gallery in London, das Metropolitan Museum, die Eremitage in Sankt Petersburg und die Berliner Gemäldegalerie.

Doch es war vor allem die Versteigerung des großformatigen Porträts des Mohammed Dervish Khan im Jahr 2019, die Élisabeth Vigée-Lebrun wieder ins Rampenlicht rückte. Das Porträt erinnert an den Besuch des indischen Botschafters in Frankreich im Jahr 1788, wo er um Unterstützung gegen die Briten in seinem Land bat. Doch Frankreich, am Vorabend von dem, was zur Französischen Revolution werden sollte, konnte keine Versprechungen machen. Dies begünstigte die fortschreitende Machtübernahme der Briten in Indien, die erst 1947 enden sollte.
Es war der eigene Wunsch Élisabeth Vigée-Lebruns, den Botschafter zu malen. Doch dieser weigerte sich zunächst, für eine Frau Modell zu stehen. Wieder war es Marie Antoinette, die ihren Mann dazu bewog, ein Machtwort zu sprechen, sodass schließlich jenes Porträt entstehen konnte, durch das seine Schöpferin zu einer der teuersten Malerinnen der Auktionsgeschichte wurde.
