„Musik-Memorabilia werden weniger als Investment, sondern mehr aus Liebe gekauft“, sagt der führende Rock n’ Pop-Berater Stephen Maycock. „Die Sammler leben mit ihren Erwerbungen“ – und genau das ist es, was diesen speziellen Markt so anziehend macht. Claire Tole-Moir, Leiterin der Abteilung für Popular Culture bei Bonhams, stimmt dem zu: „Es gibt da eine starke Verbindung zwischen unseren Käufern und der Band oder dem Sänger, die sie seit ihrer Jugend bewundern.“ Sammler wollen, verständlicherweise, dass ein kleines Stück Debbie Harry Teil ihres Lebens ist.
In dem breitgefächerten Markt für Antiquitäten und Sammlerstücke stellen Musik-Memorabilia eher einen Newcomer der Auktionsszene dar. Sotheby’s veranstaltete seine erste „Rock Memorabilia“-Auktion im Dezember 1981. Und das Sammeln von Pop-Memorabilia ist eng verbunden mit der romantischen Nostalgie für eine Band, eine Sängerin/einen Sänger oder eine Gruppe aus den prägenden Jahren eines Käufers. Es gibt einen Feel-Good-Faktor: 20 Jahre später und mit dem nötigen Geld in der Tasche, kehren Sammler in Scharen zurück, um sich ein stück vom damaligen Geschehen zurückzukaufen.

Die Jahre rund um Elvis und die Geburtsstunde des Rock n’ Roll bleiben unter Sammlern ein Dauerbrenner und umfassen auch die offensichtlichen Konkurrenten, The Beatles und The Rolling Stones. „Die höchsten Preise werden tendenziell mit Bands von großem internationalem Renommee erzielt“, sagt Stephanie Connell, Beraterin und Händlerin für Popkultur. 2016 verkaufte Bonhams ein von allen Mitgliedern der Fab Four signiertes Exemplar des Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band-Albums mit wasserdichter Provenienz für 74.500 GBP (inkl. Gebühren). Objekte von oder mit einem Bezug zu den Beatles können beträchtliche Summen erzielen. 2021 wurden bei Catherine Southon Auctioneers & Valuers für ein Abbey Road-Straßenschild im Design von Sir Misha Black aus dem Jahr 1967 37.000 GBP gezahlt.
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Es ist ein breitgefächertes Sammlergebiet, das viele verschiedene Genres abdeckt: Rock n’ Roll, Punk, New Wave, Heavy Metal, House und Dance und Poster, Programmhefte, abgerissene Tickets, gerahmte Goldene Schallplatten und Kunstwerke genauso umfasst wie Kleidung und persönliche Gegenstände. Hier sind Autos genauso anzutreffen wie Alltagsgegenstände, wie beispielsweise Ian MacMillans Hasselblad-Kamera, mit der er die Beatles für das Abbey-Road-Album fotografierte. Und Autogramme sind auf allen möglichen Objekten zu finden. Vor 50 Jahren war es für einen Fan noch wesentlich einfacher, einen persönlichen Kontakt zu den von ihm verehrten Musikstars herzustellen, als heutzutage. Wenn es um den Wert geht, kann ein authentisches Autogramm den entscheidenden Unterschied machen. Aus verständlichen Gründen brauchen Käufer die Gewissheit, dass sie auf einen authentischen Artikel bieten. Der kluge Sammler setzt daher auf führende Auktionshäuser und seriöse Händler.
