„Wir sind Welterbe“ darf die Website der Darmstädter Mathildenhöhe seit Samstag (24. Juli 2021) verkünden. In seiner 44. Sitzung hat das Komitee der UNESCO das Gelände der ehemaligen Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt zur 48. Welterbestätte in Deutschland erklärt. Damit folgte die Organisation dem Vorschlag der deutschen Kultusministerkonferenz von 2014.
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Gegründet worden war die Künstlerkolonie 1899 durch den damals regierenden Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1868-1937), der sein kleines Reich und die Kunst darin erblühen sehen wollte und sich zudem einen wirtschaftlichen Aufschwung erhoffte.

Ernst Ludwigs Pläne zogen viele Jugendstilkünstler an, allen voran den österreichischen Architekten Joseph Maria Olbrich, den der Großherzog während eines seiner vielen Aufenthalte in Wien kennengelernt hatte, wo nach Plänen Olbrichs 1896 das Ausstellungsgebäude der Wiener Secession errichtet worden war.
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Olbrich wurde zur zentralen Figur der neuen Kolonie, für deren Standort mit der Mathildenhöhe die höchste Erhebung des innerstädtischen Gebiets von Darmstadt auserkoren wurde. Benannt nach Ernst Wilhelms Großtante Mathilde, einer geborenen Prinzessin von Bayern, befanden sich dort bereits eine großherzogliche Gartenanlage im englischen Landschaftsstil, eine russisch-orthodoxe Kapelle (erbaut für die letzte russische Zarin Alexandra, geborene Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt) und ein Reservoire für die Wasserversorgung Darmstadts.

Olbrich war auch der Architekt der meisten Gebäude auf dem Gelände: Das Atelierhaus (Ernst Ludwig-Haus) und Wohnhäuser, die, vollständig dekoriert und eingerichtet, auf der ersten Ausstellung von 1901 besichtigt werden konnten.
Das bekannteste Bauwerk Olbrichs in Darmstadt ist jedoch das Ausstellungsgebäude mit dem Hochzeitsturm von 1908, der das Wahrzeichen der Künstlerkolonie Mathildenhöhe darstellt. Während der vierten Ausstellung 1914 brach der Erste Weltkrieg aus und vier Jahre später musste Ernst Ludwig abdanken, wodurch auch sein „Projekt Mathildenhöhe“ zum Erliegen kam. 1965 entstand in dem benachbarten Park Rosenhöhe eine neue Künstlerkolonie in Darmstadt.
Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe kann besichtigt werden, in dem im Ernst Ludwig-Haus untergebrachten Museum werden Wechselausstellungen gezeugt. Alle Informationen finden Sie auf der Website.
Die Darmstädter Mathildenhöhe reiht sich nun ein in die Liste der zahlreichen Welterbestätten in Deutschland ein, von denen 45 dem Kulturwelterbe (u.a. die Würzburger Residenz, die römischen Baudenkmäler in Trier und die Wartburg) und drei dem Naturwelterbe (u.a. das Wattenmeer) angehören.
Ebenfalls neu auf der Liste sind Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen als Teil des länderübergreifenden Welterbes der bedeutenden Kurstädte Europas, das auch Bath (Vereinigtes Königreich), Spa (Belgien), Vichy (Frankreich), Montecatini Terme (Italien), Baden bei Wien (Österreich) und die drei tschechischen Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad umfasst. Hinzu kommen außerdem die erhaltenen Stätten der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz.




