Genau wie ihre Gemälde, war auch die Kleidung von Frida Kahlo exzentrisch und farbenfroh – und voller Symbolik. Geboren als Tochter eines deutsch-ungarischen Vaters und einer Mutter aus dem indigenen Volk der Tehuana (aus der Region des Isthmus von Tehuantepec, die für ihre gleichnamigen Kleider bekannt ist), war Frida Kahlo (1907-1954) zeitlebens stolz auf ihre vermischten Wurzeln und kombinierte bewusst westliche Modetrends mit traditionellen Stücken aus Mexiko.
Mit der Mode als Ausdrucksmittel schuf Kahlo eine sehr ausgeprägte politische und kulturelle Identität, die von der gleichen Dualität geprägt war, die auch in ihren Gemälden herrschte, und sowohl ihre nationalistischen als auch feministischen Neigungen und ihre Liebe zur Tradition zeigte.
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Kahlo liebte es, stundenlang vor ihrem Spiegel an ihren Outfits zu feilen oder durch Geschäfte zu schlendern (so auch in Chinatown, während ihres Aufenthaltes in San Francisco), um nach neuen Ideen zu stöbern. Doch ihre Ästhetik mit dicken Augenbrauen, übereinander gelegten Stoffen und blumengeschmückten Haaren bezog sich nicht nur auf ihre Kultur, sondern war auch ein Weg, die Hindernisse in ihrem Leben zu überwinden.
Im Alter von sechs Jahren erkrankte Frida Kahlo an Kinderlähmung, wodurch ein Bein kürzer blieb als das andere und sie humpeln musste. Von ihren Klassenkameraden dafür verspottet, fand sie Trost in der Gestaltung ihrer Kleidung. Schon als Kind sehr erfinderisch, zog sie drei oder vier Socken übereinander an, um das Ungleichgewicht auszugleichen, und verdeckte alles unter langen Röcken.
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Als sie 18 Jahre alt war, brach sie sich einem Busunfall 20 Knochen und wurde zudem unfruchtbar. Sie musste ein Jahr im Bett verbringen, was sie genesen ließ, für ihren ohnehin schon geschwächten Körper jedoch nicht von Vorteil war. Insgesamt musste Kahlo im Laufe ihres Lebens über 30 Operationen über sich ergehen lassen, einschließlich der Amputation ihres rechten Beins im Jahr 1953, infolge einer Gangrän. Diese Verletzungen sind von grundlegender Bedeutung für das Verständnis des von Kahlo projizierten Bildes von Stärke und Entschlossenheit. Ihr Aussehen war so bezaubernd (Fotografen wie beispielsweise Edward Weston waren völlig besessen von ihr), dass sie es schaffte, alle Augen von ihren Behinderungen abzulenken.
Füße? Weshalb sollte ich welchen haben wollen, wenn ich Flügel zum Fliegen besitze?
Obwohl sie seit früher Kindheit leidend war, entwickelte Frida Kahlo einen einzigartigen Sinn für Mode. Ihr Ansatz basierte hauptsächlich auf ihrer "Schwäche": Die Absätze ihre Schuhe waren unterschiedlich hoch, ihre Korsetts, die ihre Wirbelsäule stützten, waren verziert und ihr personalisierter Haarschmuck lenkte mit seinen leuchtenden Farben und Blumen die Aufmerksamkeit auf ihr Gesicht.

Ihr Verhältnis zu ihren Korsetts, die sie ihr ganzes Leben lang tragen musste, war komplex. Da ihr Körper sie brauchte, bemalte sie die Korsetts, die meist aus Gips bestanden, während sie sie trug. Ein schwieriges, aber nicht unmögliches Unterfangen. Dieser Prozess erlaubte es ihr, die Korsetts eher wie etwas Selbstgewähltes denn wie etwas Notwendiges erscheinen zu lassen.
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Abgesehen von ihrem Talent ihr eine persönliche Note zu geben, war Kahlos Look ein Ausdrucksmittel für ihre politische Einstellung und ihre Ansichten. Im Alter von etwa 20 Jahren griff sie das traditionelle Tehuana-Kleid auf, ein Kleidungsstück, das mit der matriarchalischen Gesellschaft seiner Ursprungsregion an der Landenge von Tehuantepec verbunden ist. Das Tehuana-Kleid besteht aus drei Teilen: Eine weite quadratisch geschnittene Bluse, ein langer Rock und ein aufwändiger Kopfschmuck, der nur das Gesicht frei lässt.

Ihre Neuinterpretation der Tracht war sowohl ein Tribut an ihre indigenen Wurzeln, ein Bekenntnis zu ihren feministischen Ideen sowie, laut Expertenmeinung, ein Weg, um ihren Körper zu verstecken. Die weiten Kleidungsstücke waren einfach anzuziehen und verbargen ihr Korsett, während der lange Rock ihre Beine verhüllte. Diesen Look zu tragen bereitete Kahlo viel Freude, vor allem während ihres Aufenthaltes in San Francisco im Jahr 1930, wie sei in einem Brief, den sie ihrer Mutter schrieb, bekannte: "Die gringas hier lieben mich sehr und sind fasziniert von all den Kleidern und Rebozos, die ich mitgebracht habe. Ihnen bleibt der Mund offen stehen, wenn sie meinen Jade-Schmuck sehen."
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Die Amputation im Jahr 1953 verschaffte ihr Linderung, stürzte sie jedoch in eine Depression. Einmal mehr fand sie einen Weg, ihr Handicap zu überspielen, indem sie über ihrer Prothese einen roten Stiefel mit Mustern anzog. Diese Geste zeigt, wie bedeutsam die Koketterie für den inneren Frieden der Künstlerin war, deren langer Rock die Prothese ohnehin vor aller Augen verbarg. Trotz ihrer nachlassenden Moral, kommentierte sie ihre Situation: "Füße? Weshalb sollte ich welchen haben wollen, wenn ich Flügel zum Fliegen besitze?".

Nach Kahlos Tod wurde ihr Look zum Teil der Popkultur, zur "Fridamania", wobei ihre dafür so wichtigen feministischen und politischen Ansichten auf der Strecke blieben. Ihre Kleider, Kopfbedeckungen und ihr Schmuck wurden auf etwas Oberflächlichem reduziert, und nur wenige waren sich der wahren Bedeutung dahinter noch bewusst. Fünfzig Jahre nach ihrem Tod wurden ihre persönlichen Gegenstände, die in ihrem Haus aufbewahrt wurden, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie umfassten eine Vielzahl von Kleidern, Schuhen, Accessoires sowie Briefe und Schriftstücke, die ihrem kreativen Geist gerecht werden.
Viele Designer haben sich von Frida Kahlo inspirieren lassen, darunter Maya Hansen für ihre Skully Tulum-Collection von 2013, Dolce & Gabbana für einige Stiefel, die an jene angelehnt waren, mit denen sie ihre Prothese versteckte, sowie Carolina Herrera, Alberta Ferretti und Etro.
Frida Kahlo hat den Begriff "Stil" für sich selbst neu definiert und gezeigt, dass Kleidung eine Kunst aller Möglichkeiten, ein Mittel zur Veranschaulichung der eigenen Wertvorstellungen und sicherlich ein Weg ist, sich selbst zu schützen und zu stärken, um den Herausforderungen des Lebens zu begegnen.




