Barnebys im Gespräch mit Oli Epp

In London hat sich Barnebys' Redakteurin für den britischen Markt mit Newcomer Oli Epp getroffen, dessen Arbeiten demnächst auch in Deutschland zu sehen sein werden.

Barnebys im Gespräch mit Oli Epp

Trotz seines jungen Alters ist es Newcomer-Künstler Oli Epp, der in London lebt und arbeitet, gelungen, einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil zu schaffen, der von der Überwindung der Unordnung und der Kombination unterschiedlicher Lautstärken lebt, sich dabei aber immer auf das eigentliche Thema fokussiert und so seine Glaubwürdigkeit behält.

Epps Arbeiten sind fordernd, jedoch ohne jeden Übermut. Epp ist ein Beobachter, kein Kontrolleur, der sein Publikum die eigene Meinung aufzwingen möchte. Seine Arbeit ist vielmehr eine Antwort auf die Dinge, die sich um ihn herum abspielen, vor allem in Bezug auf die "neuen Götter" unseres technologischen Zeitalters.

Oli Epp, "Real Love", 2019, Öl u. Acryl/Lwd. | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery
Oli Epp, "Real Love", 2019, Öl u. Acryl/Lwd. | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery

Vom 19. Mai bis 16. Juni nimmt Oli Epp an den Malmö Sessions teil, einer Ausstellung der Galerie Carl Kostyál, die mehr als fünfzig Künstler zum Schwerpunkt Bildgestaltung und Darstellung im digitalen Zeitalter versammelt. Was die Künstler, von denen viele, darunter auch Epp, zum ersten Mal in Schweden ausstellen, verbindet, ist ihre radikale und ausdrucksstarke Methode, Menschen, Objekte und Subjekte in unserer zeitgenössischen Kultur darzustellen.

Vor seiner Abreise nach Malmö hat sich Oli Epp die Zeit genommen und sich mit Barnebys zu einem Gespräch getroffen, in dem er von der bevorstehenden Ausstellung und seiner Rolle als Künstler in der heutigen markengesättigten Gesellschaft erzählte.

Oli Epp in seinem Studio mit "The Minister", 2019, Öl, Acryl und Sprühfarbe/Lwd. | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery
Oli Epp in seinem Studio mit "The Minister", 2019, Öl, Acryl und Sprühfarbe/Lwd. | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery

Barnebys: Auf Instagram folgen dir aktuell rund 18.000 Menschen. Welchen Nutzen hat es deiner Meinung nach heutzutage, ein "Instagram-freundlicher" Künstler zu sein?

Oli Epp: Es geht nicht darum, "Instagram-freundlich" zu sein, es geht darum, ehrliche Arbeit zu leisten. Ich bin ein Millennial, der in dieser schnellen Konsumkultur lebt. Meine Bilder sind für mich authentische, weil ich Werke schaffe, mit denen ich auf mein tägliches Leben und meine Erfahrungen reagiere. Ich denke, man sollte immer seinen Ideen treu bleiben und sich nicht einem Algorithmus hingeben. Obwohl [meine Kunstwerke] eine leichte Pop-Ästhetik haben, verbirgt sich unter ihre Oberfläche oft eine dunklere, ernüchternde Erzählweise, die nicht mit Instagram übereinstimmt - Posts mit Nacktheit und politisch unkorrekten Themen musste ich entfernen.

Du sagst, deine Bilder sind autobiografisch und greifen deine alltäglichen Erfahrungen und Beobachtungen auf. Welche Dinge fallen dir dabei besonders ins Auge?

Meine letzten Arbeiten waren eine direkte Reaktion auf unsere Beziehung zur Technologie und zum Konsum und die Kämpfe, die wir mit diesen Themen austragen. Ich tendiere Tragödien und Ironie, aber auch zu Charakteren und Situationen, die in der Kunstgeschichte unterrepräsentiert sind, seien es Germaphoben, Internet-Trolle oder Paralympioniken.

Oli Epp, "The Germaphobe", "Security Theft" und "10 Minutes (sunbed)", alle 2019, Öl, Acryl und Sprühfarbe/Lwd., Teil der Ausstellung "Contactless" in der Richard Heller Gallery | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery
Oli Epp, "The Germaphobe", "Security Theft" und "10 Minutes (sunbed)", alle 2019, Öl, Acryl und Sprühfarbe/Lwd., Teil der Ausstellung "Contactless" in der Richard Heller Gallery | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery

In deinen Arbeiten, die Konsum und Kommerz behandeln, verwendest du die ikonischen Markenlogos unserer Zeit. Was ist deine persönliche Einstellung zum Konsum und welche Botschaft möchtest du mit diesen Werken vermitteln?

Ich verstehe, dass es Präzedenzfälle für diese Art von Arbeiten gibt. Aber im Gegensatz zu [William] Hogarth und anderen künstlerischen Satirikern mache ich keine Kunstwerke, um eine Nation zu moralisieren. Als Künstler bin ich daran interessiert, die Kultur und Gesellschaft von heute darzustellen, ohne meinen Standpunkt durchzusetzen. Ich bin ein stiller Beobachter, der das Jetzt darstellt. Meine Arbeiten sind sozial und politisch, aber ohne jede Haltung.