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Auf Vinyl oder Acetat gepresste Demoaufnahmen können auch begehrt sein, abhängig vom Künstler, der Seltenheit und Provenienz. Im Juni 2022 präsentierte Bonhams „The Live in Session Auction, Property From The John Peel Archive“: eine außergewöhnliche Sammlung, die von dem einflussreichen DJ John Peel von Radio London und BBC Radio 1 in den späten 60ern und 1970er Jahren zusammengetragen wurde, und Bücher, Plakate, seltene Pressungen auf Acetat, handgeschriebene Briefe (David Bowie), Zeitschriften, Programme und natürlich Vinyl umfasste. Ein signiertes Exemplar von John Lennons und Yoko Onos Album Unfinished Music No. 1 (1968) wurde für 15.300 GBP (inkl. Gebühren) verkauft, während ein seltenes Pink Floyd Evolutions-Poster von dem Konzert an der University of Southampton im Jahr 1968, an dem auch John Peel, Jimmy Cliff und Tyrannosaurus Rex teilnahmen, 8.925 GBP (inkl. Gebühren) erzielte.
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Originalkunstwerke sind ein weiteres Gebiet, das eifrig gesammelt wird, insbesondere wenn sie mit einem berühmten Albumcover mit Kultstatus verbunden sind. Ian Becks Original-Coverskizze für Elton Johns Goodbye Yellow Brick Road (weithin betrachtet als Elton Johns bestes Album) kam 2019 bei Bonhams zum aufruf, wo sie 10.062 GBP (inkl. Gebühren) erzielte. Die Bleistiftzeichnung mit „zusätzlichen Farbakzenten in Buntstift“ zeigt den Einfluss des Art déco-Stils der 1920er und 1930er Jahre auf die Mode, die Typografie und das Design der 1970er Jahre.
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Im Laufe der Zeit werden vergangene Epochen immer wieder beliebt. „Derzeit bemerken wir eine hohe Nachfrage nach Punk“, sagt Claire Tole-Moir. Stephanie Connell stimmt dem zu: „Käufer erwerben häufig ein Stück, weil es ‚cool‘ wirkt oder weil sie eine persönliche Verbindung zur Mode oder zum Stil einer bestimmten Ära haben.“ Und bei der Punk-Bewegung gibt es eine besondere Verdingung zwischen Mode und Musik. Im Mai 2021 verkaufte Bonhams ein Parachute Shirt von Vivienne Westwood und Malcolm McClaren (1977) für 4.845 GBP sowie ein von Johnny Rotten signiertes Sex Pistols-T-Shirt, das einst Sid Vicious gehörte, für 17.850 GBP.

Omega Auctions verkaufte eine Pressung des legendären Sex Pistols-Album God Save the Queen (UK A & M-Exemplar, 1977) in „Archivzustand“ für 15.000 GBP. Und Jamie Reids außergewöhnliches God Save the Queen-Poster (aus der Stolper-Wilson-Sammlung) – eines der bekanntesten Bilder der britischen Kultur des späten 20. Jahrhunderts – erzielte im Oktober letzen Jahres verdiente 44.100 GBP bei Sotheby’s. Wieder war Sid Vicious der ehemalige Besitzer.

David Bowie, ein weiterer Künstler, der mit der Modewelt verbunden war und über eine breite internationale Strahlkraft verfügt, ist natürlich ein weiterer großer Name in der Welt des Sammelns. 2016 sicherte sich ein glücklicher Fan bei Heritage Auctions, dem amerikanischen Spezialisten für Sammlerstücke, eine „kleine Haarlocke“ von Davids Haar für 18.750 US-Dollar, die mit einer Herkunftsbestätigung von Madame Tussauds geliefert wurde: es handelte sich um eine Haarprobe, die von Tussauds für Bowies Wachfigur genommen wurde. Günstiger zu haben war ein verträumtes Ausschnittplakat von Bowie (eine großformatige RCA-Promo für das Album Heroes von 1977, das im März vergangenen Jahres in Bonhams „British. Cool“-Auktion für 892,50 GBP (inkl. Gebühren) einen neuen Besitzer fand.
