Berühmt dafür, das Zweite Kaiserreich mit den modernsten Methoden, die es damals gab, festgehalten zu haben, war Gustave Le Gray ein Fotografiepionier höchster Güte – aber auch ein Maler. Dieser Teil seines Œuvres war bis vor Kurzem jedoch beinahe völlig undokumentiert, bis einige Gemälde wieder auftauchten, darunter auch das beeindruckende Gemälde, dass Le Gray von seiner ersten Ehefrau, Palmira Madeleine Gertrude Leonardi, geschaffen hatte. Das hochinteressante Bildnis, das wir Ihnen kürzlich vorgestellt hatten, erregte auch die Aufmerksamkeit mehrerer Museen.
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Schließlich war es das Pariser Musée d'Orsay, das sich das Porträt für 67.600 Euro sichern konnte, indem es von einem Vorkaufsrecht gebrauch machte, das es nach einem Gesetz von 1901 französischen Museen ermöglicht, den Höchstbietenden einer Auktion zu den selben Verkaufsbedingungen zu ersetzen. Vorab der Versteigerung war das Porträt von Auktionator Marc Labarbe in Toulouse auf 30.000-50.000 Euro geschätzt worden.

Obwohl er zwischen 1848 und 1853 wiederholt im Pariser Salon glänzte und auch ein Porträt von Kaiserin Eugénie malte, lag seine Tätigkeit als Maler weitgehend im Dunkeln – ebenso seine Werke. „Wir wissen nichts über die Malerei von Le Gray: Es wurde kein Gemälde identifiziert, obwohl er sie sein ganzes Leben lang produziert hat“, schrieb Sylvie Aubenas, Chefkuratorin der Abteilung für Druckgrafik und Fotografie der Französischen Nationalbibliothek 2002 in dem umfangreichen Katalog, den sie anlässlich einer Retrospektive des Künstlers herausgegeben hatte.
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Angesichts der Verdienste Gustave Le Grays im Bereich der Fotografie und bei der Verwendung dieses Mediums als Mittel der modernen politischen Kommunikation (er war offizieller Fotograf der kaiserlichen Familie, Gründer der Französischen Gesellschaft für Fotografie und Erfinder verschiedener fotografischer Verfahren) ist es nicht verwunderlich, dass das Portrait de Mme G.L, das nicht nur mit seiner Seltenheit, sondern auch mit hoher Qualität begeistert, die Aufmerksamkeit der Kuratoren der großen Institutionen erregte.
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Das Porträt aus dem Jahr 1853 zeigt Palmira Madeleine Gertrude Leonardi, die Gustave Le Gray im Mai 1844 in Rom kennengelernt und geheiratet hatte. Palmiras Schönheit brachte ihr jedoch klein Glück: Vier ihrer sechs gemeinsamen Kinder mit Le Gray starben früh und als ihr Ehemann sie auf der Flucht vor seinen Gläubigern sitzen ließ und in den Orient floh, folgte sie ihm bis Italien, wo sich ihre Spur verlor.
Ausgestellt im Salon von 1853 unter dem Titel Portrait de Madame GL, schlummerte das mit höchster Intensität geschaffene Werk unbemerkt im Besitz der Nachfahren des malenden Fotografen und wurde deshalb nie dokumentiert.
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