Während der Art Basel können sich die Hallen des Miami Convention Center nie über Besuchermangel beklagen, in diesem Jahr gab es aber einen Stand und ein Kunstwerk, um die sich Besuchermassen drängten, wie sonst nur im Louvre vor der Mona Lisa. Was es dort zu sehen gab hatte allerdings nur wenig zu tun mit einem unbezahlbaren Meisterwerk des berühmten Renaissance-Genies.

Maurizio Cattelan, der zeitgenössische italienische Künstler, hatte in diesem bereits für Schlagzeilen gesorgt, als sein 6 Millionen US-Dollar teures Werk America aus 18-karätigem Gold, gestohlen wurde.
Doch sein jüngstes Werk, das auf der Art Basel in Miami gezeigt wurde, übertraf jede frühere Medienpräsenz und war das am meisten betrachtete und fotografierte Kunstwerk auf einer der größten und angesehensten Kunstmessen der Welt. Lediglich drei Exemplare hat Cattelan von Comedian geschaffen. Und zwar aus nichts weiter als Bananen, die er in einem Lebensmittelgeschäft in Miami für weniger als 1 Dollar erworben hat, und Klebeband. Ein jeweils beiliegendes Echtheitszertifikat rundet die drei Originalarbeiten ab.

Als Bilder der aufgeklebten Banane Social-Media-Feeds und Nachrichten zu überfluten begannen, wusste ich, was mich auf der Art Basel Miami Beach erwarten würde. Doch als ich mich der großen Versammlung von Menschen näherte, die allesamt ihre Handys bereithielten, um ein schnelles Selfie vor dem Stand der Galerie Perrotin zu machen, erschien mir das Spektakel tatsächlich wie eine Komödie.
Es war Freitag, der dritte Messetag. Die gelbe Banane, mit braunen Flecken gesprenkelt, war noch immer an der Wand festgeklebt, wirkte aber bereits weich und matschig. Es war kein Leichtes, sich durch die Menschenmenge nach vorne zu drängen, doch konnte ich schließlich das folgende Bild aufnehmen, das mit dem Schatten des iPhones den Social-Media-Hype einfängt, der einer schlichten Banane zu Ikonen-Status verholfen hat.

Und trotz des Mangels an traditionellem künstlerischem Können löste Comedian eine Debatte über das Verhältnis von Kunst und Geld aus. Wie Emmanuel Perrotin gegenüber Artnet sagte: "Eine solche Arbeit, die nicht verkauft wird, ist kein Kunstwerk."
Glücklicherweise kann die verderbliche Banane immer ersetzt werden, aber wie ich erfuhr, ist das Echtheitszertifikat das, was die Käufer wirklich erwerben.
"Echtheitszertifikate sind in der Konzeptkunst von entscheidender Bedeutung", erklärte die Galerie Perrotin. "Comedian verfügt über ein solches, das genaue Installationsanweisungen enthält und bestätigt, dass das Werk von Maurizio Cattelan stammt. Ohne ein Echtheitszertifikat ist ein konzeptuelles Kunstwerk nichts anderes als seine materielle Darstellung." Während also die Bananen ausgetauscht werden können (was irgendwann zweifellos notwendig sein dürfte), erwirbt der Käufer das Konzept tatsächlich in Form des Echtheitszertifikats.
Die drei Zertifikate im Wert von 120.000 bis 150.000 US-Dollar gingen an Beatrice und Billy Cox, in Miami ansässige Kunstsammler, sowie an Sarah Andelman, Eigentümerin des mittlerweile geschlossenen Colette-Concept-Stores in Paris. Der dritte Käufer, der anonym bleiben wollte, stammt aus Frankreich.

Wie das Konzept hinter der Banane entstand, erläuterte Cattelan gegenüber Artnet: "Eines Tages bin ich aufgewacht und sagte: 'Die Banane soll eine Banane sein'." Der Galerist Emmanuel Perrotin erklärte Cattelans Aussage gegenüber CNN dahingehend, dass die Banane gleichermaßen "ein Symbol des globalen Handels, eine doppelte Bedeutung und ein klassisches humoristisches Objekt" sei.
Comedian sorgte für noch größere Schlagzeilen, als der New Yorker Performancekünstler David Datuna am Samstag, den 7. Dezember, die ausgestellte Banane bei einer Performance mit dem Titel Hungry Artist entfernte und aufaß. Daraufhin konnte Comedian am 8. Dezember, dem letzten Tag der Art Basel in Miami, nicht mehr gezeigt werden. Dennoch sieht die Galerie davon ab, Anklage gegen Datuna zu erheben.
"Wir sind uns der offensichtlichen Absurdität der Tatsache bewusst, dass Comedian nur aus einem billigen und leicht verderblichen Produkt und ein paar Zentimeter Klebeband besteht", äußerten sich Billy und Beatrice Cox gegenüber Page Six. "Als wir die [von dem Werk Maurizio Cattelans ausgelöste] öffentliche Debatte über Kunst und unsere Gesellschaft sahen, beschlossen wir, es zu kaufen. Wir wussten, dass wir ein Risiko eingehen, aber letztendlich spüren wir, dass Cattelans Banane ein historisches Kultobjekt werden wird."
Bei der zukünftige Heimat der Früchte könnte es sich, wie es scheint, tatsächlich um ein Museum handeln. Die zweite Käuferin, Sarah Andelman, griff die Aussage der Coxes auf und sagte gegenüber Art Newspaper: "Ich glaube nicht, dass ich es ununterbrochen präsentieren werde, aber ich könnte das Zertifikat einrahmen. Und natürlich werde ich es mit Freude an Museen ausleihen."
Die Tatsache, dass eine einfache Banane im Stil von Duchamp an der Wand eines Messestandes hunderttausenden Kunstwerken der berühmtesten Künstler der Welt die Schau stahl, spricht für die zunehmende Macht der Konzeptkunst.
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