Big John, Big Sara, Stan, Kan, Sue, usw.: Hinter diesen affektiven Namen verbergen sich die Fossilien von T-Rex, Allosaurus, Diplodocus, Triceratops und anderen Dinosauriern, die auf dem Auktionsmarkt regelmäßig für Furore sorgen. Doch was treibt ihre Käufer ins Bietergefecht? Ist es Größenwahn oder Nostalgie? Eine Herzensangelegenheit oder ein PR-Coup? Und wer sind diese Menschen überhaupt, die so leidenschaftlich alten Knochen hinterher jagen?
Die Verkäufe von Dino-Skeletten wurden noch nie so gehypt
Seit Sotheby’s im Jahr 1997 zum ersten Mal Dinosaurierskelette in New York versteigerte landen T-Rex, Triceratops und Co. immer wieder in den Auktionssälen – mit immer höher steigenden Preisen. Noch nie war der Hype um Fossilien so hoch!
Dazu der Naturkundeexperte Eric Mickeler: „Es gibt einen Markt für echte Dinosaurierskelette, die aus den Knochen ein und desselben Exemplars zusammengesetzt wurden, aber sicherlich nicht für Pseudo-Skelette, die aus den Knochen verschiedener Skelette rekonstruiert wurden und als Dekorationsartikel verkauft werden.“ In Bezug auf Preise und Vorlieben erklärt er, dass Fleischfresser in der Regel teuerer gehandelt werden als ihre pflanzenfressenden Zeitgenossen. Auch Spuren von Kämpfen und nicht verheilte Knochen treiben die Preise gerne in die Höhe. „Die Leute wollen Zähne!“ fügt Mickeler hinzu.
Die Leute wollen Zähne!
Dennoch bleibt der Markt für Dinosaurier überschaubar und richtet sich angesichts der Preise und Größe der Tiere an eine begrenzte Klientel. Weltweit werden jedes Jahr nicht mehr als fünf Skelette versteigert. Wer also gehört zu diesem exklusiven Kreis der Dinosaurierjäger und warum investieren sie viel Geld in alte Knochen?
Werfen wir zunächst einen Blick zurück auf jene Auktionen, die in den letzten Jahren die naturkundlichen Abteilungen französischer und internationaler Auktionshäuser geprägt haben.

Eine kurze Geschichte der Verkäufe von Dinosaurierskeletten in den letzten 20 Jahren
Sotheby’s New York war eines der ersten Auktionshäuser, das sich diesem Bereich widmete und stellte 1997 den bis 2020 ungebrochenen Rekord auf, als es Sue, ein vollständiges Tyrannosaurus-Skelett inklusive aller Zähne und Wirbel, für 8,4 Millionen US-Dollar verkaufte. Die vier Meter hohe und dreizehn Meter lange Kreatur wird mittlerweile im Field Museum in Chicago ausgestellt.

Im April 2008 verkaufte Christie’s Paris das Skelett eines Triceratops für 592.000 Euro an einen amerikanischen Mäzen, der es Cliff nannte und es dem Science Museum in Boston schenkte. Es war das erste in Frankreich verkaufte Dinosaurierskelett. Im Oktober 2010 versteigerte Sotheby’s ein komplettes Allosaurus-Skelett. Ein europäischer Sammler erstand es für 1.290.750 Euro. Momentan ist das Skelett auf dem Universitätscampus von Novartis International in Basel zu sehen. 2016 kam ein weiterer Allosaurus, der 150 Millionen Jahre alte Kan, bei Aguttes in Lyon unter den Hammer und wurde von einem Franzosen für 1,128 Millionen Euro ersteigert.
Das Jahr 2018 erwies sich für den Dino-Auktionsmarkt als besonders lebhaft. Das Highlight war die Versteigerung des Skeletts einer neuen Allosaurus-Art, das medienwirksam im Eiffelturm ausgestellt wurde. Der Käufer, der 2 Millionen Euro hinblätterte, überließ das Skelett als Leihgabe dem Königlich-Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel, wo es seitdem öffentlich zu ausgestellt wird.
Lesen Sie auch: Eiffelturm-Treppe versechsfacht ihren Schätzpreis

