Wenn Sie ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft schon für spannend halten, wird Ihnen bei einem so spannenden Bieterduell, wie jenes, das Sotheby’s-Auktionator Oliver Barker am Donnerstagabend geboten hat, gewiss der Atem stocken. Nach einem zehnminütigen Kampf zwischen neun Bietern fiel der Hammer für Banksys Love is in the Bin schließlich bei unglaublichen 16 Millionen GBP (18,6 Millionen GBP inklusive Aufgeld).
Das Gemälde, das damals noch Girl with Balloon hieß, hatte vor ziemlich genau drei Jahren einen Rekordpreis für seinen Schöpfer erzielt, als es für 1,042 Millionen GBP (Schätzpreis 200.000-300.000 GBP) versteigert wurde. Das war jedoch nicht die Sensation des Abends. Diese geschah gleich nachdem der Hammer gefallen war und die Leinwand durch einen Mechanismus im unteren Teil des Rahmens vor den Augen des mindestens überraschten Publikums bis zur Hälfte geschreddert wurde. Innerhalb des Rahmens blieb nur der rote Herzballon vor weißem Hintergrund zurück.

Die erfolgreiche Bieterin war ein europäische Sammlerin, die nun entscheiden musste, ob sie das zerstörte Bild noch haben wollte.
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Nach der Auktion begann die juristische Arbeit. War das Gemälde, das die Kunstsammlerin ersteigert hatte, tatsächlich noch dasselbe Gemälde, das Sotheby’s wenige Minuten zuvor aufgerufen hatte?
Mehr dazu erfahren Sie in Barnebys’ Podcast Eye of the Beholder, in dem ich mit Alex Branczik, Sotheby’s Head of Contemporary Art in Asien, spreche.
Banksy selbst postete derweil auf seinem Instagram-Account einen Film, in dem er zeigte, wie er einen der frechsten Kunstcoups der Geschichte inszenierte und das Gemälde in Love ist in the Bin umbenannte.
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Nachdem die gut bezahlten Anwälte ihre Arbeit erledigt hatten, akzeptierte die Höchstbietende ihren Kauf. Nachdem er noch einmal bei Sotheby’s ausgestellt worden war, hängte sie es erstmal in ihrem Schlafzimmer auf. Dort konnte sich Love is in the Bin dann erstmal von dem Besucheransturm seiner Ausstellung erholen. Aus der ganzen Welt waren Kunstliebhaber angereist, nur um sich bei anhaltendem Regenwetter in die lange Warteschlange vor Sotheby’s einzureihen und einen Blick auf den größten Kunstcoup des Jahrhunderts zu werfen.

Vom März 2019 bis Februar 2020 war das berühmte Bild als Dauerleihgabe in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen, wo es ebenfalls einen wahren Besucheransturm auslöste. Vor seiner erneuten Versteigerung war es dann wieder bei Sotheby’s in London zu sehen – und zwar in einem ihm alleine gewidmeten Raum.
Bei dieser Vorgeschichte wundert es nicht, dass Alex Branczik und Sotheby’s vor der Versteigerung von Love is in the Bin guter Dinge waren und den Schätzpreis dieses Mal auf 4 bis 6 Millionen GBP festlegten. Mit einem Ergebnis von insgesamt 18,6 Millionen GBP hatten sie allerdings nicht gerechnet. Für die Sammlerin, die Banksys zerstörtes Werk vor drei Jahren hatte behalten wollen, bedeutete das einen Gewinn von rund 15 Millionen GBP.
Bleibt eigentlich nur eine Frage: Kann sich Banksy angesichts dieser Ereignisse noch selbst übertreffen?
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