Leonardo da Vinci malte zwei Versionen seiner Felsgrottenmadonna, eine Komposition mit der heiligen Jungfrau, dem Christusknaben, dem ebenfalls kindlichen Täufer Johannes und einem Engel in einer felsigen Landschaft. Die erste Version hängt im Louvre, die zweite ist Teil der Sammlung der National Gallery in London. Im Zuge der Vorbereitung einer anstehenden Ausstellung in der National Gallery, wurde das Renaissancegemälde eingehenden Untersuchungen unterzogen, die zwei Vorzeichnungen unter der Farbe nachweisen konnten.

Die beiden Gemälde entstanden zwischen 1483 und 1506 als Auftragsarbeit für ein Altarbild der Mailänder Franziskanerkirche San Francesco Grande. 1785 wurde es vom schottischen Maler Gavin Hamilton gekauft und nach England gebracht, wo es rund einhundert Jahre später in den Besitz der National Gallery überging.

Bereits 2005 war während Restaurierungsarbeiten festgestellt worden, dass für die heilige Jungfrau ursprünglich eine andere Position im Gemälde vorgesehen war. Dies kann nun bestätigt werden, nachdem sechs Experten in Vorbereitung für die im Herbst stattfindende Ausstellung das Gemälde mithilfe einer erweiterten Bildgebungstechnologie (derselben, mit der laut The Guardian 2011 Osama bin Ladens Versteck in Pakistan aufgespürt worden war) untersuchten. Die dabei sichtbar gewordenen Zeichnungen unter der Farbschicht zeigen ebenfalls die ursprünglichen Positionierungen von zwei weiteren Figuren.

"Beide Figuren sind höher in der Zeichnung positioniert, während der Engel nach außen auf das Christuskind mit einer viel engeren Umarmung herabschaut", erklärte ein Sprecher der National Gallery gegenüber The Guardian.

Die Entdeckungen gewähren interessante Einblicke in den Arbeitsprozess des Renaissancemeisters, der seine Komposition zunächst in Zeichnungen auf der Holztafel erarbeitete, bevor er sie in Farbe ausführte.
Anlässlich des 500. Todestages von Leonardo da Vinci wird im Museum eine Ausstellung über den Künstler gezeigt, deren zentrales Werk die Felsgrottenmadonna sein wird. Gestaltet wird die Ausstellung von 59 Productions, die für ihre multimediale und erfahrungsorientierte Herangehensweise bekannt ist. Präsentiert wird das Gemälde in einer Rekonstruktion seines ursprünglichen Aufstellungsortes, der 1806 zerstörten Mailänder Kapelle.



