Vom 29. Juni bis 2. Juli feiert das Münchener Auktionshaus Quittenbaum das 20. Jahrhundert und versteigert ausgesuchte Kunst, Schmuck und Möbel deutscher und internationaler Designer. Auch auf Stücke aus einigen hochinteressanten Sammlungen darf man sich freuen.
Den Auftakt bildet am 29. Juni um 15 Uhr eine Auktion, die dem Bauhaus und deutschem Design gewidmet ist. Hier darf Quittenbaum erstmalig ein seltenes Küchenmöbel von Bauhaus-Möbeldesigner Erich Dieckmann von 1928 anbieten. Der Küchenmittelschrank mit Seitenbesenschrank und Seitentopfschrank ist mit sechs beschrifteten „Haarer Aluminiumschütten“ ausgestattet, die die Funktion einer Schublade mit Ausgussvorrichtung hatten.

Dieckmanns Küche steht im Zusammenhang mit der zwei Jahre zuvor von der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entwickelten Frankfurter Küche, der ersten modernen Küche, die den Alltag der Hausfrau erleichtern sollte. Der vorliegende Küchenschrank befand sich einst in der Wohnung von Wilhelm Wagenfelds erster Ehefrau Else.

Um ein Unikat handelt es sich bei einem Canapé, dass in den 1920er Jahren von den beiden österreichischen Designern Franz Singer und Friedl Dicker entworfen wurde und das noch über seinen originalen Textilbezug verfügt. Dicker und Singer, die sich am Weimarer Bauhaus kennengelernt hatte, waren über viele Jahre Partner auf beruflicher und privater Ebene gewesen.

Auch begehrte Möbel von Marcel Breuer sind mit von der Partie, darunter die erste Version seines Lattenstuhls ti 1a von ca. 1924, der zudem das Top-Los der Offerte darstellt.
Am 30. Juni geht es um 15 Uhr weiter mit internationalem Design, das Möbel und Beleuchtung, aber auch Glas und Keramik umfasst.

In dieser Offerte ist ein Meisterwerk von Paavo Tynell das Highlight: eine Deckenleuchte, die er um 1947 für das Hotel Seurahuone im finnischen Savonlinna entworfen hat. Wie so oft ließ sich Tynell auch für diese Arbeit von der Natur inspirieren und krönte seinen Entwurf mit filigranen Blättern aus Messingblech.

Aus jüngere Zeit stammt der ungewöhnliche Sessel Vodöl himmelblau, den die beiden Dekonstruktivisten Helmut Swiczinksy und Wolf D. Prix für die Architektengruppe Coop Himmelb(l)au entworfen haben. Das 1968 in Wien gegründete Architekturbüro verfügt über weitere Niederlassungen in Frankfurt am Main, Paris und Los Angeles.

Die Kunstauktion am 1. Juli (15 Uhr) umfasst Arbeiten moderner und zeitgenössischer Künstler. Einer davon ist der New Yorker Street Artist Angel Ortiz („LA II“, was „Little Angel“ bedeutet), der in den 1980er Jahren bereits Keith Haring inspirierte. Die auf der Rückseite signierte Arbeit Lefty, die bei Quittenbaum zum Aufruf kommt, stammt aus dem Jahr 2007.

Auf keinen Fall unerwähnt bleiben dürfen die Porzellanarbeiten aus dem Nachlass des ehemaligen Leiters der Relief-Reihe von Rosenthal, Walther Stürmer. Stürmer hatte bedeutende Künstler wie Lucio Fontana, Victor Vasarely und Henry Moore für die limitierten Serien gewinnen können.
Mit einer spannenden Sammlung haben wir es auch in der Autorenschmuck-Auktion zu tun (18 Uhr). Die Stücke befanden sich im Besitz des an der Akademie der Bildenden Künste in München lehrenden Gold- und Silberschmieds Hermann Jünger (1928-2005).

Doch auch die anderen Lose des Katalogs brauchen sich nicht zu verstecken. Zu nennen ist hier vor allem ein unikaler Goldanhänger von Giò Pomodoro von 1961, der mit Rubinen, Smaragden und Diamanten besetzt ist.

Auch im Anschluss (19 Uhr) stehen Schmuck und Pretiosen auf dem Programm, unter denen traumhaft schöne Vintage-Stücke den Ton angeben. Aus den 1960er stammt eine naturalistisch gestaltete Anstecknadel in der Form eines Erdbeerzweiges. Während die vier Früchte lebensnah aus Koralle erschaffen wurden, sind ein Blatt und die Blüte mit Diamanten besetzt.

Um einen seltenen Schatz, der zudem aus fürstlichem Hause stammt, handelt es sich bei der Damenarmbanduhr Andine von Cartier. Das oktogonale Gehäuse und das Zifferblatt zieren Brillanten und Saphire.
Den Abschluss der Auktionsreihe bildet am 2. Juli um 15 Uhr die Versteigerung „Perlenfieber“, in der Perltaschen und Perlarbeiten aus deutschem Privatbesitz zum Aufruf kommen. Die über 380 Objekte stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, zwei von ihnen wurden von Designerinnen der Wiener Werkstätte entworfen, darunter das folgende gestreifte Modell.

Eine französische Art déco-Arbeit aus den 1930er Jahren widerspiegelt die damalige allgemeine Begeisterung für das Alte Ägypten.
Die Versteigerungen finden im Auktionshaus Quittenbaum, Theresienstraße 60, in München statt. Vorbesichtigungen können dort vom 24. bis 28. Juni vorgenommen werden.



