Die Kunstwelt hat vieles, auf das sie sich freuen kann, wenn in den kommenden Wochen in Auktionssälen New Yorks bedeutende Kunstwerke zum Aufruf kommen, neue Rekorde für Klimt und Kahlo erzielt werden könnten und mehrere signifikante Privatsammlungen unter den Hammer kommen.
Als wäre das alles noch nicht genug, hat Sotheby's angekündigt, dass es eine 100 Kilogramm schwere goldene Toilette namens America versteigern wird. Bei dem voll funktionsfähigen "Thron" handelt es sich um eine Arbeit des professionellen Provokateurs Maurizio Cattelan.
Cattelan, der im November 2024 für Aufsehen sorgte, als Comedian (2019), die berühmte, mit Klebeband an der Wand befestigte Banane, für 6,2 Millionen US-Dollar vom Krypto-Milliardär Justin Sun gekauft wurde, kehrt damit zu Sotheby's zurück, wobei die Gebotsabgabe nun bei 10 Millionen US-Dollar starten soll.
Lesen Sie auch: Was es mit Cattelans Banane auf sich hat
Geschaffen im Jahr 2016, handelt es sich bei America um die massive Nachbildung einer Toilette von Kohler aus 18-karätigem Gold – Auflage: 2 Stück. Das Exemplar, das diesen November versteigert wird, wurde 2017 via Marian Goodman Gallery an einen Privatsammler verkauft, bei dem es sich angeblich um den Hedgefonds-Manager und New York Mets-Besitzer Steve Cohen handeln soll.

Das zweite Exemplar kann eine weit turbulentere Geschichte vorweisen. Zunächst wurde es 2016 im Solomon R. Guggenheim Museum installiert, wo es von mehr als 100.000 Besuchern frequentiert wurde. Später wurde es während Trumps erster Amtszeit dem Weißen Haus als Leihgabe angeboten, als Alternative zu einem angeforderten Van Gogh. 2019, als es als Leihgabe in Blenheim Palace, dem Geburtsort Winston Churchills und UNESCO-Welterbestätte, weilte, wurde es gestohlen. Im Juni 2025 wurden zwei Verdächtige für schuldig befunden, die Toilette bleibt jedoch verschwunden.
Lesen Sie auch: Gold und Juwelen im Fokus von Museumsdieben
Mit dieser Geschichte im Hinterkopf, wird das verbliebene Exemplar in einem Badezimmer des Breuer Building, Sotheby's neuem Hauptsitz in New York, installiert. Erstmals in der Auktionsgeschichte hat das Auktionshaus angekündigt, dass das Startgebot an den Materialwert des Kunstwerks gekoppelt sein und sich bis zum Zuschlag an den Goldpreis anpassen wird. Bei den aktuellen Marktpreisen liegt das Startgebot damit bei rund 10 Millionen US-Dollar (Kryptowährungen werden akzeptiert). In einer Pressemitteilung bezeichnete David Galperin, Leiter der Abteilung für zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s New York, das Werk als Cattelans „größte Duchamp’sche Geste“, die die Frage aufwerfen soll: Wie bewerten wir Kunst?
Als Comedian im vergangenen Jahr verkauft wurde, löste das eine Diskussion über Urheberschaft, Wert und Spektakel aus. Sotheby's positioniert America als „perfekten Kontrast dazu“, ein Werk, dessen materieller Wert im Moment des Verkaufs objektiv messbar ist.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
Auch wenn die Kunstwelt von Provokation lebt, dürften die Reaktionen auf diese Ankündigung gemischt ausfallen, insbesondere im aktuellen sozioökonomischen Klima.