Bereits im April wurde ein philippinischer Geschäftsmann von den „60 scharfen Zähnen“ eines Allosaurus-Skeletts sowie den „12 Metern von der Nase bis zum Schwanz“ eines Diplodocus verführt. 1,4 Millionen Euro gab er bei Giquello et Binoche jeweils dafür aus. Später, im Oktober wurde im selben Auktionshaus mit Big Sara ein weiterer Allosaurus aus dem Jura angeboten, der die drei Jahre nach seiner Entdeckung im Jahr 2015 in einem italienischen Labor verbracht hatte, um wieder zusammengesetzt zu werden. Big Sara wurde nach einem heißen Bietergefecht für 3 Millionen Euro versteigert.
2020 wurde auf der anderen Seite des Atlantiks, in New York, der Rekord von 1997 mit dem Verkauf eines der vollständigsten Dinosaurierskelette der Welt, ein 67 Millionen Jahre alter T-Rex, gebrochen. Für 31,8 Millionen US-Dollar (knapp 27 Millionen Euro) wechselte er den Besitzer. Das Jahr darauf sah dann auch einen neuen europäischen Rekord, als bei Giquello et Binoche das Skelett von Big John, der größte bisher bekannte Triceratops, für 6 Millionen Euro verkauft wurde.
Lesen Sie auch: Gut gebrüllt, Dino!

Eine solche Platzierung ist oft mit der Idee verbunden, einen touristischen Treffpunkt zu schaffen oder eine neue Attraktion zu installieren, insbesondere in Freizeitparks.
Wer also sind die Käufer?
Kritiker sind stets zur Stelle, wenn es um die Versteigerung von Dinosaurierskeletten geht: „PR-Gag, Mangel an wissenschaftlicher Strenge, Privatisierung des Erbes der Menschheit…“. Hier gehen die Meinungen auseinander. Aus der Sicht von Eric Mickeler, der es vor fünfzehn Jahren als erster gewagt hat, vor allem bei Christie’s, Sotheby’s und Aguttes Dinosaurierskelette zu versteigern, sind die Käufer vor allem Geschäftsleute, die eine Investition in einen Kindheitstraum tätigen.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
Wie der Experte bestätigt, sammeln die meisten Enthusiasten einzelne Fossilien, Zähne zum Beispiel, da ein ganzes Skelett eine enorme Herausforderung darstellt, was den Preis und die geringe Verfügbarkeit betrifft, aber auch, wenn es um die Möglichkeit geht, über einen geeigneten Aufstellungsort zu verfügen und das Ganze überhaupt erst dorthin zu transportieren. „Eine solche Platzierung ist oft mit der Idee verbunden, einen touristischen Treffpunkt zu schaffen oder eine neue Attraktion zu installieren, insbesondere in Freizeitparks“, führt Mickeler weiter aus. Ihm zufolge ist der Kauf eines Dinosaurierskeletts eine strategische Investition, die in bestimmten Fällen darauf abzielt, ein kulturelles Angebot mit einem kommerziellen Produkt zu verbinden und vor allem die Kommunikation voranzutreiben. Kürzlich eröffnete ein wohlhabender tschechischer Geschäftsmann, der mehrere Einkaufszentren besitzt, in einem von diesen einen Museumsraum.
Man darf dabei jedoch nicht verallgemeinern, denn der Kauf eines Dinosaurierskeletts kann auch die Verwirklichung eines Kindheitstraums darstellen. Laut Alexandre Giquello, Auktionator bei Giquello et Binoche, sind Dinosaurier im kollektiven Unterbewusstsein sehr präsent, und die Paläontologie ist eine für alle zugängliche Disziplin. Für ihn ist der „Jurassic-Park-Effekt“ nicht zu leugnen, der ein relativ junges Käuferpublikum mit hohem wirtschaftlichem Potenzial beschreibt, das mit diesen Ikonen der Popkultur aufgewachsen ist. Oftmals sind diese Käufer auch Mäzene, da sie durch Leihgaben an Museen, Universitäten und andere öffentliche Einrichtungen möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben, diese Kulturgüter zu entdecken.
Aus anderer Sicht darf man auch nicht vergessen, dass die Urzeitgiganten relativ günstig zu haben sind, denn welche enormen Summen sind die Geschäftsmänner dieser Welt nicht bereit, für einen Warhol oder Bacon auszugeben, die nur wenige Jahrzehnte und nicht Millionen von Jahren alt sind?




