Leihe der Musik dein Ohr, öffne deine Augen der Malerei und… höre auf zu denken!
– Wassily Kandinsky
1929 kaufte Solomon R. Guggenheim ein Werk von Wassily Kandinsky, rund 150 sollten im Laufe der Jahre, in denen der amerikanische Industrielle und Philanthrop und der russische Maler ein freundschaftliches Verhältnis pflegten, folgen. Eines dieser Werke war das 1937 entstandene Gemälde Tensions calmées, eine bedeutende und einflussreiche Arbeit Kandinskys, der sich damals auf dem Höhepunkt seines Schaffens befand.
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Nun wird für dieses Meisterwerk am 29. Juni, im Zuge des Modern & Contemporary Art Evening Sale von Sotheby’s in London, ein neuer Besitzer gesucht, nachdem es fünfzig Jahre lang Teil derselben Privatsammlung gewesen war.
Teil dieser Sammlung wurde Tensions calmées durch eine Auktion, die ebenfalls von dem renommierten Auktionshaus, allerdings in New York, durchgeführt worden war, wie Simon Shaw, stellvertretender Vorsitzender der Kunstabteilung bei Sotheby’s, zu berichten weiß: „Sotheby’s ist hocherfreut, dieses Meisterwerk von Kandinsky ein weiteres Mal präsentieren zu dürfen, mehr als fünf Jahrzehnte, nachdem wir es im Jahr 1964 für die Solomon R. Guggenheim Foundation offerierten. Jetzt kommt es aus einer bedeutenden amerikanischen Sammlung auf den Markt, in der es seit der berühmten Auktion liebevoll gehegt und gepflegt wurde.“
Insgesamt waren bei der Auktion im Jahr 1964 fünfzig bedeutende Werke von Kandinsky aus der Guggenheim-Sammlung versteigert worden.
Die Farbe ist die Klaviatur. Das Auge ist der Hammer. Die Seele ist das Klavier mit seinen vielen Saiten.
– Wassily Kandinsky in Über das Geistige in der Kunst (1911)

Tensions calmées („Beruhigte Spannungen“) ist eines der bedeutendsten Werke jener Schaffensperiode Kandinskys und ein spätes Beispiel für die Synästhesie von Musik und Malerei, mit der Künstler bereits seit mehr als zwanzig Jahren arbeitete. Dafür ordnete Kandinsky Farben jeweils einem Instrument, Ton oder bestimmtem Klang zu, um die Musik visuell darzustellen und mit mehr als nur einem Sinn erlebbar zu machen.
„Wenn es eine Paarung gibt, die die Verbindung zwischen Kunst und Musik verkörpert, dann ist es die zufällige Begegnung zwischen Kandinsky und dem Komponisten Arnold Schönberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Tensions calmées ist geprägt von Kandinskys ausgeprägter musikalischer und poetischer Sensibilität, mit satten juwelenartigen Farben, die sorgfältig abgestimmt sind, wobei der Gesamteffekt hochentwickelt ist. Dieses großartige Meisterwerk der Abstraktion gilt als eines der wichtigsten Werke Kandinskys, das in den letzten zehn Jahren versteigert wurde. Es ist das neueste in der Geschichte der bei Sotheby’s angebotenen Werke des Künstlers, dessen drei Top-Preise in den letzten fünf Jahren in eben diesen Räumlichkeiten erzielt wurden“, sagt Helena Newman, Leiterin der Abteilung für Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s weltweit.
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Der aktuell höchste Preis, der bei einer Auktion für ein Werk Wassily Kandinskys gezahlt wurde, wurde im Juni 2017 bei Sotheby’s in London erzielt: Bild mit weißen Linien von 1913 wechselte für 33.008.750 GBP (37.795.019 Euro) den Besitzer.
Tensions calmées wird kommenden Monat mit einem Schätzpreis von 18-25 Millionen GBP (ca. 21-29 Millionen Euro) bei Sotheby’s angeboten und hätte, gemessen an seiner Bedeutung und dem bereits entstandenen Interesse, durchaus das Potenzial, Neuer Spitzenreiter zu werden.
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