Kennen Sie alle der folgenden sechs Gemälde? Vermutlich schon, denn sie gehören nicht nur zu den ikonischsten Werken der spanischen Malerei, sondern zu den berühmtesten Schöpfungen der Kunstgeschichte, die sie zum Teil maßgeblich beeinflussten.
Diego Velázquez, Las Meninas

Als Diego Velázquez mit Las Meninas („Die Hofdamen“) sein berühmtestes Werk schuf, war er 57 Jahre alt und seit über 30 Jahren Hofmaler des kunstbegeisterten Königs Philipp IV. von Spanien. Er hatte verschiedene Hofämter inne, darunter das des Kurators der königlichen Kunstsammlung sowie das eines Palast-Marschalls, das seine ständige Anwesenheit in der Nähe der höchsten Familie legitimierte. Auch war ihm ein großer Raum im Alcázar von Madrid, Hauptresidenz des Königs und Vorgängerbau des heutigen Palacio Réal, zugewiesen worden, der ihm als Atelier diente. Dort entstand auch Las Meninas, in dessen Mittelpunkt Margarita Theresa, Philipps IV. bis dahin einziges Kind aus seiner zweiten Ehe mit Maria Anna von Österreich, zu sehen ist, umgeben von Mitgliedern ihres Hofstaats, Diego Velázquez höchstselbst sowie einem vor sich hin dösenden großen Hund. Im Hintergrund ist der Hofmarschall José Nieto Velázquez (eine Verwandtschaft zum Maler ist nicht gesichert) in einer geöffneten Tür zu sehen. Zwischen den beiden Herren Velázquez ist ein Doppelbrustbild des Königspaares zu erkennen, wobei davon ausgegangen wird, dass es sich um ein Spiegelbild handelt. Dazu in Erwägung gezogen werden die Möglichkeiten, dass es sich entweder um das Spiegelbild des Gemäldes handelt, an dem Diego Velázquez in Las Meninas arbeitet, oder um eine direkte Spiegelung des Königspaares, das gerade gemalt wird. In beiden Fällen würden einige der anwesenden Personen, darunter die Infantin und der Maler, gar nicht den Betrachter anblicken, sondern das Königspaar, dessen Perspektive der Betrachter einnimmt. Für diese These spricht auch der ursprüngliche Aufstellungsort des Gemäldes, das private Arbeitszimmer des Königs im Alcázar, wo nicht jeder x-beliebige Betrachter die Möglichkeit hatte, eine solche persönliche und innovative Position einzunehmen.
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Pablo Picasso, Guernica

1936 erhielt Pablo Picasso von der Regierung der Spanischen Republik den Auftrag, ein Gemälde für den spanischen Pavillon der im Jahr darauf geplanten Pariser Weltausstellung zu malen. Picassos erste Idee war das Thema „Maler und Modell“, was er jedoch verwarf, nachdem es am 26. April 1937 zu den verheerenden Bombardierungen der baskischen Stadt Gernika durch die Luftwaffen Deutschlands und Italiens, die die Putschisten unter der Führung Francos unterstützten, gekommen war. Picasso schuf nun ein dramatisches, in Grau, Weiß und Schwarz gehaltenes Anti-Kriegs-Gemälde, das das Leid, den Kriege verursachen, zum Thema hat. Im Zentrum steht das sterbende Pferd (bei Picasso das Symbol für unendliches Leid); diesem beigefügt ein nur schwer zu interpretierender Stier, ein sterbender Krieger sowie vier Frauen, von denen eine in ihrem Haus verbrennt, während eine andere ihr totes Kind beklagt. Nach der Weltausstellung in Paris ging Guernica auf Tournee durch Skandinavien, England und schließlich Amerika, um Geld für die Opfer des Bürgerkriegs zu sammeln. Da Picasso sein Werk einer zukünftigen spanischen Republik vermachte, blieb Guernica vorerst im Metropolitan Museum of Art in New York. Zwar wurde Spanien nach Francos Tod 1975 keine Republik, sondern eine parlamentarische Monarchie, dennoch wurde Guernica 1981 an das Heimatland seines Schöpfers übergeben, wo es seit 1992 im Museo Reina Sofía in Madrid ausgestellt wird.
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Francisco de Goya, Die nackte Maja

Unter den vielen entblätterten jungen Damen der Kunstgeschichte ist La maja desnuda („Die nackte Maja“) von Francisco de Goya zweifellos eine der berühmtesten – und das, obwohl (oder gerade weil) sie lange Zeit unter Verschluss gehalten worden und der Öffentlichkeit dadurch nicht bekannt war. Der Zensor war die Spanische Inquisition höchstpersönlich, die die Darstellung einer so schamlosen und schambehaarten jungen Frau als skandalösen Sittenverfall betrachtete. Entdeckt worden war das Gemälde, sowie dessen zweite Version, La maja vestida („Die bekleidete Maja“), 1808 in einem geheimen Kabinett mit erotischer Malerei des kurz zuvor entmachteten Staatsmannes Manuel de Godoy. Er und später auch der Schöpfer der Majas, Francisco de Goya, wurden vor das Inquisitionstribunal zitiert. Goya sollte den Auftraggeber nennen, doch was er antwortete, ist nicht überliefert. Das und die Identität der Dargestellten sind die großen Geheimnisse der Majas, die die Gemälde noch faszinierender machen. Eine der vielen Mätressen Godoys wurde in Betracht gezogen, ebenso die glamouröse Herzogin von Alba, die von Goya wiederholt porträtiert worden war. Vermutlich handelt es sich jedoch lediglich um eine namentlich nicht überlieferte junge Frau der unteren Gesellschaftsschicht. Diese maja genannten Frauen (bei Männern majo) zeichneten sich vor allem durch ihre auffällige, auf der traditionellen spanischen Tracht basierende Kleidung aus.
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Salvador Dalí, Die Beständigkeit der Erinnerung

