Beruflich ging es für Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) im Jahr 1782 steil bergauf. Im Jahr zuvor war er von Salzburg nach Wien gezogen, wo er im Auftrag von Kaiser Joseph II. seine Oper Die Entführung aus dem Serail am 16. Juli 1782 im Burgtheater zur Uraufführung brachte. Die Oper rund um die in einen Harem entführte Protagonistin Konstanze war ein sofortiger Erfolg und als eine der ersten deutschen Opern von musikhistorischer Bedeutung.
Doch zu jener Zeit beherrschte noch eine andere Constanze Mozarts Gedanken – und gewissermaßen hatte er sie entführt, denn sie war bei ihm eingezogen und das ohne Trauschein!
Wolfgang Amadeus Mozart und Constanze Weber (1762-1842) hatten sich im Jahr 1777 in Mannheim kennengelernt, als sich Mozart, begleitet von seiner Mutter Anna Maria, in mehreren Städten um eine neue Anstellung bemühte, nachdem er sein Engagement bei der Salzburger Hofkapelle hingeschmissen hatte. Die Webers hatten neben einem Sohn vier Töchter, die allesamt zu Sängerinnen ausgebildet wurden, mit der zweitältesten Aloisia als talentierteste von allen. Mozart verliebte sich in Aloisia und musizierte gemeinsam mit ihr. Da er in Mannheim jedoch keine Anstellung fand, zogen er und seine Mutter weiter nach Paris, wo Anna Maria Mozart am 3. Juli 1778 starb. Nach diesem Schicksalsschlag machte sich Wolfgang Amadeus wieder auf den Heimweg nach Salzburg, um doch wieder für den dortigen Erzbischof zu arbeiten, den er nur wenig sympathisch fand. Abermals machte er in Mannheim Station und bei der Gelegenheit Aloisia einen Heiratsantrag, der jedoch abgewiesen wurde.
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1781 lebten sowohl die Webers, als auch Mozart in Wien und man erneuerte die Bekanntschaft. Aloisia war zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Schauspieler und Maler Joseph Lange verheiratet und Mozarts Aufmerksamkeit ging auf die jüngere Schwester Constanze über, die seine Gefühle erwiderte, was der mittlerweile verwitweten Mutter Cäcilie Weber nicht entging. Tatsächlich wohnte Mozart damals bei den Webers. Sein Besuch war eigentlich nur für eine Woche geplant gewesen, zog sich schließlich jedoch länger hin. Nichtsdestotrotz musste Mozart Anfang September den Weberschen Haushalt verlassen und zog in eine „Junggesellenbude“ am Graben. Er machte Constanze weiterhin den Hof, doch gab es Probleme. Das größte war die Weigerung Leopold Mozarts, seinem Filius die Zustimmung zu einer Vermählung zu geben.
Wurde jungen verliebten Paaren damals die Erlaubnis zur Vermählung verwehrt, blieb ihnen nur eine Möglichkeit: man musste die Eltern vor vollendete Tatsachen stellen, in Form einer „Entführung“ der Braut, die meist mit der heimlichen Hochzeit endete. Im Fall Mozart-Weber zog die abgelehnte Schwiegertochter bei ihrem Verlobten ein – was für eine skandalöse Situation!

Aus Sorge um den guten Ruf ihrer Tochter, zog Cäcilie Weber in Betracht, Constanze von der Polizei aus Mozarts Wohnung herausholen zu lassen. Constanzes jüngste Schwester Sophie setzte den jungen Musikus heimlich darüber in Kenntnis. Mozart schrieb daraufhin seiner Förderin und Freundin Baronin von Waldstätten einen Brief, in dem er sich erkundigte, ob ein solches Vorgehen seitens der Polizei in Wien tatsächlich zulässig sei. Darüber hinaus bezeichnete er seine zukünftige Schwiegermutter als dumm, würde ein Polizeieinsatz doch viel unerwünschte Aufmerksamkeit auf das Geschehen lenken. Mozart sah nur eine einzige Lösung, die seine Liebste vor ein solch schändlichen Behandlung schützen könnte: die baldigste Hochzeit, die dann auch kurz darauf, am 4. August 1782, stattfand.
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Die Ehe von Wolfgang Amadeus und Constanze Mozart, die so stürmisch gestartet war, wurde glücklich, wovon nicht zuletzt sechs Schwangerschaften Constanzes innerhalb der neun gemeinsamen Jahre zeugen (vier der Kinder starben jedoch früh). Kummer bereiteten Frau Mozart vor allem wirtschaftliche Sorgen und als ihr Mann 1791 im Alter von nur 35 Jahren starb, erbte sie einen Schuldenberg. Um diesen abzubauen, veranstaltete sie gemeinsam mit ihrer Schwester Aloisia Konzerte und verkaufte später einige handschriftliche Partituren Mozarts. 1809 heiratete Constanze den dänischen Diplomaten Georg Nikolaus Nissen, mit dem sie gemeinsam die erste Biografie Wolfgang Amadeus Mozarts ausarbeitete und später – zum zweiten Mal verwitwet – veröffentlichte. Constanze Mozart-Nissen starb 1842 im Alter von 80 Jahren.
Der Brief, den Wolfgang Amadeus Mozart im Sommer 1782 an die Baronin von Waldstätten schrieb, kommt am 6. Juli als Highlight des „Exceptional Sale“ von Christie’s in London zum Aufruf (Schätzpreis 300.000 - 500.000 GBP/350.000 - 570.000 Euro).
Dazu Thomas Venning, Leiter Christie’s Books & Manuscripts, London: „Wolfgang Amadeus Mozart ist einer der einflussreichsten und produktivsten Komponisten aller Zeiten, und wir freuen uns, einen so persönlichen Brief der Welt präsentieren zu dürfen. Mozart-Briefe tauchen selten bei Auktionen auf und es gibt kaum eine historische Persönlichkeit, die einen ungefilterten Einblick in einen so wichtigen und privaten Moment gewährt. Der Brief befand sich schon immer in Privatsammlungen und wurde seit 1989 weder von der Öffentlichkeit noch von Wissenschaftlern gesehen. Es war bei Christie's, wo zuletzt ein handgeschriebener Brief und ein Manuskript Mozarts versteigert wurden, und wir sind stolz darauf, daran mit einem so spannenden Brief und einer solchen Gelegenheit für Mozart-Liebhaber auf der ganzen Welt anknüpfen zu können.“
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