Dass bei Grisebach Meisterwerke von internationalem Format unter den Hammer kommen, hat uns das Berliner Auktionshaus erst im vergangenen Dezember eindrucksvoll vor Augen geführt, als es Max Beckmanns Selbstbildnis gelb-rosa von 1943 für 23,2 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) verkaufte, was einen neuen deutschen Auktionsrekord bedeutete.
Auch in seiner kommenden Sommerauktion, die am 1. und 2. Juni stattfinden wird, hat Grisebach eine großartige Offerte zusammengestellt, die viele Highlights zu bieten hat. So auch in der Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“, die die Auktionsreihe am 1. Juni um 14 Uhr eröffnet und neben einem Konvolut mit 14 floralen Scherenschnitten Philipp Otto Runges auch eine bis vor Kurzem unbekannte zweite Fassung des Porträts der „schönen Münchnerin“ Helene Sedlmayr von Josef Stieler umfasst.
Ein wahres Stelldichein bedeutender Maler ist wie üblich der Katalog „Ausgewählte Werke“, dessen 45 Lose am selben Tag um 18 Uhr versteigert werden.

Als Top-Los der Gesamtofferte kommt hier Lyonel Feiningers Ölgemälde Trompetenbläser im Dorf von 1915 zum Aufruf, das den Weg des in Deutschland lebenden Amerikaners vom Karikaturisten zum Maler widerspiegelt. Tatsächlich hatte sich Feininger, der später von Walter Gropius ans Bauhaus berufen wurde, erst wenige Jahre zuvor mit Mitte Dreißig der Malerei zugewandt. In dieser frühen Phase gehörten Karnevalsbilder mit Musikanten zu seinen wiederholten Motiven. Auch im Zentrum des vorliegenden Werks ist ein Musikant mit einer – entgegen dem Titel – Tuba zu sehen. Doch kann von einer ausgelassenen Karnevalsstimmung nicht die Rede sein. Vielmehr wenden sich die karikaturesk anmutenden Figuren größtenteils ab, ihre schraffiert wiedergegeben Gesichter sind von Abneigung gezeichnet. Hier muss man sich den Entstehungszeitraum vor Augen halten: September 1915, als die Kriegsbegeisterung des Vorjahres bereits zum Erliegen gekommen und Ernüchterung eingetreten war. Das großen Tönen wollte man gar nicht mehr hören. Trompetenbläser im Dorf stammt aus dem Nachlass Lyonel Feiningers und wird nun erstmals auf dem Auktionsmarkt angeboten.

Auch August Mackes Mann auf Bank wurde aus dem Nachlass seines Schöpfers erworben und wird nun von den Erben des damaligen Käufers angeboten. Das mit 1913 datierte Gemälde entstand vermutlich im Herbst jenes Jahres, als sich Macke mit seiner Familie nach einer aufreibenden Ausstellungstätigkeit in die Schweiz zurückgezogen hatte, um sich wieder auf seine Malerei zu konzentrieren. Das vorliegende Gemälde zeigt, wie Macke zu einer Leichtigkeit fand, die gleichzeitig dynamisch und idyllisch erscheint – eine lebendige Komposition aus Farbformen, die durch den gekonnten Einsatz von Lichtflecken und der Beibehaltung einer reduzierten Farbpalette absolut harmonisch wirkt.

Ermuntert durch die Freundschaft mit dem Schweizer Tiermaler Jean-Bloé Niestlé, wandte sich Franz Marc 1905 ebenfalls diesem Sujet zu – allerdings nicht im herkömmlichen Sinne. Marc wollte das Wesen der Tiere, für ihn die Verkörperung der Unschuld und Reinheit, im Einklang mit der Natur zum Ausdruck bringen. Er begann sich intensiv mit Farben zu beschäftigen und schuf schließlich eine eigene Farblehre, sie er in seinen Tierbildern anwendete, wobei Blau für das männliche Prinzip, Gelb für das weibliche Prinzip und Rot für die alles beherrschende Materie stand. Die 1913/14 in Tempera auf Papier ausgeführte Blaue Kuh zeigt selbige als verbindendes Element zwischen einer geometrischen Komposition und einigen natürlichen Formen am rechten Bildrand.

1984 entdeckte Günther Förg Blei als perfekten Untergrund für seine minimaltischen Werke. Genau genommen das in der Dachdeckerei verwendete Walzbleich – irgendwie passend für einen von der modernen Architektur inspirierten Künstler. Dieser ungewöhnliche (und zugegebenermaßen auch schwere) Bildträger bildete mit seiner Patina den perfekten Untergrund für die Farbexperimente Förgs, der die Farben dünn oder nur teilweise auftrug und das Blei somit zu einem Teil des Kunstwerks machte. Bei Grisebach kommt eine 12-teilige Arbeit aus dem Jahr 1987 zum Aufruf, die aus einer Berliner Privatsammlung stammt.
Weitere Highlights in der Auktion „Ausgewählte Werke“ stammen von Künstlern wie Lovis Corinth, Sol LeWitt, Hans Hartung, Max Pechstein und Max Beckmann. Meister von internationalem Renommee sind auch in den beiden Auktionen am 2. Juni vertreten, die moderner Kunst (11 Uhr) und zeitgenössischer Kunst (18 Uhr) gewidmet sind.
Die Versteigerungen finden am 1. und 2. Juni bei Grisebach, Fasanenstraße 27, in Berlin statt. Die Ausstellung ist dort vom 24. bis 31. Mai geöffnet.
Entdecken Sie alle Lose der Sommerauktion von Grisebach gleich hier!



