Am 27. und 28. November präsentierte das Berliner Auktionshaus Grisebach seine diesjährigen Winterauktionen mit rund 450 Losen, deren unterer Schätzwert bei 15,5 Millionen Euro lag. Zum Aufruf kamen Werke vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, wobei vor allem die Moderne erneut hervorragend besetzt war, was die Top-Ergebnisse widerspiegeln, die im Folgenden inklusive Aufgeld angegeben sind.
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Zum Auftakt kam aus dem Nachlass von Dr. Walter Bauer dessen seit Jahrzehnten vor der Öffentlichkeit verborgene Sammlung unter den Hammer, mit Paula Modersohn-Beckers Selbstbildnis nach halblinks (1906) als besonderes Highlight. Geschätzt auf 250.000-350.000 Euro, war es schließlich ein europäischer Privatsammler, der das umkämpfte Werk für 1.270.000 Euro ersteigern konnte. Das Ergebnis bedeutete einen neuen Weltrekord für Modersohn-Becker und unterstreicht das wachsende Interesse an den Künstlerinnen der Moderne im Allgemeinen und ihr selbst im Besonderen.

Heiß umkämpfte waren auch weiterte Werke, die ebenfalls hohe Preissteigerungen erlebten: So erzielten Adolph Menzels Aquarell Gruft der Liebfrauenkirche in Halberstadt (1853) 355.600 Euro (Schätzpreis 40.000-60.000 Euro), Käthe Kollwitz’ Tuschzeichnung Selbstbildnis, vor einem Stuhl kniend (um 1891) 215.900 Euro (Schätzpreis 30.000-40.000 Euro) und Caspar David Friedrichs Zeichnung Landschaft mit Felsgipfel (um 1799) 228.600 Euro (Schätzpreis 80.000-120.000 Euro).
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Der Gesamterlös der Auktion, in der 90% der Lose verkauft wurden, lag bei 5,7 Millionen Euro, was die untere Schätzung beinahe verdoppelte.
Nicht weniger bravourös endete auch die Versteigerung der Offerte „Ausgewählte Werke“ am Abend des 27. November.
Hier konnte der höchste Preis der Winterauktionen erzielt werden, als Georg Kolbes Skulptur Stehende Frau (1915/16) für 1.416.400 Euro in einem deutschen Privatsammler einen neuen Besitzer fand und ihren Schätzpreis in Höhe von 250.000-350.000 Euro weit hinter sich ließ.

Eine weitere siebenstellige Summe wurde für Günther Ueckers Hauptwerk Weißer Wind (1986) gezahlt: 1.016.000 Euro war einem Schweizer Privatsammler das eindrucksvolle Nagelbild wert (Schätzpreis 800.000-1.200.000 Euro). Ebenfalls in die Schweiz gingen Lyonel Feiningers Düne im Lichtstrahl I (736.600 Euro) sowie Emil Noldes Zinnien und Sonnenblumen (698.500 Euro).
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Ein besonderes Highlight der Auktion war das nach rund 170 Jahren wiederentdeckte Gemälde Die Lange-Brücke von den Mühlen aus gesehen (1856) des Berliner Stadtmalers Eduard Gaertner, das auf 200.000-300.000 Euro geschätzt worden war und schließlich für 469.900 Euro in eine süddeutsche Privatsammlung wechselte.
Gaertners noch biedermeierlichem Idyll von Berlin stand in der Auktion Rudolf Schlichters 70 Jahre jüngeres Aquarell Hausvogteiplatz (1926) gegenüber, das die Gesellschaft des Berlins der 1920er Jahre kritisch unter die Lupe nimmt. Das Werk wurde für 495.300 Euro in die USA verkauft, was einen neuen Weltrekord für eine Arbeit auf Papier Schlichters bedeutete. Der allgemeine Rekord für Rudolf Schlichter, 600.000 Euro, wurde 2017 ebenfalls bei Grisebach erzielt (Porträt Helene Weigel).
Erst im Juni dieses Jahres konnte Grisebach einen neuen Weltrekord für Per Kirkeby erzielen, als dessen Gemälde Fünf für 571.500 Euro verkauft wurde. Die jetzt für Første Sommer (1987) von einem süddeutschen Privatsammler gezahlten 469.900 Euro stellen einen weiteren Spitzenpreis für ein Werk des dänischen Künstlers dar.
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„Die außerordentlich starken Ergebnisse zeigen, wie lebendig und international gefragt der Standort Berlin ist. Die hohe Verkaufsquote und die Weltrekorde für Paula Modersohn-Becker und Georg Kolbe, sowie Spitzenzuschlag für Uecker’s „Weißer Wind“ unterstreichen die Qualität unserer Arbeit. Wir sind einmal mehr dankbar für diesen Vertrauensbeweis unserer Kunden und Sammler und arbeiten nun mit großer Energie an unseren Jubiläumsauktionen 2026, anläßlich der Gründung Grisebachs im Jahre 1986“, sagt Daniel von Schacky, Sprecher der Geschäftsführung und Partner bei Grisebach.
Das erste Geschenk zu seinem 40. Geburtstag hat sich das Auktionshaus mit einem erfreulichen Jahresumsatz von 47 Millionen Euro bereits jetzt selbst überreicht.
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