Moderne und zeitgenössische Kunst gehören zu den Spezialgebieten des Auktionshauses Rossini, das jedes Jahr vier große Auktionen mit den Meistern des 19. und 20. Jahrhundert präsentiert. Fester Bestandteil sind Arbeiten der Moderne, des Post-War und der Gegenwartskunst, doch auch Street Art und Fotografie finden immer häufiger einen Platz.
Am 14. April dürfen sich Sammler auf einen 189 Lose starken Katalog freuen, der Werke vom 19. Jahrhundert bis heute umfasst. Mit dabei sind ein Seestück von Iwan Aiwasowski, zwei Gemälde des Orientalisten Édouard Verschaffelt, eine Abstraktion von Gustave Singier sowie eine Skulptur von Arman.

Der umbestrittene Meister der Marinemalerei, der russisch-armenische Künstler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski, ist mit einem späten Leinwandwerk vertreten, das ein schönes Beispiel für sein Spiel mit Licht und seine emotionale Herangehensweise ist. Aiwasowski malte aus dem Gedächtnis und stützte sich eher auf seine Empfindungen als auf Vorstudien, wodurch er die Bewegung der Wellen und die Transparenz von Wasser und Licht auf einzigartige Weise wiederzugeben wusste. Auch das vorliegende Werk von 1893 bildet da keine Ausnahme und wirkt mit seiner leuchtenden Atmosphäre Wahrhaftig und gleichzeitig fast wie ein Traum.

Von Édouard Verschaffelt kommen zwei Gemälde zum Aufruf: Un repas sur un marché en Orient ("Mahl auf einem orientalischen Markt") und Enfants écoutant une conteuse orientale ("Kinder, einem orientalischen Geschichtenerzähler lauschend"). Der Belgier Verschaffelt malte Algerien wie kein anderer Künstler vor ihm. Er war eng mit dem Land verbunden und vermochte es, dessen Realität mit Leidenschaft zu transkribieren, ohne in die Stereotypen des kolonialen und akademischen Realismus der damaligen Zeit abzurutschen.

Ohne Rücksicht auf den Trend dieser "exotischen" Darstellungen, schuf er Gemälde, die den Alltag der Algerier zeigten, den er ab 1919 aus erster Reihe beobachten konnte, nachdem er sich in der Stadt Bou Saâda niedergelassen hatte. Verschaffelts orientalische Bilder lassen den Einfluss der flämischen Malerei genauso erkennen, wie den Impressionismus, von dem der Künstler sich angezogen fühlte.
Auch eine Reihe von Werken des Orientalisten Jean-Jules-Antoine Lecomte du Nouÿ, ein Zeitgenosse Verschaffelts, werden in der Auktion angeboten.

Aus der École de Paris stößt die Malerin und Illustratorin Marie Laurencin mit dem Aquarell Trois femmes jouant avec un chien ("Drei Frauen, die mit einem Hund spielen") zur Offerte hinzu. Laurencin, die "Tout-Paris" porträtierte, avancierte in den 1920er Jahren zur Lieblingsillustratorin der Dichter und Schriftsteller, deren Gesellschaft sie gegenüber der ihrer Malerkollegen vorzog. Dennoch verfolgte sie die geichen modernen Ansätze und versuchte, Malerei mit Musik und Tanz zu verbinden. So arbeitete sie auch für die Ballets Russes und andere Gruppen der darstellenden Künste.
Laurencins Bilder werden häufig mit Fantasie, Feinfühligkeit und einer lieblichen Palette assoziiert, was durch die anmutigen Posen ihrer Modelle verstärkt wird. Das Aquarell gehörte zu ihren bevorzugten Medien, mit dem sie erstmals im Jahr 1911 auf einer von Wilhelm Uhde organisierten Ausstellung in Berührung kam.

Der Katalog von Rossini umfasst auch das Leinwandwerk Femme assise ("Sitzende") des deutsch-kolumbianischen Künstlers Guillermo Wiedemann. Von den Nationalsozialisten als "entartet" eingestuft, floh Wiedemann 1939 von Deutschland nach Südamerika, wo er sich zunächst in Buenaventura und dann in Bogotá niederließ. Von Anfang an begeisterten ihn die tropische Umgebung und die afro-kolumbianische Ästhetik, die seinen Stil fortan prägten.

Ebenfalls mit dabei: Ein Ölgemälde des belgisch-französischen Malers und Grafikers Gustave Singier. Nuit d’automne ("Herbstnacht") stammt aus dem Jahr 1951, als Singier eine Lehrstelle an der Académie Ranson antrat, wo er drei Jahre blieb. Singier, der der lyrischen Abstraktion nahestand, hat ein gewaltiges, spannendes und mehrdeutiges Œuvre geschaffen, in dem, gemäß seiner Vision, Rhythmus und Farbe den Platz des Figurativen einnehmen.

Unter den abstrakten Werken muss auch eine Arbeit des russisch-französischen Malers Léon Zack hervorgehoben werden, eine Komposition in Brauntönen von 1962. Seine Hinwendung zur Abstraktion bezeichnete Zack später als eine "langsame, aber logische Entwicklung". Zuvor hatten kubistische Porträts allmählich expressionistischen Werken Platz gemacht, bevor wiederum eine nicht-figurative Ästhetik die Oberhand gewann. Diese plastische Entwicklung war das Ergebnis einer Offenbarung des Künstlers, wonach das figurative Element für ihn nicht wesentlich war, sondern seinen persönlichen Ausdruck behinderte.

Die Skulpturen-Offerte wird von Archets ("Geigenbögen") angeführt, einer Arbeit des französisch-amerikanischen Künstlers Arman. Arman, der gemeinsam mit Pierre Restany und Yves Klein der Gruppe Nouveaux réalistes gründete, verwendete in Massenproduktion hergestellte Alltagsgegenstände, um sie in seine Skulpturen zu integrieren. Die vorliegende Arbeit gehört zu seinen "Akkumulationen", eine Serie, die zwischen 1959 und 1962 entstand und aus "Objektgruppen" besteht, die alle gemäß einer quantitativen Logik hergestellt wurden. Die Serie soll die Verderblichkeit der Massenprodukte betonen.
Die Auktion findet am 14. April bei Rossini statt. Alle Informationen bezüglich der Hygienemaßnahmen finden Sie auf der Website des Auktionshauses.
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