Zehn Jahre benötigte Lyonel Feininger, um eines der Top-Lose der diesjährigen Sommerauktion des Berliner Auktionshauses Grisebach zu einem Abschluss zu bringen – eine Mühe, die sich lohnte, wurde Vollersroda III doch zu einem gefeierten Gemälde der Weimarer Republik.
Begonnen hatte der Prozess im Jahr 1906, als sich Feininger erstmals in Weimar aufhielt und die dortige Umgebung erkundete. Das Dorf Vollersroda hatte es ihm angetan und er kehrte wiederholt dorthin zurück, um Skizzen anzufertigen. Ab 1913 folgte die Umsetzung in mehreren Gemälden. 1914 war die Gestaltung von Vollersroda III in Form einer Kohlezeichnung ausgearbeitet, das entsprechende Gemälde folgte 1916, eine wohldurchdachte kubistische Kompostion fein nuancierter, gedeckter Farben. Bereits im Folgejahr begann die Ausstellungsgeschichte von Vollersroda III, welche im Erwerb des Gemäldes durch die Nationalgalerie Berlin für die Galerie der Lebenden im Kronprinzenpalais im Jahr 1919 gipfelte. Zu jenem Zeitpunkt war Feininger bereits als Lehrer ans Weimarer Bauhaus berufen worden. Die Nationalsozialisten hatten für Feiningers Kunst nichts übrig. Das in der Weimarer Republik populäre Vollersroda III, mittlerweile im Besitz des Städtischen Museums in Halle (Saale), wurde 1937 aus der Ausstellung entfernt und 1941 in die USA verkauft, genauer gesagt nach New York, Feiningers Geburtsstadt, wohin dieser 1937 zurückgekehrt war. Ob er sein bedeutendes Werk dort noch einmal gesehen hat?

1997 wurde Vollersroda III bei Grisebach in eine bedeutende Berliner Privatsammlung verkauft. Nun kehrt das Werk in den Auktionssaal des Berliner Auktionshauses zurück, wo 57 Werke dieser Sammlung im Zuge der Sommerauktion zum Aufruf kommen, aufgeteilt auf die Offerten „Ausgewählte Werke“ am 5. Juni um 18 Uhr und „Moderne Kunst“ am 6. Juni um 11 Uhr.

Wie Vollersroda III wird auch das zweite Top-Los der Sammlung am 5. Juni unter den Hammer kommen. Die Rede ist von Max Beckmanns Orchester, einer außergewöhnlichen Auftragsarbeit aus dem Jahr 1932. Auftraggeber war der mit Beckmann bekannte Frankfurter Jurist Ernst Levi, der damit seiner Frau Martha eine Freude machen wollte. Darauf zu sehen sind, einander zugeneigt, ein Saxophon und eine Geige. Fast wirkt es wie ein Doppelporträt. Doch von wem? Vom Ehepaar Levi? Schließlich war Martha Levi Konzertviolinistin. Oder doch vom Ehepaar Beckmann? Auch Quappi spielte Geige, während sich Beckmann stark für Musikinstrumente interessierte und sie wiederholt in seinen Werken abbildete, auch wenn er wohl keines davon spielen konnte.

Ein weiteres Gemälde Beckmanns der Offerte ist das zehn Jahre später entstandene Stillleben mit Skulptur, das nicht minder rätselhaft ist. Als Protagonisten wie in einem Bühnenstück sind hier zwei Köpfe zu sehen, ein mürrischer menschlicher, der aus Bronze bestehen könnte, sowie der freundlich blickende eines Pferdes von nicht näher bestimmbarem Material. Sie scheinen miteinander zu agieren und unwillkürlich fragt man sich, ob eine Konversation stattgefunden hat, die das Pferd amüsiert, den Menschen jedoch brüskiert hat.

Aktuell hat die Aluminiumskulptur Flora von Franz West ihre Zelte im Garten der Villa Grisebach aufgeschlagen, nachdem sie seit 2007 als Teil des Skulpturenensembles Generally vor dem Hauptsitz der Generali AG in München installiert gewesen war. Typisch für Wests Werk weist auch Flora eine gewisse Willkür zur Unwillkür auf, womit etwaige Übereinstimmungen mit bereits Dagewesenem zu vermeiden. Die auffällige Farbe steht im Kontrast zur umgebenen Natur, jedoch ohne eine Disharmonie zu bewirken.

Wie Franz Wests Flora entstammt auch Ohne Titel von Günther Förg dem Spätwerk seines Schöpfers. Die Tupfenbilder, die ab 2005 entstanden, waren die letzte Werkreihe des Künstlers, bevor dieser die Malerei nach einem Schlaganfall aufgeben musste. Die Farben legte er vor Beginn des Malprozesses fest, die Pinselstriche führte er in unterschiedlicher Intensität aus, stets darauf bedacht, eine harmonische Komposition zu schaffen, die die Sphäre der Abstraktion niemals verlässt.

Mit großem zeitlichen Abstand zu den übrigen Losen der Auktion „Ausgewählte Werke“ wurde diese Kreidezeichnung zu Papier gebracht, und zwar von Jacopo da Pontormo, dem großen Florentiner Manieristen und herausragenden Zeichner des 16. Jahrhunderts. Das vorliegende Blatt steht in engem Zusammenhang mit der im Musée des Beaux-Arts in Lille aufbewahrten Rötelzeichnung Studie dreier männlicher Akte von ca. 1517, die als ein zeichnerisches Hauptwerk des jungen Pontormo gilt.
Ergänzt werden „Ausgewählte Werke“ und „Moderne Kunst“ durch die Offerten „Kunst des 19. Jahrhunderts“ (5. Juni, 14 Uhr) sowie „Zeitgenössische Kunst“, die die Sommerauktionen von Grisebach am 6. Juni um 16 Uhr abschließt.
Alle Versteigerungen finden in der Villa Grisebach, Fasanenstraße 25, in Berlin statt. Die Ausstellung ist dort vom 29. Mai bis 4. Juni zugänglich.
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