Das selbstgemalte Bild war und ist in so mancher Kindheit quasi obligatorisch an Mamas oder Papas Geburtstag und natürlich immer das Highlight am Frühstückstisch des Jubilaren, das bewundert und für großartig befunden wird - egal, ob das nun zutrifft oder nicht, denn schließlich ist alles schön, wenn man es mit Liebe betrachtet.
Auch für heute berühmte Künstler gab es einen - und in ihrem Falle bedeutsamen - Zeitpunkt, an dem sie zum ersten Mal einen Stift oder einen Pinsel in die Hand nahmen, um das, was sie sahen und ihre Fantasie anregte, versuchten auf Papier zu bannen. Einige dieser frühen Werke haben wir einmal zusammengestellt.
Natürlich muss hinzugefügt werden, dass es sich nicht zwangsläufig um das erste Kunstwerk eines Künstlers handeln muss, sondern um das früheste noch erhaltene. Dies trifft vor allem auf Künstler zu, die sich erst relativ spät einer kreativen Karriere zuwandten oder diese schon lange zurückliegt.
Leonardo da Vinci (1452-1519), Landschaft für Santa Maria Della Neve, 1473

Ein solcher Fall ist Leonardo da Vinci, dessen frühestes erhaltenes Werk rund 550 Jahre alt ist. Die mit Bleistift und Tinte ausgeführte Zeichnung zeigt äußerst detailreich das Tal des Flusses Arno bei der ebenfalls abgebildeten Burg Montelupo in der Toskana, unweit von Leonardos namengebenden Heimatort Vinci.
Dank der Datierung auf dem Blatt weiß man genau, wann diese Zeichnung entstanden ist: 5. August 1473. Leonardo war damals 21 Jahre als und seit vier Jahren Schüler des Florentiner Bildhauers und Malers Andrea del Verrocchio. In dessen Werkstatt führte er damals Immer wieder Abschnitte oder einzelne Figuren in Gemälden seines Meisters aus. Die Skizze ist aber die erste von Leonardo da Vinci in völliger Eigenregie ausgeführte Arbeit, die bis heute überdauert hat.
2018 wurde jedoch eine Majolika-Kachel der Öffentlichkeit vorgestellt, die ins Jahr 1471 datiert und eine noch frühere Arbeit Leonardo da Vincis darstellen soll.
Albrecht Dürer (1471-1528), Selbstbildnis, 1484

Von jugendlichem Genie kann man getrost sprechen, wenn es um das erste (von vielen) Selbstbildnissen Albrecht Dürers geht. Dabei handelt es sich um eine Silberstiftzeichnung, die der damals dreizehnjährige Albrecht im Jahr 1484 auf weiß grundiertem Papier ausgeführt hat.
Albrecht Dürer war damals seit einem Jahr Lehrling in der Goldschmiedewerkstatt seines Vaters in Nürnberg. Er sollte in die Fußstapfen seines "alten Herren" treten. Vielleicht waren es dieses herausragende Selbstbildnis und die im darauffolgenden Jahr entstandene Madonna mit zwei Engeln, die Albrecht Dürer senior veranlassten, seinen Sohn aus der eigenen Werkstatt zu entlassen und in die Obhut des Malers und Holzschnittmeisters Michael Wolgemut zu geben. Wir sind ihm jedenfalls dankbar dafür!
Artemisia Gentileschi (1593-1654), Susanna und die Ältesten, 1610

