Der Einstieg in die Kunstwelt kann schwierig sein. Absolventen eines Kunstgeschichtsstudiums haben oft Schwierigkeiten herauszufinden, welchen Karriereweg sie einschlagen möchten: Autor, Forscher, Dozent, Kurator, Ausstellungsdesigner, Konservator, Gutachter oder vielleicht Auktionator? Die Optionen erscheinen oftmals unzählig und entmutigend.
Für diejenigen, die sich besonders für eine gleichermaßen abwechslungsreiche als auch interessant Karriere in öffentlichen Museen und Galerien interessieren, ist der Berufsweg des Kurators möglicherweise die richtige Wahl. Wir haben uns kürzlich mit einem aufstrebenden Stern in diesem Bereich zusammengesetzt: Emma Jameson ist stellvertretende Kuratorin in der Auckland Art Gallery Toi o Tāmaki, einer der führenden öffentlichen Galerien Neuseelands. Erfahren Sie, wie Emmas Alltag aussieht, welche Aspekte sie an ihrem Job am meisten genießt und was sie denjenigen Empfiehlt, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen.

Barnebys: Die Auckland Art Gallery Toi o Tāmaki (AAGToT) ist eine der größten und renommiertesten öffentlichen Kunstgalerien Neuseelands. Als Assistant Curator für Historische Internationale Kunst und Kunst aus Neuseeland muss Ihre Rolle eine Vielzahl von Aufgaben abdecken. Wie sieht Ihr durchschnittlicher Tag aus?
Emma Jameson: Ich finde es toll, wie vielfältig und abwechslungsreich meine Arbeitstage sind. Ein durchschnittlicher Tag kann das Erforschen und Entwickeln von Konzepten für zukünftige Ausstellungen, das Betrachten von Kunstwerken, das Schreiben von Kunstwerketiketten, die Beratung zum Design einer Ausstellung oder einer Marketingkampagne und das Abhalten eines Vortrags oder einer Tour als Teil eines öffentlichen Programms oder einer Bildungsinitiative umfassen, genauso wie das Durchsuchen der Archive, Treffen mit Restauratoren, um Rahmenoptionen zu besprechen, Treffen mit potenziellen Kreditgebern oder Spendern, Vorschläge für Akquisitionen zu schreiben oder ein Interview für Radio, Fernsehen oder Printmedien zu geben.
Nutze jede Gelegenheit, die du nutzen kannst… halte diese Leidenschaft am Leben.
Welchen Zeitraum umfasst hier der Begriff "historisch"? Warum hat es Sie zu ihm gezogen?
Im AAGToT reicht die historische Sammlung vom frühesten Werk, das von 1376 stammt, bis 1890/1900. Mir gefällt es sehr gut, eine enge Beziehung zu diesem Teil der Galerie aufzubauen, indem ich Ausstellungen entwickle und präsentiere und über die Kunstwerke recherchiere.
Ich fühle mich nicht nur deswegen zu diesen Kunstwerken angezogen, weil sie eine Art Fenster zu den Menschen der Vergangenheit darstellen, deren Wahrnehmung und Ausdrucksweise wir durch sie besser verstehen, sondern auch, weil sie die Aspekte des menschlichen Daseins ansprechen, die bis heute tiefgreifend geblieben sind. Ich liebe es, das Publikum mit den Themen und Menschen zu verbinden, die in den historischen Kunstwerken enthalten sind, indem ich emotionale oder taktile Berührungspunkte finde, sei es der Farbauftrag auf einer Leinwand, das Glitzern von Blattgold oder die schwebenden, gequälten Gesten in historischen oder religiösen Szenen. Besondere Freude bereitete mir die Kuratierung einer Ausstellung mit Drucken aus dem 18. Jahrhundert, die die Entstehung des modernen Konzepts des Fragments untersuchte, das meiner Ansicht nach für den heutigen eher turbulenten gesellschaftspolitischen Kontext und unsere zunehmend individualisierte, isolierte Existenz vorausschauend war.
Die Kuratoren hier haben das große Glück, in den Bereichen, mit denen wir arbeiten, relativ flexibel zu sein - zum Beispiel habe ich letztes Jahr eine Ausstellung mit Werken der Guerilla Girls kuratiert, wobei ich auch die Freiheit hatte, Kunstwerke aus verschiedenen Epochen einzubeziehen. Das war und ist auch in anderen Ausstellungen, die ich kuratiert habe, der Fall gewesen - ich muss nur die Erlaubnis des jeweils zuständigen Kurator einholen.

