Die Liebe zu Flora und vor allem Fauna wurde der österreichischen Künstlerin Norbertine Bresslern-Roth bereits in die Wiege gelegt, als sie1891 in Graz als Norbertine Roth das Licht der Welt erblickte. Ihre Mutter Aloisia war die Tochter eines Wiener Reitschulbesitzers. Norbertines größtes Vergnügen waren der heimische Garten, was auf ihre späteren Arbeiten großen Einfluss haben sollte. In der Wohnung wurden Terrarien und Aquarien aufgestellt, in denen allerlei Getier, vor allem aber Molche, gehalten wurden.
Die außerordentliche Begabung Norbertines wurde bereits im Kindesalter festgestellt und sie erhielt unentgeltlichen Zeichenunterricht bei Alfred Schrötter an der Steirischen Landeskunstschule in ihrer Heimatstadt. Schrötter war es auch, der sie zwischen 1907 und 1911 für die Teilname an den Sommerkursen des Tiermalers Hans von Hayek in Dachau empfahl.

1911 begann Norbertine ein Kunststudium an der Wiener Kunstakademie bei Ferdinand Schmutzer. Auch hier kam ihr ihr außerordentliches Talent zugute, da Frauen dort offiziell erst ab 1921 zu Studium zugelassen wurden. Zu ihren größten Vergnügen während der Studienzeit in Wien gehörten Besuche im Tierpark Schönbrunn, die sie zur Anfertigung zahlreicher Skizzen nutzte. Dort traf sie auf die "Schönbrunnmaler", darunter Ludwig Heinrich Jungnickel, die sich von den Bewohnern der Anlage gleichermaßen inspirieren ließen.
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Ihren künstlerischen Durchbruch hatte Norbertine Roth 1914 mit der Beteiligung an einer Ausstellung der Wiener Secession. Nach einer weiteren Ausstellung 1916 kehrte sie nach Graz zurück, wo sie für den Rest ihres Lebens als freischaffende Tiermalerin, Illustratorin und Porträtistin verbringen sollte.
1919 heiratete sie Georg Ritter von Bresslern und Sternau (Wien 1892 – Graz 1952). Von Bresslern selbst war ein passionierter Fotograf, der seine eigenen Interessen jedoch zurückstellte, um seine talentierte Frau zu unterstützen. Er begleitete sie auf ihren Studienreisen durch Europa, wo sie ihre "Wiener Tradition" fortführte und bei Besuchen der zoologischen Gärten Skizzen anfertigte, um diese in ihrem Atelier zu Gemälden und Linolschnitten auszuarbeiten. Tatsächlich war Norbertine Bresslern-Roth eine der ersten Künstlerinnen überhaupt, die sich mit dem Linolschnitt in großem Umfang auseinandersetzte.
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1928 unternahm das Ehepaar seine einzige Fernreise, die es ins nordafrikanische Libyen führte. Eine Folge der Reise war die verstärkte Beschäftigung der Künstlerin mit exotischen Motiven, wie der Tier- und Pflanzenwelt Afrikas und der Südsee. Da Bresslern-Roth außer Libyen kein weiteres exotisches Reiseziel besucht hatte, entsprangen diese Kompositionen hauptsächlich ihrer Fantasie, wobei sie jedoch auch auf ihre Skizzen aus den zoologischen Gärten zurückgreifen konnte.
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Außer der gekonnten Wiedergabe der Tiere steht im Werk von Norbertine Bresslern-Roth aber noch etwas ganz anderes im Mittelpunkt, nämlich die Harmonie in der Natur an sich und die Frage, wie der Mensch in und mit ihr Leben kann. Die Künstlerin setzte sich daher mit allen Fragen des Lebens auseinander und vereinte oft Symbole des Lebens und des Todes in einer Arbeit.
Mit ihren Gemälden schuf Norbertine Bresslern-Roth einen ganz eigenen Stil: weiche Linien lassen ihre Arbeiten wie Fresken erscheinen, ein Effekt, der durch die von ihr praktizierte Öl-auf-Jute-Malerei noch verstärkt wurde.
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Norbertine Bresslern-Roths wichtigste Schaffensphase waren die 1920er und 1930er Jahre. Auch nach dem „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich 1938 konnte sie ihre Arbeit fortsetzen. Ihrem Mann, der "Halbjude" war, hielt sie während dieser gefahrvollen Jahre die Treue und ließ sich, wie andere es in ihrer Situation taten, nicht scheiden. Das Bedürfnis, die Harmonie von Mensch und Natur in exotischen Motiven zu suchen, dürfte sich in dieser Zeit noch verstärkt haben.
Norbertine Bresslern-Roth, die 1946 zur Ehrenpräsidentin des Steirischen Kunstvereins ernannt wurde, starb 1978 in ihrer Heimatstadt Graz.
Viele ihrer Arbeiten wurden und werden in Ausstellungen gezeigt und sind Teil von Museumssammlungen. Ihre Meisterschaft der Tierdarstellung gilt vielen als unübertroffen. Das macht sich auch auf dem Auktionsmarkt bemerkbar, wo Werke Norbertine Bresslern-Roths regelmäßig Preise im sechsstelligen Bereich erzielen. Der aktuelle Auktionsrekord der Künstlerin wurde 2018 im Wiener Auktionshaus im Kinsky aufgestellt, als Schneesturm von 1971 für 333.450 Euro einen neuen Besitzer fand.
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