Fünf Kataloge, 1290 Lose und mehrere Jahrhunderte Kunstgeschichte vereint Hampel am 29. Juni. Wie gewohnt hat das Münchener Auktionshaus eine traumhafte Offerte von höchster Qualität zusammengetragen, die mehrere Kategorien umfasst.
Nachdem Möbel, Skulpturen, Kunsthandwerk und Uhren präsentiert wurden, wird sich Hampel mit der Versteigerung altmeisterlicher Gemälde seiner Kernkompetenz widmen. Hier sind in acht Losen gleich vier Mitglieder der talentierten Familie Brueghel vertreten, darunter Pieter Brueghel der Jüngere mit der tumultuösen Szene Bauernstreit beim Kartenspiel.

Hier hat sich Pieter Brueghel d. J. ein weiteres Mal am Vorbild seines Vaters orientiert und ein sich in dörflichem Umfeld abspielendes Geschehen dargestellt. In diesem Fall ist es bei einer Partie Karten wohl zu einem ernsthaften Zerwürfnis zwischen den Spielern gekommen, Bänke und Tische sind umgeworfen, ein Dreschflegel ist bereits im schmerzhaften Einsatz. Interessant ist die gewählte Perspektive. Der Vorfall scheint sich vor einem Wirtshaus zu ereignen, worauf ein Fass am Bildrand hindeutet. Demnach steht der Betrachter vor dem Wirtshaus und blickt auf die aufgebrachten Menschen sowie auf das hinter ihnen liegende Dorf, aus dem weitere Personen angerannt kommen.

Weitaus friedlicher geht es auf dem Tafelbild Maria mit dem Kind, das auf einem Kissen steht zu, welches früher fälschlicherweise für ein Werk Joos van Cleves gehalten wurde, nun aber dessen flämischen Kollegen und Zeitgenossen Bernard van Orley zugeschrieben wird. Besonders fein ist es van Orley gelungen, mit innigen Blicken und zarten Berührungen das liebevolle Verhältnis zwischen Mutter und Sohn herauszuarbeiten. Eine andächtige Ruhe vermittelt auch der dunkel gehaltene Hintergrund, vor dem sich das helle Inkarnat der Dargestellten abhebt.
Weitere Highlights stammen aus den fähigen Händen von Pieter Brueghel dem Älteren, Jan Brueghel dem Älteren und dem Jüngeren sowie den beiden Canalettos (Bernardo Bellotto und Giovanni Antonio Canal). Getoppt wird das alles aber noch von einem kleinen Andachtsbild von Lucas Cranach dem Älteren, das den jungen Christus zeigt, der vom Johannesknaben angebetet wird.

Das Werk ist eine eigenhändige Wiederholung Cranachs des Themas, dem er sich um 1515/20 erstmals gewidmet hat. Jenes Gemälde zeigt die beiden heiligen Knaben vor einem dunklen Hintergrund, wohingegen die vorliegende Fassung die Figuren vor einer Kulisse aus Felsen, Vegetation und einem Stück blauem Himmel zeigt. Neben sich das Lamm Gottes, kniet Johannes in betender Pose vor Christus, der die Hand im Segensgestus über ihm erhebt.
Nach Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts darf auf die Werke von Impressionisten und Vertretern der Moderne mitgeboten werden, darunter Maurice Utrillo, Gustave Loiseau und Jeff Koons.

Maurice de Vlamincks um 1920 entstandene Ansicht eines Dorfes der Île-de-France zeigt vermutlich Nesles-la-Vallée, in dessen Nähe er gerade gezogen war. Der Mitbegründer des Fauvismus ist hier als solcher weniger zu erkennen denn als Nachfolger Cézannes, dessen würfelähnlich übereinandergestapelte Häuser er über dunklen Baumwipfeln und einer von bunten Blumentupfern durchzogenen Wiese aufragen lässt.

Nachdem George Grosz 1933 in die USA ausgewandert war, lebte er in New York, wo er häufig in den Varietés auf Motivsuche ging. In diesem Umfeld entstand auch das vorliegende Aquarell Burlesque Show, das eine bereits entblätterte Tänzerin im Rampenlicht zeigt. Die Perspektive lässt vermuten, dass sich Grosz im seitlichen Bühnenraum aufgehalten haben muss.
Bevor sie weitreichende Berühmtheit erlangten, traten auch die Marx Brothers in den Varieté-Theatern New Yorks auf. Vielleicht waren sich George Grosz und Harpo Marx dort begegnet, bevor Marx das Aquarell direkt beim Künstler erwarb.

Rund vierzig Jahre später ging auch Andy Warhol in New York auf Motivsuche für einen Auftrag des Mailänder Kunsthändlers Luciano Anselmo. Fündig wurde er im Nachtclub The Gilded Grape, in dem Drag Queens verkehrten. In seinem Studio setzte er sie in 500 Polaroidaufnahmen wie zuvor seine Hollywoodstars in Szene und schuf 268 Siebdrucke. Bei Hampel kommen 15 fotografische Acetate der Serie zum Aufruf.
Ergänzt wird das moderne und zeitgenössische Angebot mit Editionen für junge Sammler, bevor Armbanduhren, Schmuck und die wie immer breitgefächerte Sparte „Hampel Living“ den Auktionstag beenden.
Die Auktion findet am 29. Juni ab 10 Uhr in der Villa Hampel, Schellingstraße 44, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 24.-27. Juni möglich.
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