Das früheste bekannte Werk der Artemisia Gentileschi ist die Bedrängung der schönen Susanna durch zwei alte Männer, ein im Zeitalter des Barock bei Malern beliebtes Thema aus den alttestamentlichen Erzählungen des Buches Daniel. Nach einer langen Zeit der Unsicherheit konnte die auf dem Bild vorhandene Datierung durch eine Röntgenuntersuchung auf das Jahr 1610 festgelegt werden.
Artemisia Gentileschi war damals 17 Jahre alt und arbeitete als Schülerin ihres Vaters, der Maler Orazio Gentileschi, in dessen Werkstatt in Rom. Das einschneidende Erlebnis im Leben der äußerst talentierten jungen Frau fand im Jahr 1611 statt, als der Maler Agostino Tassi sie in seinem Atelier, wohin Artemisia von ihrem Vater zur Vervollkommnung ihrer Technik geschickt worden war, vergewaltigte. Das Ereignis und den darauf folgenden demütigen Prozess verarbeitete Artemisia in dramatischen Gemälden wie Judith enthauptet Holofernes.
Auch wenn Susanna und die Ältesten vor der Vergewaltigung durch Tassi entstanden war, kannte Artemisia bereits das Gefühl der Bedrängnis, war sie in der Werkstatt ihres Vaters doch häufig den neugierigen, und mitunter wohl auch lüsternen, Blicken von dessen Kunden und Kollegen ausgesetzt.
Claude Monet (1840-1926), Vue prise à Rouelles, 1858

Der junge Claude Monet wurde Künstler ohne jemanden zu fragen oder sich in irendeiner Wiese anderweitig beeinflussen zu lassen. Aufgewachsen in Le Havre nutzte er die Zeit die Unterrichtszeit am dortigen Gymnasium dafür, Karikaturen von seinen Lehrern und Mitschülern anzufertigen. Von Disziplin hielt er weniger bis gar nichts.
Doch der Erfolg gab ihm Recht, denn bereits als Teenager, dessen Zeichenlehrer an der Schule der Maler Jacques-François Ochard war, konnte er bezahlte Aufträge für Karikaturen an Land ziehen. Signiert hat er diese mit O. Monet, was schlicht und einfach daran liegt, dass sein vollständiger Name Oscar-Claude Monet lautete.
Vincent van Gogh (1853-1890), 87 Hackford Road, 1873/74

Vincent van Gogh gehörte bekanntermaßen zu den "Spätzündern" unter den Künstlern. Erst 1880 entschloss er sich Maler zu werden, da war er bereits 27 Jahre alt. Es folgten zehn ungemein produktive und innovative künstlerische Jahre, die 1890 abrupt mit dem Tod des zeitlebens melancholischen Mannes endeten.
Gilt auch das Jahr 1880 als Beginn von Vincent van Goghs Künstlerkarriere, scheint er schon vorher auf diesem Gebiet tätig gewesen zu sein, davon zeugt jedenfalls eine Zeichnung, die 100 Jahre lang unbeachtet in einem Haus in der Londoner Hackford Road aufbewahrt wurde, bevor sie als Arbeit van Goghs identifiziert wurde.
Doch wie kam sie dorthin? Tatsächlich war der erste Berufsweg, den der junge Vincent van Gogh einschlug, der eines Händlers. Im Alter von 16 Jahren begann er im internationalen Kunsthandel seines Onkels zu arbeiten, eine Tätigkeit, die ihn 1873 nach London führte, wo er in der Pension in der Hackford Road 87 Quartier bezog.
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Pablo Picasso (1881-1973), Picador, 1889/90

Pablo Picasso wuchs gemeinsam mit zwei jüngeren Schwestern im andalusischen Málaga auf, wo er bereits im zarten Alter von drei Jahren mit dem Zeichnen und malen begann. Als er acht Jahre alt war, nahm ihn sein Vater, der Maler und Kunstlehrer José Ruiz Blasco, mit zu einer Corrida, einem Stierkampf, mit. Das Ereignis beeindruckte den Jungen so sehr, dass er zuhause ein kleines Ölgemälde ausführte, das einen Picador, einen der berittenen Helfer des Toreros, darstellte.
Das Thema des Stierkampfs beschäftige Picasso immer wieder während seiner gesamten Karriere. Besonders bekannt sind in diesem Zusammenhang seine 26 Aquatinten, die er 1956 als Illustration einer Neuauflage des 1796 entstandenen Lehrbuchs für Matadoren, La Tauromaquia, anfertigte.
Edward Hopper (1881-1967), Little Boy Looking at the Sea, 1891