Würdest du deine Arbeiten selbst als ikonoklastisch bezeichnen?

Haha! Erst durch Artikel in der Los Angeles Times mit dem Titel Icons in the age of tech habe ich wirklich darüber nachgedacht. Meine Bilder sind ikonoklastisch, weil sie den gepflegten Glauben an die Gesellschaft und und an die Malerei in Frage stellen oder untergraben. Ich stelle häufig diese überlebensgroßen Menschen - Götter von heute, die von einem künstlichen Licht umgeben sind - ähnlich wie eine religiöse Ikone dar, die jedoch durch unsere Beziehung zu Bildschirmen und Technologie zerrüttet werden.

Oli Epp, "Choking Hazard", 2019, Öl u. Acryl/Lwd. | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery
Oli Epp, "Choking Hazard", 2019, Öl u. Acryl/Lwd. | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery

Gerade neulich erst habe ich mir einen Podcast angehört, in dem der Spreche meinte, dass Romane und die meisten Arten des Geschichtenerzählens besser funktionieren, wenn sie humorvoll sind. Welche Rolle spielt für dich Humor in der Kunst?

Viele meiner frühen Auseinandersetzungen mit der Kunst waren, dass ich vieles so ernst und unzugänglich fand. Ich fühlte mich von der Kunstwelt und der sie umgebenden Sprache ausgegrenzt. Ich benutze Humor, um Menschen das Gefühl zu geben, mit der Arbeit verbunden zu sein, sei es durch eine respektlose gemeinsame Erfahrung oder durch Lachen.

Gibt es bestimmte „lustige" oder humorvolle Künstler oder Kunstwerke, die dich inspiriert haben? Oder im Gegenteil, vielleicht nicht humorvolle Künstler?

Die theatralischen Künstler der Rokoko-Zeit habe ich schon immer ganz besonders geliebt, vor allem [Jean-Honoré] Fragonard und [François] Boucher. Ich schwärme aber auch für Peter Saul, Tala Madani, Dana Schutz und Andreas Schulze - seine Traffic Jam-Serie ist möglicherweise eine meiner Lieblingsserien.

Wo wir gerade von Humor sprechen: Du hast PLOP, ein von Künstlern geführtes Haus in Zentral-London gegründet. Was bedeutet der Name?

Haha! PLOP ist das Scrabble-Wort mit der höchsten Punktzahl, wenn ich die Buchstaben meines Namens OLI EPP verwende. Es hat mich zum Lachen gebracht. Ich wollte es schon immer für etwas verwenden und es schien perfekt für das Haus zu sein. Es ist Pop, es macht Spaß, es ist unprätentiös und beschreibt, wie jemand oder etwas auf schnelle Art und Weise in eine neue Umgebung versetzt wird. Ich denke dauernd über Überschriften nach.

Das Künstlerhaus ist eine tolle Idee. Warum hast du es gegründet? Und war die Umsetzung schwieriger (oder einfacher) als ursprünglich angenommen?

Es war etwas, was ich schon immer tun wollte. Ich hatte gerade das Glück, das Vertrauen und den Respekt einiger großer Unterstützer gewonnen zu haben, die das Projekt großzügig finanzieren. Ich leite es zusammen mit Aindrea Emelife, meiner Co-Gastgeberin und besonderen Freundin, und zusammen haben wir viel Liebe und Mühe in die Umsetzung gesteckt.

Mehr über das Künstlerhaus PLOP erfahren Sie hier.

Oli Epp, "Copycat", 2019, Öl u. Acryl/Lwd. | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery
Oli Epp, "Copycat", 2019, Öl u. Acryl/Lwd. | Foto mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery

Du bist ab Sonntag einer der Teilnehmer an der Gruppenausstellung bei Carl Kostyál in Malmö. Kannst du uns verraten, was du dafür ausgewählt hast?

Ich habe zwei große Arbeiten für diese Ausstellung vorbereitet, die vorerst noch eine Überraschung bleiben sollen. Aber ich bin begeistert, wie sich diese Arbeiten entwickelt haben.

Was steht für dieses Jahr noch in deinem Kalender?

Zusammen mit der punkigen Keramikerin Roxanne Jackson habe ich im September eine Zwei-Personen-Show in der Galerie DUVE in Berlin, gefolgt von einer Einzelausstellung bei Carl Kostyál in London im Dezember. Für 2020 gibt es auch schon große Neuigkeiten... die halte ich aber vorerst noch unter Verschluss.

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Entdecken Sie bis dahin Oli Epps Kunst vom 19. Mai bis 16. Juni 2019 bei den Malmö Sessions, präsentiert von der Galerie Carl Kostyál.

Titelbild: Oli Epp in seinem Atelier | Foto: Hannah Burton, mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Richard Heller Gallery