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Einen weiteren Boom kann der Hip-Hop-Markt verzeichnen, wo Mode und Musik ebenfalls miteinander Hand-in-Hand gehen. Die Kunststoff-Krone, die Notorious B.I.G. 1997 beim Barron Claiborne-Shooting getragen hatte und die er mit „Biggie Smalls“ signierte (eine weitere Signatur und Beschriftung stammt von Claiborne), wurde bei Sotheby’s New York für erstaunliche 594.750 US-Dollar versteigert, wobei der Schätzpreis 200.000 - 300.000 US-Dollar betragen hatte – ein weitere gutes Beispiel dafür, dass für hohe Auktionspreise auf Provenienz, Seltenheit und Assoziation ankommt.

So wie jedes andere Musikgenre, verfügt auch der Jazz über hingebungsvolle Enthusiasten, von denen manche nahe der Obsession agieren. 2016 wurde bei Heritage Auctions eine Aushangkarte für ein Konzert im Shrine Auditorium in Los Angeles mit Nina Simone, Miles Davis und den originalen Last Poets (die ein früher Einfluss des Hip-Hop waren) im Jahr 1973 für 1.373 US-Dollar versteigert. Duke Ellington ist einer der größten Komponisten des Jazz, weshalb seltene Partituren von seiner Hand verständlicherweise große Aufmerksamkeit erregen, wenn sie auf dem Markt angeboten werden. 2007 war dies der Fall für Ellingtons handgeschriebene Partitur für You’re the Top (mit Passagen für den Saxofonisten Johnny „Rabbit“ Hodges und die Posaunisten Lawrence Brown und „Tricky Sam“ Nanton), das bei Heritage Auctions 9.560 US-Dollar erzielte. Es war eine der letzten Partituren, die der Öffentlichkeit zum Verkauf angeboten wurden, da die Smithsonian Institution in Washington D.C. heute eine bedeutende Sammlung von Duke-Ellington-Material beherbergt, darunter Konzertplakate, Musiktheaterskripte, Korrespondenz, Auszeichnungen, Tonbänder, Zeitungsausschnitte und Sammelalben.
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Tatsächlich sind Partituren in den Genres Pop, Rock und Jazz eher selten, da die Musik oft improvisiert oder auswendig gespielt wird. Aber für Liebhaber klassischer Musik schafft eine historische Partitur eine engere Verbindung zu einem Lieblingsmusiker oder -komponisten, genauso wie ein Fan von Rock, Pop oder Jazz von einem signierten Poster, einer Goldenen Schallplatte oder einem Bühnenkostüm inspiriert wird. Eine Erstausgabe der Orchesterpartitur von Mozarts Oper Don Giovanni in zwei Bänden (mit leichten Stock- und anderen Flecken), erzielte im November 2020 4.200 GBP bei Forum Auctions, dem Londoner Auktionshaus für antiquarische Bücher. 2018 kam eine reizvolle Sammlung mit handgeschriebenen Partituren aus dem 18. Jahrhundert (inklusive früher Werke von Mozart und Haydn) bei Canterbury Auction Rooms zum Aufruf, wo sie für 3.200 GBP den Besitzer wechselte.
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Am erschwinglicheren Ende des Spektrums sollten Bibliophile mit musikalischer Neigung einen Blick auf die Penguin Scores-Serie werfen – eine wunderschön produzierte Serie von Taschenbuchpartituren, die 1949 von Jan Tschichold entworfen wurde und über eine ausgezeichnete Typografie und Illustrationen von Stephen Russ, Elizabeth Friedlander, und Barbara Lambourne verfügt. Die Titel umfassen Schlüsselwerke des klassischen Kanons, von Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 in G (1949) bis zu Mendelssohns Ein Sommernachtstraum (1950). Sammler können Penguin-Partituren für ein paar Euro online kaufen, denn auf diesem breitgefächerten und unterhaltsamen Markt ist für jeden etwas dabei. Und wie immer gilt der Rat des Auktionsexperten: Kaufen Sie, was Ihnen gefällt. „Sammler teilen gerne Geschichten“, erklärt Claire Tole-Moir. „Es geht darum, eine Verbindung herzustellen. Recherchieren Sie, kaufen Sie innerhalb Ihres Budgets und kaufen Sie etwas, das Sie lieben.“



