In seinen neun Auktionen, die zwischen dem 1. und 10. Dezember stattfinden werden, lässt das dänische Auktionshaus Bruun Rasmussen es ordentlich krachen: Abstrakte Kunst und modernes Design kommen ebenso unter den Hammer wie zeitlose Armbanduhren und exklusiver Schmuck.

Am 10. Dezember kommen 255 sensationelle Designobjekte zum Aufruf, von Jonas Bohlins Concrete über Gabriella Crespis Fungo bis hin zu Hans J. Wegners The Chair. Ebenfalls nicht verpassen darf man Entwürfe von Ikonen wie Kaare Klint, Jean Prouvé und Axel Salto.

Der Höhepunkt der Auktion ist zweifellos jene bekannte Möbelgruppe, die seit 80 Jahren vermisst wird. Das Sofa Elephant und die beiden passenden Sessel erschienen erstmals 1939 auf der Bildfläche. In jenem Jahr beendete Designer Finn Juhl sein Studium an der Architekturschule der Königlich Dänischen Kunstakadmie der Künste ab. Der damals 27-jährige Absolvent erhielt kurz darauf den Auftrag, den Stand von Niels Vodder für die Ausstellung der Kopenhagener Möbeltischlergilde zu gestalten. Als Teil dieses Auftrags entwarf Juhl besagte Sitzgruppe. Nach der Ausstellung wurde sie vom Autoren und Künstler Mogens Lorentzen erworben, seitdem befindet sie sich im Besitz der Familie.
Im Laufe der Jahre haben die Möbel so manche ästhetische Veränderung erfahren, erhielten neue Bezüge und schwarze Lackfarbe an den Beinen. Diese Maßnahmen wurden mittlerweile wieder beseitigt und die Möbel ordnungsgemäß restauriert. Sogar den Originalstoff von 1939 konnte man ausfindig machen. So erstrahlen das Sofa und die beiden Sessel heute wieder in ihrem Originalzustand mit anthrazitgrauen Polstern und blau-weiß gestreiften Sitzkissen.

Die Besucher der Ausstellung von 1939 empfanden die Möbelgruppe von Juhl und Vodder als kontrovers und provokativ. Die skulpturalen und organischen Formen haben einen klaren Bezug zur modernen Kunst, vor allem zur spielerischen Abstraktion von Jean Arp. In einem Rückblick auf die Ausstellung schrieb die dänische Zeitung Berlingske Aftenavis: „Der Architekt Finn Juhl hat ein exzentrisches Wohnzimmer entworfen [...] Das Sofa ist in einem seltsam geschnitzten Stil gefertigt. Die seltsamen Möbel stammen von Niels Vodder [...]. "
Peter Kjelgaard, Leiter der Designabteilung bei Bruun Rasmussen, sagt das genaue Gegenteil: „Als ich Juhls Sofa sah, traute ich meinen Augen kaum. Ich habe während meiner gesamten Karriere mit dänischem Design gearbeitet, aber das ist das Erstaunlichste, was ich je gesehen habe. Das Sofa war bisher nur durch Fotos bekannt und alle dachten, dass die Möbelgruppe endgültig verschwunden sei.“

Der Schätzwert des Elephant Sofa liegt bei 1,5-2,5 Millionen DDK (ca. 200.000-336.000 Euro), was dem höchsten Preis entspricht, den Bruun Rasmussen jemals für ein Möbelstück aus dem 20. Jahrhundert gefordert hat. Bei dem Sofa, das nur von Fotografien der Ausstellung von 1939 bekannt war, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Einzelstück und um das am meisten diskutierte dänische Möbelstück aller Zeiten.

Am 1. Dezember liegt der Schwerpunkt auf der Kunst des 19. Jahrhunderts, insbesondere auf Künstlerinnen aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, darunter Emilie Mundt, Anna Ancher und Agnes Slott-Møller.

Zu den Höhepunkten gehört das 1885 von Bertha Wegmann gemalte Porträt von Marie Triepcke, die vier Jahre später den Künstler Peder Severin Krøyer heiratete. Wegamnns Arbeiten wurden im Pariser Salon ausgestellt und in Dänemark gilt sie als eine der bedeutendsten Porträtmalerinnen ihrer Epoche. Im Alter von 40 Jahren saß Wegmann im Vorstand der Zeichen- und Industriedesign Schule für Frauen in Kopenhagen, von wo aus sie daran arbeitete, dass auch Frauen an der Königlich Dänischen Kunstakademie der Künste studieren konnten.

Eine weitere bedeutende Künstlerin der Offerte ist Elisabeth Jerichau Baumann. Ihre üstere und mysteriöse Meerjungfrau wirkt wie das genauer Gegenteil von Wegmanns unschuldigem Porträt. Die Meerjungfrau war ein wiederkehrendes Motiv im Werk der Künstlerin. Eine solche Arbeit mache sie ihrem Freund Hans Christian Andersen, der sich der Meerjungfrauen-Thematik bekanntermaßen literarisch gewidmet hat.

Am 8. Dezember werden mehrere Arbeiten französischer Künstler angeboten, darunter ein Gemälde von Pierre Soulages aus dem Jahr 1951, zwei abstrakte Werke von Simon Hantaï bon 1971 bzw. 1980 sei eine 1940 entstandene Skulptur von Henri Laurens. Alle stammen aus dänischen Sammlungen.
In den späten 1940er und frühen 1950er Jahren erregten die Werke Pierre Soulages' auf beiden Seiten des Atlantiks Aufmerksamkeit. Dänemark wurde auf Soulages aufmerksam, als seine Arbeiten 1950 in der Ausstellung Levende Farver ("Leuchtende Farben") in der Kunsthalle Schloss Charlottenborg, Kopenhagen gezeigt wurden. Bereits im Jahr darauf folgte eine weitere Ausstellung mit Soulages' Werken, darunter Peinture 59 x 85 cm, septembre 1951. Inspirationsquelle für den Künstler war die Umgebung seiner südfranzösischen Heimatstadt Rodez. Zweige von Bäumen, die vor einem hellen Hintergrund dunkle Silhouetten erzeugen, sind immer wieder in seinen Gemälde zu finden. Mit schwarzer Farbe und groben Pinselstrichen gelingt es ihm, seine Kindheitserinnerungen in seine Arbeiten zu integrieren.

Die Versteigerungen finden zwischen dem 1. und 10. Dezemeber bei Bruun Rasmussen in Kopenhagen statt. Weitere interessante Stücke der Auktionen sind eine chinesische Flagge aus der Zeit um 1900 sowie ein sogenannter Schnappshund aus dem 18. Jahrhundert.