Was löst der Anblick von schmelzendem Camembert bei Ihnen aus? Hunger oder vielleicht auch Abscheu – je nachdem, ob Sie ein Fan oder Verächter des französischen Weichkäses sind. Bei Salvador Dalí löste der Anblick 1931 jedenfalls Bedürfnis aus, ein Bild zu malen. Das Ergebnis ist Die Beständigkeit der Erinnerung, eines der berühmtesten Gemälde des Surrealismus und das bekannteste Werk Dalís – und das, obwohl es gerade einmal 24,1 x 33 cm misst. In einer kargen Felslandschaft, die an die Landschaft seiner Heimatregion Katalonien erinnert, platzierte Dalí drei Taschenuhren, die über dem Ast eines kahlen Baumes, der Kante eines Podests und über einem Gebilde zerfließen, das eine abstrakte Darstellung von Dalís Gesicht darstellt. Das Gesicht ist schlafend dargestellt, sodass deutlich wird, dass wir es hier mit einem Traum zu tun haben – ein Traum, in der die übliche Wahrnehmung von Zeit und Raum an Bedeutung verloren hat. Auch liegt dem Gemälde Dalís damals aktuelle Theorie von Weichheit und Härte zugrunde, deren Gegensätzlichkeiten er in seinen surrealistischen Werken verwendete, wobei die Härte für die Realität und die Weichheit für Träume und das Unterbewusste Pate standen. Eine vierte Uhr ist hingegen noch intakt. Vielleicht, weil ihr Deckel geschlossen ist? Allerdings wird sie von Ameisen – ein Symbol Dalís für den Verfall – attackiert, sodass ihr das Schicksal der anderen Uhren möglicherweise noch bevorsteht.
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Pablo Picasso, Les Demoiselles d’Avignon

Wer sich zwischen Herbst 1906 und Sommer 1907 fragte, was Picasso wohl gerade so trieb, konnte gewiss sein, dass die Antwort darauf „Arbeiten!“ lautete. Nachdem er den Sommer im Pyrenäen-Dorf Gósol verbracht hatte, war Picasso in sein Atelier im heruntergekommenen Künstlerhaus Bateau-Lavoir auf dem Montmartre zurückgekehrt, um dort, inspiriert von den Eindrücken, die er in Gósol gesammelt hatte, ein Werk zu schaffen, dass die Kunstgeschichte auf den Kopf stellen sollte: Les Demoiselles d’Avignon, das Gemälde, das den Kubismus begründete. Wie sehr ihm das Projekt am Herzen lag und wie fest er selber daran geglaubt haben muss, etwas Bedeutsames zu schaffen, zeigt sich allein in der Tatsache, dass er für das Gemälde über 800 Skizzen und Studien schuf. Das fertige Bild zeigte schließlich fünf weibliche Akte, wobei Picasso ursprünglich als Szenerie ein Bordell im Carrer d’Avinyó in Barcelona geplant hatte (die bis heute gebräuchliche Veränderung des Wortes Avinyó zu Avignon erfolgte erst einige Jahre nach der Fertigstellung). Picasso zeigte das Werk zunächst nur Freunden und Kunsthändlern, die jedoch alle nur wenig begeistert waren. Die erste öffentliche Ausstellung erfolgte 1916. Verkaufen konnte Picasso das Gemälde sogar erst 1924 (an den Modeschöpfer Paul Doucet), als sich die Meinung zu Les Demoiselles d’Avignon allmählich wandelte und man begriff, welche Bedeutung dem Werk tatsächlich zukam.
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Francisco de Goya, Die Erschießung der Aufständischen am 3. Mai 1808

Am 2. Mai 1808 hatten die Bürger von Madrid genug: Die französischen Truppen, die angeblich als Verbündete in Spanien einmarschiert waren, verhielten sich immer mehr wie eine Besatzungsmacht. Es kam zum Aufstand in der Hauptstadt, deren Bewohner mit einfachsten Mitteln gegen die gut ausgerüsteten Soldaten Napoleons kämpften. Die Franzosen siegten und noch in der Nacht zum 3. Mai wurden 45 Aufständische Hügel von Príncipe Pío durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Es war der Auftakt zum Spanischen Unabhängigkeitskrieg, der erst 1814 enden sollte. In jenem Jahr schuf Francisco de Goya zwei Gemälde, die die Ereignisse vom Mai 1808 thematisierten: El dos de mayo de 1808 en Madrid („Der 2. Mai 1808 in Madrid“), das den Kampf der Bürger gegen französische Soldaten darstellt, und El 3 de mayo en Madrid („Der 3. Mai in Madrid“), das die Exekution zeigt. Das zweite Gemälde ist eindeutig das bekanntere und in seiner Darstellung gleichermaßen dramatisch wie auch modern. Nicht zufällig erinnert die Darstellung des Aufständischen im hellen Hemd an Christus am Kreuz, denn die Hingerichteten wurden allgemein als Märtyrer verehrt. Viele nachfolgende Künstler griffen das Gemälde auf, darunter Picasso, Otto Dix, Yue Minjun und Édouard Manet. Neben den beiden Gemälden schuf Goya mit der grafischen Serie Los Desastres de la Guerra („Die Schrecken des Krieges“) ein weiteres eindringliches Werk vor dem Hintergrund der Unabhängigkeitskämpfe.




