Forscher der Universität Bristol haben herausgefunden, dass es sich bei einigen bronzezeitlichen Tongefäßen in Tiergestalt tatsächlich um "Babyfläschchen" handelt. In einigen dieser Flaschen, die in Kindergräbern gefunden wurden, konnten Rückstände von Tiermilch nachgewiesen werden. Auch die Größe der Gefäße, die über spitze Öffnungen verfügen, durch die sich Flüssigkeiten saugen lassen, ist hervorragend für kleine Kinderhände geeignet.
Die Entdeckung liefert den ersten wissenschaftlichen Beweis, dass prähistorische Babys Tiermilch tranken, wenn sie nicht von ihren Müttern gestillt wurden. Dr. Julie Dunne, Leiterin des Forschungsprojekts, sagte gegenüber The Independent: "Sie [die Flaschen] sehen aus wie kleine mythisch oder fantastische Tiere. Sie zeugen von der Kreativität und Verspieltheit der Menschen, die sie hergestellt haben."
"Wenn man bedenkt, wie berührend und lustig sie sind, kann man sich vorstellen, wie amüsiert die Eltern waren, wenn sie sie ihren Babys gaben. Es sit ein tatsächlicher Beweis, das prähistorische Eltern ihren Kindern Liebe und Aufmerksamkeit entgegenbrachten und sich wirklich um sie kümmerten."

Die Forscher schließen nicht aus, dass bereits die Vorfahren dieser Menschen in der der Bronzezeit vorausgehenden Jungsteinzeit ähnliche Flaschen verwendet haben könnten. Laut Dr. Dunne sind jedoch zusätzliche Untersuchungen nötig, um diese Theorie zu bestätigen.
Die Umstellung von Mutter- auf Tiermilch könnte im Zusammenhang mit dem "Babyboom" der Jungsteinzeit in Verbindung stehen. Denn im Gegensatz zu den Jägerinnen und Sammlerinnen, die nur alle fünf Jahre ein Kind zur Welt brachten, stellte sich der Nachwuchs der ersten Bäuerinnen in wesentlich kürzeren Abständen ein.
Gefunden wurden die Fläschchen in bronze- und eisenzeitlichen Gräbern in Bayern, die Skelettreste von Kindern im Alter von null bis sechs Jahren enthielten. Die "Schnäbel" dieser Tongefäße waren so eng, dass es für die Forscher zunächst schwierig war, ihren Inhalt zu bestimmen. Vor der Entdeckung war angenommen worden, dass derartige Flaschen zur Ernährung von Kranken oder älteren Menschen gedient hatten.

Die Analysen der Rückstände ergaben, dass zwei der Flaschen Milch von Wiederkäuern - Ziegen, Kühen oder Schafen - enthalten hatten, während in der dritten Reste von Nichtwiederkäuer-Milch (Mensch oder Schwein) nachgewiesen werden konnten.
"In der vorgeschichtlichen Zeiten war es nicht leicht, ein Kind aufzuziehen. Uns interessieren vor allem die mütterlichen Praktiken der damaligen Zeit, die wertvolle Hinweise auf die Überlebenschance von Babys liefern", sagt Forscherin Katharina Rebay-Salisbury vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. "Es ist faszinierend, erstmals zu wissen, welche Lebensmitteln in diesen Gefäßen erhalten sind", fügt sie hinzu.
Die wissenschaftliche Studie der Universität Bristol liefert somit wichtige Informationen zur Ernährung von Kleinkindern in den vorgeschichtlichen Epochen. Mehrere Exemplare solcher Fläschchen sind Teil der Sammlung des Wien Museums.




