Die Kunstsammlung, die Kaiser Rudolf II. (1552-1612) auf der von ihm bevorzugten Prager Burg zusammentrug, war eine der größten ihrer Zeit und ist bis heute legendär. Eine Inspiration dazu dürfte 1571 der Aufenthalt des damals 19-jährigen Thronerben in Genua gewesen sein, wo er in prachtvoll ausgestatteten Villen empfangen wurde. Dort lernte er auch das Werk des Malers Luca Cambiaso kennen, der später Hofmaler bei Rudolfs königlichem Cousin in Spanien wurde. Ein Inventar der Sammlung Rudolfs aus dem Jahr 1621 verzeichnet „Ein Baad mit Callisto vom Luca de Genua“, womit höchstwahrscheinlich eine Arbeit von Luca Cambiaso gemeint ist.

Im Zuge der anstehenden Classic Week des Wiener Dorotheums kommt in der Auktion mit Werken Alter Meister ein Gemälde mit eben jener mythologischen Szene, in der die Jagdgöttin Diana die Schwangerschaft einer ihrer Nymphen, Callisto, entdeckt, aus dem Spätwerk Cambiasos zum Aufruf. Das Gemälde, das sich lange in Privatbesitz befand, wird nach seiner kürzlichen Wiederentdeckung aufgrund seiner hohen Qualität als das im Inventar erwähnte Werk gehandelt.
Die Alte Meister-Auktion der Classic Week findet am 29. April um 18 Uhr statt. Weitere Highlights dieser hervorragend bestückten Offerte entführen uns ebenfalls in die Epoche der Renaissance.

Unbedingt hervorzuheben ist hier eine Gemeinschaftsarbeit der beiden flämischen Maler Jan Brueghel der Ältere und Joos de Momper. Es handelt sich um einen Satz von vier Gemälden mit der Darstellung der Vier Jahreszeiten, wobei de Momper für die Landschaften zuständig war, die Brueghel anschließend mit Personen und Tieren bevölkerte. Was die Arbeiten so überaus selten macht, ist die Tatsache, dass nur noch ein weiteres vollständiges Jahreszeiten-Set bekannt ist, das durch die Zusammenarbeit der beiden einflussreichen Maler entstand.

Die um 1615 entstanden Jahreszeiten-Bilder bauten auf einer Erfindung auf, die damals noch relativ jung war: die Landschaftsmalerei. Einer der Pioniere dieser neuen Gattung war der ebenfalls in Antwerpen aktive Maler Herri met de Bles. In dem vorliegenden Gemälde, einem der ersten seiner Art, bettet der Künstler eine Erzählung, genauer gesagt Episoden aus der Vision der Apokalypse des heiligen Johannes auf Patmos, in die fiktive Landschaft der griechischen Insel ein.

Einer der größten Namen der Kunstgeschichte im Allgemeinen und der Renaissance im Besonderen ist Raffaello Sanzio, genannt Raffael, der geniale Schöpfer der Fresken in den Vatikanischen Stanzen und der Sixtinischen Madonna. Eines der Erfolgsgeheimnisse des Raffaels war sein Bestreben, sich fortwährend weiterzuentwickeln und dafür auch die Werke anderer Künstler zu studieren. Als er um 1507 die vorliegende Skizze des Kopfes eines jungen Mannes ausführte, hielt er sich in der bedeutenden Kunstmetropole Florenz auf, wo er sich mit dem Schaffen Leonardo da Vincis und Michelangelos auseinandersetzte.
Bereits am 28. April findet um 18 Uhr die Versteigerung von Gemälden des 19. Jahrhunderts statt.

Angeführt wird diese Offerte von einem der beeindruckenden Werke des armenisch-russischen Marinemalers Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski, der im vorliegenden Fall das nächtliche Konstantinopel in stimmungsvolles Mondlicht tauchte und damit eine fast magisch zu nennende Szenerie erschuf. Aiwasowski reiste ab 1845 wiederholt an den Bosporus. Das vorliegende Werk entstand vermutlich im Zuge eines Aufenthalts im Jahr 1857.

Das ganze Gegenteil von Stille vermittelt das Gemälde Durchgegangen des polnischen Malers Józef von Brandt aus dem Jahr 1906. Brandt, der der Münchner Schule zugerechnet wird, widmete sich vor allem der Historienmalerei, im Besonderen der Darstellung von Schlachten des 17. Jahrhunderts. Doch auch die Reitervölker der Steppen und das Leben seiner Landsleute, das er in Genrebildern festhielt, faszinierten ihn.
Beachten Sie auch die Auktion "Möbel, Antiquitäten, Glas und Porzellan“, die die Classic Week am 24. April um 13 Uhr eröffnet und zu deren Highlights ein musealer Wiener Damenschreibsekretär von ca. 1820/25 zählt.
Die Versteigerungen der Classic Week finden am 24., 28. und 29. April im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse 17 in Wien statt. Die Ausstellung ist dort ab dem 12. April geöffnet.




