Paul Durand-Ruel und der Impressionismus sind eins.
Paul Durand-Ruel darf in jeder Hinsicht als DER Galerist und Kunsthändler in der Geschichte der modernen Kunst betrachtet werden. Sein Name ist fest mit jener Künstlergruppe verbunden, deren Mitglieder heute weltberühmt sind und von einem großen Publikum geschätzt werden: die Impressionisten. Zu ihren Lebzeiten wurde les peintres impressionistes jedoch meist mit Zurückhaltung und Ablehnung bedacht. Nicht so Paul Durand-Ruel, der sich nicht entmutigen ließ und mit großer Leidenschaft, Engagement und Wertschätzung gegenüber den Künstlern zur Entwicklung des Impressionismus beitrug. 1924, zwei Jahre nach Durand-Ruels Tod, erinnerte sich Claude Monet an jene Zeit: "Ohne Durand wären wir Impressionisten alle verhungert".
Es war 1971, als Monet den Kunsthändler erstmals traf. Im Jahr darauf kaufte Durand-Ruel ihm für 35.000 Francs 23 Werke ab. In den Jahren von 1891 bis 1922 erwarb Durand-Ruel insgesamt 12.000 impressionistische Werke, darunter 1.500 Renoirs, 1.000 Monets, 800 Pissarros, 400 Degas', 200 Manets und viele weitere Arbeiten von Sisley, Cézanne und anderen.

Geboren 1831 in Paris, konnte Paul Durand-Ruels seine Karriere als Galerist dank seiner Familie starten, die eine Druckerei besaß, in der häufig Zeichnungen von zeitgenössischen Künstlern ausgestellt wurden. Die Druckerei wurde schon bald zu einer Anlaufstelle für Künstler und Sammler. Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs floh Durand-Ruel nach London, wo er eine Galerie in der New Bond Street eröffnete, wo er verschiedenen Künstlern Platz bot, um ein möglichst vielfältiges Angebot präsentieren zu können. So kam er erstmals mit den Arbeiten von Monet, Renoir, Manet, Degas, Pissarro und Sisley in Kontakt und war begeistert. Er organisierte zahlreiche Ausstellungen in seiner Londoner Galerie, jedoch ohne den gewünschten Erfolg zu erzielen. 1886 war er bankrott und machte sich mit 43 Kunstwerken auf den Weg nach New York. Innerhalb weniger Wochen konnte er alle Werke verkaufen und als er im darauffolgenden Jahre eine neue Galerie an der Fifth Avenue eröffnete, war er bereits eine legendäre Persönlichkeit des amerikanischen Sammlermarktes.
Ohne Durand wären wir Impressionisten alle verhungert.
1905 organisierte er in den Grafton Galleries in London eine große Ausstellung mit 315 impressionistischen Gemälden - die bis heute wichtigste Ausstellung dieser Kunstbewegung.

Ein Gemälde aus der persönlichen Sammlung von Paul Durand-Ruel wird am 25. Juni der Auktion mit Gemälden des 19. Jahrhunderts bei Wannenes angeboten: das 1913 geschaffene Damenporträt Marthe, das eine wichtige Arbeit des Malers Federico Zandomeneghi darstellt. Auf Einladung von Durand-Ruel nahm Zandomeneghi an mehreren impressionistischen Ausstellungen teil, wo seine Werke vom Publikum und von den Kritikern für ihre Frische und die Stärke ihrer Komposition gelobt wurden.
Das Porträt ist Teil des über 950 Lose starken Auktionskataloges "Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts", der Werke vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhunderts umfasst. Eine weitere interessante Arbeit in der Kategorie "Gemälde des 19. Jahrhunderts" ist das Ölgemälde La Belle Fille von Henri Caro Delvaille, ein französischer Künstler, der 1917 in die USA ging. Dort widmete ihm das Art Institute of Chicago bereits 1919 eine bedeutende Ausstellung.

Mit der für ihn typischen raffinierten Bildtechnik schuf Domenico Induno auch das vorliegende Werk einer jungen Frau, die der Betrachter beim Lesen eines Briefes beobachten kann. Gekleidet ist die Dame im Stil des 18. Jahrhunderts, womit das Gemälde deutlich an Arbeiten Jean-Honoré Fragonards erinnert.

Die Kategorie der Alten Meister ist reich gefüllt mit Werken der verschiedenen europäischen Schulen. Einige Werke dürften für Sammler besonders interessant sein, darunter das große Leinwandwerk Triumph des Neptun und der Amphitrite von Filippo Napoletano (Teodoro Filippo di Liagno), in dem der Künstler die manieristischen Vorschläge des Jacopo Zucchi zu einer dramatischen barocken Komposition ausarbeitete.

Ein weiteres Top-Los der Offerte ist Die Vermählung der Heiligen Jungfrau von Carlo Maratti, das als Vorlage für ein mittlerweile verschwundenes Altarbild der Alaleona-Kapelle der Kirche Sant'Isidoro in Rom gedient hatte. Maratti hatte die Kapelle zwischen 1652 und 1656 im Auftrag von Flavio Alaleona dekoriert.

Wannenes' Auktion "Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts" findet am 25. Juni um 14:30 Uhr im Palazzo del Melograno in Genua statt. Informationen zu den Teilnahmemöglichkeiten finden Sie auf der Website des Auktionshauses.