Sie wurden für den Job quasi direkt nach der Uni engagiert, stimmt das? Wodurch haben Sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Bewerben unterschieden?
Nicht ganz direkt von der Universität - als ich von AAGToT eingestellt wurde, schloss ich meine Masterarbeit in Teilzeit ab, während ich als Postgraduierten-Lehrassistent an der Universität von Auckland arbeitete und Rezensionen für eine Kunstwebsite schrieb. Während meiner Zeit an der Universität arbeitete ich in verschiedenen Teilzeitjobs in öffentlichen und privaten Kunstgalerien in Neuseeland.
Ich hatte auch die unglaubliche Gelegenheit, als Praktikantin in der Peggy Guggenheim Collezione in Venedig zu arbeiten, wodurch ich wertvolle Einblicke in die vielfältigen Aspekte der Pflege von Sammlungen, der Entwicklung von Kunstausstellungen und der Vermittlung von Kunst an die Öffentlichkeit erhielt. Ich habe auch zwei Forschungspraktika an der Universität (einschließlich eines Forschungspraktikums bei AAGToT) bei Dr. Erin Griffey absolviert, wodurch ich die erforderliche Berufserfahrung für diese Tätigkeit erhielt. Ich bin sehr glücklich, all diese Möglichkeiten gehabt zu haben.
Was genau haben Sie studiert und wie hilft Ihnen das in ihrer aktuellen Position?
Mein Grundstudium umfasste die Fächer Kunstgeschichte und Italienisch, in Kunstgeschichte machte ich dann schließlich meinen Master. Während des Grundstudiums habe ich darauf geachtet, eine möglichst breite Auswahl an Kursen zu besuchen, um mir ein tiefes Wissen und die nötige Wertschätzung über und für Kunst aus verschiedenen Epochen zu erhalten. Besonders gefallen hat mir das Studium der britischen Architektur und Innenarchitektur des 19. Jahrhunderts, ein Thema, das mir völlig neu war. Während meines Masterstudiums habe ich mich dann auf die Bereiche konzentriert, auf die ich mich spezialisieren wollte: niederländische und italienische Kunst und Architektur des 17. Jahrhunderts.
Mein Studium war in meiner derzeitigen Tätigkeit von unschätzbarem Wert - es hat mich mit der Forschungs- und Kommunikationsfähigkeit ausgestattet, mit der ich meine Leidenschaft für Kunst und Geschichte verwirklichen und ausdrücken kann. Durch mein Studium habe ich gelernt, eine unabhängige, disziplinierte, selbstbewusste und hartnäckige Forscherin zu sein und die Vielfalt der Perspektiven zu würdigen, die Kunstwerke bieten können. Ich habe gelernt, wie man Dokumente kritisch analysiert, die technischen und visuellen Komponenten von Kunstwerken liest und wie man sie am besten präsentiert und pflegt.
Auch das Erlernen einer zweiten und dritten Sprache (Französisch) war von unschätzbarem Wert und eine Fähigkeit, die ich sowohl in meiner Master-Forschungen als auch für meine Forschung für das AAGToT umfassend genutzt habe.

Welche war Ihre Lieblingsausstellung, an der Sie im AAGToT mitgearbeitet haben und warum?
Eine für mich wirklich lustige Herausforderung und neue Erfahrung war im letzten Jahr die Ausstellung Guerrilla Girls: Reinventing the ‘F’ Word – Feminism! . Das war die erste große Ausstellung, die ich selbst kuratiert habe. Es war toll, die Gelegenheit zu haben mit zeitgenössischen Künstlern für das Design, das öffentliche Programm und die schriftliche Interpretation der Ausstellung zusammenzuarbeiten. Besonders schön war es jedoch zu beobachten, wie stark sich unser jüngeres Publikum mit der Ausstellung beschäftigte.
Viel Freude hatte ich auch dabei, etwas zum Katalog The Corsini Collection: A Window on Renaissance Florence (2017) beitragen zu dürfen, da dies mir die Gelegenheit bot, über italienische Kunstwerke aus dem 16. und 17. Jahrhunderts zu recherchieren und zu schreiben, die bislang noch nicht viel wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten hatte.
Welche Tipps würden Sie angehenden Kuratoren und Kunsthistorikern geben? Was ist der beste Weg, um in der Kunstwelt Fuß zu fassen oder mit der eigenen Bewerbung hervorzustechen?
Nutze jede Gelegenheit, die du nutzen kannst, behalte stets die Tätigkeitsbereiche im Hinterkopf, an denen du interessiert sein könntest, lerne offen aus deinen Fehlern und halte diese Leidenschaft am Leben.
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