Melancholie, Einsamkeit und vielleicht die Sehnsucht nach der Ferne scheint diese Zeichnung eines kleinen Jungen am Meer auszudrücken, die der zehnjährige Edward Hopper 1891 ausführte. Ein Selbstportrait, dessen eher traurige Stimmung dem Bildträger geschuldet war? Dabei handelte es sich nämlich um Hoppers Zeugnis seines dritten Schuljahrs.
Edward Hopper wuchs in Nyack im US-Bundesstaat New York auf. Vom Fenster seines Zimmers aus konnte er am Ende der Straße bis zum Hudson River blicken. Vor allem die dortigen Boote hatten es ihm angetan und er wurde selbst ein begeisterter Segler. Ist er heute auch vor allem für seine urbanen Bilder bekannt, blieb Hopper Zeit seines Lebens dem maritimen Sujet treu. Perfekt für die Motivsuche war die Umgebung seines Sommerhauses, das er später auf Cape Cod, Massachusetts besaß.
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Paul Klee (1879-1940), Dame mit Sonnenschirm, 1883-85

Die Zeichnung einer eleganten Dame mit Sonnenschirm von Paul Klee ist wohl jenes Werk in dieser Liste, das am ehesten an die oben genannten selbstgemalten Geburtstagsbilder erinnert. Vermutlich weil der spätere Expressionist erst zwischen vier und sechs Jahre alt war, als es ausführte. In jenen Jahren skizzierte Klein-Paul in zahllosen Zeichnungen seine Umgebung, die Karriere als Maler schien vorprogrammiert.
Seine Eltern hatten jedoch andere Pläne. Beide waren Musiker, Vater Hans Wilhelm arbeitete als Musiklehrer, Mutter Ida war Sängerin, und ihnen schwebte auch für ihren Sohn eine musikalische Karriere vor. Paul erhielt Geigenunterricht und beherrschte das Streichinstrument bereits im Alter von zehn Jahren meisterhaft und blieb ihm sein Leben lang verbunden. Dennoch zog es ihn stärker zur Malerei, sodass er nach dem Abitur nach München ging um Kunst zu studieren.
Georgia O'Keeffe (1887-1986), Ohne Titel, 1901/02

Im Laufe seiner langjährigen Beziehung und Ehe mit Georgia O'Keeffe war der Fotograf Alfred Stieglitz fasziniert von den schönen Händen der Malerin, die er in seinen Bildern immer wieder in Szene setzte. Interessanterweise ist auf der frühesten erhaltenen Zeichnung O'Keefes eine Hand dargestellt.
Entstanden war die Zeichnung an der Sacred Heart Academy in Madison, Wisconsin, die die 14-jährige Georgia O'Keeffe damals besuchte. Auch Zeichenunterricht stand auf dem Lehrplan der katholische Schule und die erste Aufgabe bestand im Abzeichnen einer Puppenhand. Für ihren ersten Versuch erhielt die noch unentdeckte Künstlerin eine dermaßen harte Kritik, dass sie unermüdlich an der zweiten Version arbeitete. Für diese Zeichnung konnte ich ihr Lehrer so sehr begeistern, dass er Georgias Namen darauf schrieb und das Blatt an die Wand des Klassenzimmers heftete.
Salvador Dalí (1904-1989), Landschaft bei Figueres, 1910

Etwa drei Jahre, nachdem Georgia O'Keeffe den Auftakt ihrer Karriere als Künstlerin erlebt hatte, kam im katalanischen Figueres der spätere Meister des Surrealismus Salvador Dalí zur Welt. Dass er einmal Großes leisten sollte, war ihm bereits in jungen Jahren bewusst: "Im Alter von sechs Jahren wollte ich Köchin werden. Mit sieben wollte ich Napoleon sein", bekannte er sich in seiner Autobiografie.
Neben seinen kulinarischen Ambitionen war Dalí mit sechs Jahren aber auch schon künstlerisch aktiv, wie sein erstes Ölgemälde, das die Landschaft nahe seines Heimatortes zeigt, belegt. Ebenso wird deutlich, dass er zu jenem Zeitpunkt den Impressionisten und dem Werk Cézannes zugeneigt war.
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