Am späten Nachmittag eines Samstags im Jahr 1999 brach ein durch eine vernachlässigte Zigarette und eine leicht brennbare Chaiselongue verursachtes Feuer in der Wohnung von Patrick Procktor im Londoner Stadtteil Marylebone aus. Zwar konnte Procktors Sohn Nicholas mit geringfügigen Verbrennungen entkommen und es wurden auch ein paar Dinge gerettet, doch die Wohnung war zerstört. Trotz verzweifelter Bemühungen waren viele Bücher, Gemälde, Kunstwerke und persönliche Dinge, die allesamt nicht versichert waren, ein Opfer der Flammen. Patrick Procktor war mit einem Mal obdach- und mittellos.

Das unheilvolle Ereignis, bei dem ein zu hoher Alkoholkonsum und ein Hang zur Selbstzerstörung eine Rolle spielten, markierte den Abstieg in einem sowieso schon chaotischen und dysfunktionalen Leben, zu dem bizarrerweise auch eine kurze Untersuchungshaft gehörte, nachdem Procktors schon ältere Mutter Vorwürfe wegen versuchten Mordes gegen ihn erhoben hatte. Patrick Procktor starb 2003 im Alter von 67 Jahren.

All das war weit entfernt von seinen ruhmreichen Tagen als enfant terrible der Kunstszene der 60er Jahre. Im Alter von 27 Jahren plötzlich ein Star, ist Patrick Procktor heute weitgehend vergessen oder zumindest unterschätzt, was vor allem die breite Öffentlichkeit betrifft und weniger Künstlerkollegen und kundige Sammler.
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Doch in den Salons des Swinging London sorgte der ehemalige Unterleutnant mit seinem extravaganten Tonfall, seiner Zigarettenspitze aus Bernstein und seinem brüllenden Lachen für Aufsehen. Cecil Beaton nannte ihn einen "intellektuellen Leckerbissen", der Künstler Mark Vaux "zwanzig Fuße hoch". Damals so berühmt wie sein großartiger Freund David Hockney, wurden die beiden als zwei der leuchtendsten Sterne am Künstlerfirmament gefeiert – und das in einer Generation, die Peter Blake und R. B. Kitaj hervorgebracht hat.

Procktor, der fließend Russisch sprach, war ein Künstler von hoher Intelligenz. Sein Werk zeugt von einer gewissen romantischen Sensibilität, Eleganz und Zartheit der Berührung. Im Sommer 1967 machte er mit David Hockney und Peter Schlesinger Urlaub in Italien. Hockney hatte eine Kiste Aquarellfarben mitgebracht, ließ diese jedoch schon bald links liegen, um mit Farbkreiden zu malen. Procktor schnappte sich die Kiste und fing an, direkt aus dem Leben zu malen, was seine Liebe zu dem Medium begründete.
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Für Bewunderer der feinen Aquarelle und Aquatinten mag Procktors zweifellos von Kollegen wie Keith Vaughan und Graham Sutherland inspiriertes Frühwerk in Öl eine freudige Überraschung sein, die von seiner bemerkenswerten Beherrschung von Farben, Formen und Räumen zeugt.
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Vor allem aber zeugte Procktors spätere Meisterschaft in der Aquarellmalerei – jener so unmodernen, typisch englischen Farbe – von Selbstvertrauen, Sparsamkeit und fließenden Bewegungen. Seine spätere Arbeit als Grafiker ist zugänglich und dennoch raffiniert. Aquatinten von Venedig, China, Japan und Ägypten verschafften ihm in den siebziger und achtziger Jahren enorme Popularität. 1978 gehörte Procktor sogar zu einer kleinen Gruppe zeitgenössischer britischer Künstler, die in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen wurden.
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Mitte der 1990er-Jahre war Procktor jedoch depressiv geworden und litt unter Drogenmissbrauch, obwohl er sich nach seiner Wahl in die Royal Academy scheinbar auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand. Nach dem Brand, der einen Großteil seiner Kunst zerstörte, verbrachte er seine letzten Jahre damit, einfache Stillleben zu malen.
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Seit seinem Tod ist das Interesse an Procktors Kunst wieder etwas gestiegen. Seine Werke wurden in wichtigen Gruppenausstellungen in der Tate Britain ("Watercolour", 2011), der Tate Liverpool ("Glam! The Performance of Style", 2013) und erneut in der Tate Britain ("Queer British Art", 2017) gezeigt. Er war Gegenstand der Monografie des Kunsthistorikers Ian Massey mit dem Titel Patrick Procktor: Art and Life und in vielen ausverkauften Ausstellungen zu sehen.
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