Im Spätsommer 1838 erhielt der Maler Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld den Auftrag, ein großformatiges Gemälde für das Refektorium des armenischen Mechitharistenkloster in Wien zu schaffen. Als Motiv für das gut 6 Meter breite, nach oben abgerundete Werk, wählte man die Speisung der 5000, also jene neutestamentliche Episode der ersten Brotvermehrung, in der fünf Brote und zwei Fische auf wundersame Weise mehrere Tausend Personen sättigen können. Seine Arbeit beendete Schnorr von Carolsfeld am 7. August 1839, wie ein Brief, den er an seinen ebenfalls malenden Bruder Julius schrieb, belegt.
Die Brüder Schnorr von Carolsfeld gehörten jener in Wien und Rom agierenden Künstlergemeinschaft an, die als „Nazarener“ bezeichnet wurden und die sich von den antiken Idealen der akademischen Malerei abgewendet und altdeutsche Maler wie Abrecht Dürer oder italienische Maler der Frührenaissance als Vorbild gewählt hatten. Im Zentrum ihres von der Romantik geprägten Schaffens standen religiöse Motive, die beim Betrachter Emotionen statt der Bewunderung künstlerisch-technischer Fähigkeiten wecken sollten.

1841 wurde Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld vom Kaufmann und Lyriker Jakob Nikolaus Craigher damit beauftragt, eine kleinere Version seines vielfigurigen Werks anzufertigen. Das Gemälde, das lange Zeit als verschollen galt, kommt diesen Monat im Zürcher Auktionshaus Schuler zum Aufruf, wo es mit einem fünfstelligen Schätzpreis zu den Highlights der an Highlights nicht armen Offerte zählt.
Die Auktion ist gleichermaßen abwechslungs- als auch umfangreich, sodass Sammler der unterschiedlichsten Gebiete auf ihre Kosten kommen werden. Dies gilt sowohl für die ausschließlich online stattfindende Blaue Auktion am 19. Juni, als auch für die Saalauktionen, die vom 21.-23. Juni im Auktionshaus in Zürich abgehalten werden.

Voller Vielfalt präsentiert sich bereits der erste Auktionstag, der u.a. Glas, Silber und Teppiche umfasst. Unter den kunsthandwerklichen Schätzen ist eine in Dreipassform gestaltete silberne Kalenderdose aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hervorzuheben. Anhand von Drehscheiben an Ober- und Unterseite lassen sich mit ihr Fest- und Feiertage, Tages- und Nachtlänge, Sonnenaufgang und -untergang sowie Monats- und Wochentag bestimmen.

Am zweiten Auktionstag stehen zunächst Asiatica auf dem Programm, unter denen neben einer bronzenen Guanyin der Ming-Dynastie und einer Henkelvase der Republik-Zeit auf diese chinesische Malerei der Qing-Dynastie hingewiesen werden muss. Vor einem blauen Hintergrund ist in feiner Malerei das Dreigestirn der daoistischen Gottheiten (Sanxing) zu sehen: Fu, Lu und Shu, die für Glück, Wohlstand und Langlebigkeit stehen. Begleitet werden die Götter von drei Kindern, die mit Blumenvase, Pfirsich und Granatapfel entsprechende Attribute herbeitragen.

Im Anschluss an die Schätze aus Asien darf auf Schätze aus Schmuckschatullen mitgeboten werden. Ein Highlight dieser funkelnden Offerte ist dieses Paar Ohrgehänge, das in den 1940er Jahren bei Cartier in Paris angefertigt wurde. Die gelb- und roségoldenen Preziosen von 5 cm Länge bestechen mit ihrer Gestaltung, die an Maiglöckchen erinnert. Die insgesamt sechzehn Blüten sind mit feinen Burma-Rubinen bestückt und werden von beweglichen Blättern begleitet.
Ebenfalls im Paris der 1940er Jahre, genauer gesagt 1941, malte Bernard Boutet de Monvel dieses Porträt seiner Tochter Sylvie, das ein weiteres Highlight der Gemälde-Offerte darstellt, welche am letzten Auktionstag zum Aufruf kommt und sowohl Schweizer, als auch internationale Künstler umfasst.

Sylvie Boutet de Monvel ist als elegante Pariserin dargestellt, was in Zeiten der deutschen Besatzung als klare Botschaft verstanden werden kann, die Paris noch immer als Hauptstadt der Mode deklariert. Das Porträt befand sich einst in der Sammlung der mit Bernard Boutet de Monvel bekannten Vicomtesse Gladys de Maublanc. Die gebürtige Kanadierin war die Schwester der Kosmetikunternehmerin Elizabeth Arden, deren Produkte sie in Paris promotete.

Neben Gemälden, Möbeln, Design, Großuhren, Wein und Spirituosen darf am 23. Juni auch auf Klassiker mitgeboten werden. Um absolute Klassiker der Musikbranche handelt es sich bei den Produkten der amerikanischen Fender Musical Instruments Corporation. In gutem Originalzustand kommt mit einer Fender Stratocaster 1963-E-Gitarre ein besonders legendäres Modell zum Aufruf, das auch von bedeutenden Gitarristen wie Jimi Hendrix, David Gilmore und Eric Clapton gespielt wurde.
Die Versteigerungen im Auktionshaus Schuler finden am 19. Juni (Blaue Auktion online) sowie vom 21.-23. Juni (Saalauktionen in der Seestrasse 341) in Zürich statt. Die Ausstellung dazu ist vom 10.-17. Juni im Auktionshaus zugänglich.
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