Nach 30 Jahren in Privatbesitz erreicht das 1949 entstandene Gemälde Diego y yo („Diego und ich“) der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo in diesem Jahr den Auktionsmarkt. Am 16. November kommt es bei Sotheby’s Modern Evening Auction in New York unter den Hammer. Zuletzt war es 1990 bei einer ebenfalls von Sotheby’s durchgeführten Auktion für 1,4 Millionen USD versteigert worden. Damit wurde das Gemälde nicht nur zum bis dahin teuersten Werk Frida Kahlos in einer Auktion, sondern auch allgemein zum teuersten Kunstwerk eines lateinamerikanischen Künstlers in der Auktionsgeschichte.
Diese beiden Leistungen könnten sich nun kommenden Monat wiederholen, denn der Schätzpreis für Diego y yo bedeutet auf jeden Fall einen neuen Rekordpreis in beiden Kategorien – wenn ihn jemand zahlt. Der aktuelle Auktionsrekord für einen lateinamerikanischen Künstler wurde 2018 mit der Versteigerung von Diego Riveras Die Rivalen aufgestellt, das im Zuge der Rockefeller-Auktion für 9,7 Millionen USD den Besitzer wechselte. Der aktuelle Rekord für ein Gemälde von Frida Kahlo wurde 2016 mit der Versteigerung von Dos desnudos en el bosque (La tierra misma) für 8 Millionen USD bei Christie's aufgestellt.
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Diego y yo ist das letzte von Kahlo in den 1940er Jahren signierte Selbstporträt und steht in der Tradition des in der europäischen Renaissance populären „Büstenporträts“. Kahlo bediente sich dafür an den charakteristische Techniken und Motiven jener Bildnisse und bestätigte damit die Verbindung zwischen ihrem Werk und jenen von Meistern wie Albrecht Dürer. Allgemein waren die 1940er Jahre das Jahrzehnt, in dem Kahlo die ausgefeiltesten Selbstporträts ihrer Karriere malte.
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Kahlo stellt sich im traditionellen Huipil, der Bluse der Frauen von Tehuantepec (Tehuana). Dieser besondere, rot gefärbte Huipil erscheint auf vielen ihrer Selbstporträts dieser Zeit. Kahles sonst meist geflochtenes oder mit Blumen geschmücktes Haar, schmiegt sich hier locker um ihren Hals, während die Tränen die Intensität ihrer Emotionen bestätigen, die ihre geröteten Wangen andeuten.
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Diese Emotionen sind auf Kahlos Ehemann Diego Rivera zurückzuführen, der als drittes Auge (mit drittem Auge) auf der Stirn den prominenten Platz symbolisch einnimmt, den er in Kahlos Kopf einnahm. Die Malerin nahm mit dem Werk Bezug auf die damalige Beziehung Riveras mit der mexikanischen Diva María Félix, die Gegenstand vieler Gerüchte war und Kahlo zutiefst demütigte.
Auch wenn Diego Riveras Präsenz sehr gering ist, lässt sich das Werk durchaus als Doppelporträt beschreiben – ein Motiv, an dem sich Frida Kahlo nur zweimal im Laufe ihrer Karriere gewidmet hat. Von diesen beiden Kompositionen ist Diego y yo die gefälligere.
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„Frida Kahlo ist eine globale Ikone der modernen Kunst, deren Werke auf der ganzen Welt verehrt werden. Diego y yo verkörpert die akribische Detailwiedergabe, komplizierte Ikonographie und zutiefst persönliche Erzählungen, die ihre späte Malerei charakterisieren“, sagt Anna Di Stasi, Leiterin der Abteilung für lateinamerikanische Kunst bei Sotheby’s.
Die Auktion stellt eine besondere Gelegenheit dar, da sich Werke Frida Kahlos von diesem Format zumeist in Museen befinden und nur selten auf dem Auktionsmarkt angeboten werden. „Ein Kahlo-Gemälde von dieser Qualität und Exzellenz ist eine Seltenheit bei einer Auktion. Wenn ich mir dieses Gemälde ansehe, kommt mir sofort der Ausdruck "abre los ojos" in den Sinn, was auf Spanisch "Öffne deine Augen" bedeutet. […] Der Markt öffnet für Kahlo auf neue Weise seine Augen und sichert ihr einen Platz in dem Rang, der ihr zusteht“, sagt Julian Dawes, Co-Leiter Impressionist und Modern Art bei Sotheby's in New York.
Diego y yo wird vom 22. bis 25. Oktober in London öffentlich ausgestellt, bevor es für seine Versteigerung im November nach New York zurückkehrt.
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