Als Sotheby’s New York Mitte Mai 1997 zwanzig Werke aus der Sammlung von Serge Sabarsky, dem Mitgründer der Neue Galerie, versteigerte, kamen bedeutende Arbeiten der österreichischen Moderne zum Aufruf, insbesondere von Gustav Klimt und Egon Schiele. Für besonders viel Aufsehen sorgte Klimts Litzlbergerkeller (1915-16), das mit den erzielten 14,7 Millionen US-Dollar einen neuen Auktionsrekord für seinen Schöpfer aufstellte. Seitdem war das Gemälde Teil derselben Privatsammlung, die es als Dauerleihgabe dem Leopold Museum in Wien überlassen hatte.
Lesen Sie auch: Eine Hauptstadt und vier Todesfälle: Das Jahr 1918 in Wien
Die Tage an der Donau sind jedoch vorbei und Litzlbergerkeller kehrt kommenden Monat auf die Insel zwischen East River, Hudson River und Harlem River zurück, wo Christie’s es als Highlights seines „20th Century Evening Sale“ versteigern wird, mit dem das Auktionshaus am 17. November seine New Yorker 20/21 Fall Marquee Week eröffnen wird.
Klimt begann mit der Arbeit an Litzlbergerkeller im Sommer 1915 und vollendete es im darauffolgenden Mai in Wien. Auftraggeber war Otto Primavesi, einer Bankier und Unternehmer, der sich gemeinsam mit seiner Frau Eugenia in der Wiener Kulturszene engagierte. Gustav Klimt zählte zu den von ihm wiederholt beschäftigten Künstlern.

Der Litzelbergkeller, eine Brauerei mit Gasthof am Nordufer des Attersees, war Klimt wohlbekannt, hatte er doch in der Umgebung von 1900 bis 1907 seine Sommer verbracht. Ab 1908 bevorzugte er Unterkünfte am Südufer, dem er bis zu seinem Tod im Jahr 1918 treu bleiben sollte. Das vorliegende Gemälde malte Klimt vom gegenüberliegenden Ufer aus, unter Verwendung eines Teleskops, was durch die starke Fokussierung auf das Gebäude und das verschwommene Grün der umgebenden Natur und des Sees reflektiert wird. Gewissermaßen ist es ein idealisiertes Gemälde, denn den enormen Publikumsbetrieb, der im Sommer in und um das Ausflugslokal herrschte, blendete Klimt einfach aus.
Dazu Giovanna Bertazzoni, Chairman of Christie’s Europe: „Wir fühlen uns geehrt, mit dem Verkauf von Litzlbergkeller in unseren bedeutenden Auktionen im November betraut worden zu sein. Diese Landschaft wirkt wie eine lyrische Komposition in drei Strophen – der Wald mit seinen majestätischen, flüsternden Eichen; das von ihrem Laub umhüllte Haus; die schimmernde Spiegelung im See. Ein wohltuender Zaubertrank, wie der Gesang der Meerjungfrauen: die Botschaft, die die besten Kunstwerke den leidenschaftlichsten Sammlern übermitteln. Unschätzbar.“
Lesen Sie auch: Waren Gustav Klimt und Adele Bloch-Bauer ein Liebespaar?
Litzlbergerkeller blieb mehrere Jahre in der Sammlung Primavesis, bis es in der darauffolgenden Dekade in den Besitz des österreichischen Fotografen und Anthropologen Hugo Bernatzik überging. Dieser verkaufte es Anfang der 1930er Jahre an den Wiener Kunstsammler Kurt Wieser. Später wurde das Gemälde Teil der Sammlung von Serge Sabarsky, aus der es 1997 in der oben genannten Auktion versteigert wurde.
Mit den heutigen Preisen, die Gemälde von Gustav Klimt auf dem Auktionsmarkt erzielen, können die 14,7 Millionen US-Dollar von 1997, die heute ca. 31 Millionen US-Dollar entsprechen, nicht mithalten. Mittlerweile haben bereits drei Gemälde des Österreichers die 100-Millionen-Dollar-Marke geknackt: 2022 Birkenwald (104,6 Millionen US-Dollar), 2023 Dame mit Fächer (108,5 Millionen US-Dollar) und schließlich 2025 Bildnis Elisabeth Lederer (236,4 Millionen US-Dollar).
Lesen Sie auch: Die teuersten Gemälde der Auktionsgeschichte
Litzlbergerkeller wird auf 60-80 Millionen US-Dollar geschätzt und würde sich bei Erreichen eines Verkaufspreises im Bereich der oberen Summe auf dem sechsten Platz auf der Liste der teuersten Klimt-Werke auf dem Auktionsmarkt einreihen.
Weitere Neuigkeiten vom Auktionsmarkt finden Sie im Barnebys Magazine

