Wie bereits die Versteigerung im vergangenen Jahr wird auch die Auktion "Collection Varenne II" Werke bedeutender moderner und zeitgenössischer Künstler umfassen: Von Dubuffet bis Christo und Alain Jacquet bis Jean-Pierre Raynaud.
Auch wenn er enorm zur Entwicklung der Genfer Kunstszene beigetragen hat, sind Varennes Anfänge in der Hauptstadt Frankreichs zu suchen, wo er 1959 eine Galerie eröffnete. Sein Interesse an einem solchen Projekt war in den 1950er Jahren auf einer Pariser Ausstellung durch die Werke Jean Dubuffets geweckt worden und er beschloss, sich ausschließlich moderner und zeitgenössischer Kunst zu widmen.

Außer für seinen Geschmack und sein gutes Auge wurde Varenne besonders für seine Loyalität gegenüber seinen Künstlers bewundert (darunter Christo und Jeanne-Claude und Jean Dubuffet). Aber auch für seine Offenheit, mit der er, besonders auf Messen, unterschiedliche Bewegungen und Generation miteinander zu vermischen verstand.
Am 28. Oktober präsentiert das Pariser Auktionshaus PIASA nun den zweiten Teil der Versteigerung der Sammlung Daniel Varenne mit 90 außergewöhnlichen Losen.

Entstanden im Jahr 1963 stellt Camouflage Lichtenstein/Picasso, Femme dans un fauteuil von Alain Jacquet ein Werk aus dessen Serie Camouflage dar, in der der Künstler die Klassiker der Kunstgeschichte aufgreift und sie zu den der Konsumgesellschaft und der Werbung angelehnten ikonischen Formen kombiniert. Mit diesem Gegensatz zwischen Tradition und Massenkultur nähert sich Jacquet den amerikanischen Pop Art-Künstlern und französischen Nouveaux Réalists an.
Mit dem vorliegenden Gemälde hat Jacquet diesen Prozess noch weiter vorangetrieben. Tatsächlich greift Camouflage Lichtenstein/Picasso, Femme dans un fauteuil ein Werk auf, das Lichtenstein ein Jahr vorher geschaffen und bei dem es sich wiederum um das Aufgreifen eines Werks von Picasso gehandelt hatte. Als Teil seiner ersten Serie mit Camouflagen, sind die vom Militär inspirierten Tarnungen, die das Subjekt verbergen sollen, in leuchtenden Farben gehalten. Alain Jacquet wird bei der Auktion mit insgesamt 23 Arbeiten vertreten sein, darunter Ölgemälde, Siebdrucke und Acrylbilder.

Jean Dubuffet, der im Leben in für die Karriere Daniel Varennes eine bedeutende Rolle spielte, stößt mit drei Tuschzeichnungen zur Auktion dazu, von denen zwei aus seinen letzten Schaffensjahren stammen. Paysages avec deux personnages und Paysage avec un personnage (beide 1980) entstanden zu einer Zeit, in der Dubuffet nach einer erzwungenen Pause mit einer neuen Herangehensweise zur Malerei zurückkehrte. Angelehnt an seine Psycho-Sites, verzichtet Dubuffet bei den beiden Zeichnungen auf geografische Markierungen und lässt Elemente einer Collage einfließen.

Weit entfernt von den sterilen weißen Wänden eines Ausstellungsraumes hat das Ehepaar Christo und Jeanne-Claude die Grenzen von Malerei, Skulptur und Architektur verschoben, ja sogar überschritten, um die Außenwelt als Ausstellungsfläche mit unendlich vielen Möglichkeiten in Besitz zu nehmen. Die Wege von Varenne und Christo hatten sich 1958 erstmals gekreuzt, unmittelbar nachdem der Künstler seine Heimat Bulgarien verlassen hatte. Diese Begegnung markierte den Beginn einer langen beruflichen Beziehung und einer echten Freundschaft. Auch war Varenne an der Erstellung des Werkverzeichnisses Christos beteiligt.
Die Store Front-Serie, aus der bei PIASA eine Kohlezeichnung von 1964/65 zum Aufruf kommen wird, beschäftigte Christo vier Jahre lang. Das Projekt bestand aus der Installation lebensgroßer Schaufenster, die direkt von der Architektur New Yorks inspiriert waren und eine intensive Vorarbeit mit Zeichnungen, Fotomontagen und Modellen erforderten. Die Serie endete 1968 auf der 4. documenta in Kassel mit der Ausstellung der größten Installation, einem Devanture corridor.

11 Werke des Katalogs stammen von Jean-Pierre Raynaud und reflektieren die Bandbreite der vom Künstler verwendeten Medien. Raynaud war seit 1965 mit Varenne befreundet, als sich der Galerist bereits gut etabliert hatte. Raynaud über Varenne: "Er war ein echter Kenner, sehr sensibel. Einer dieser Händler, deren Besessenheit nicht nur der Handel ist. Er hatte ein Gefühl für Herausforderungen und Schönheit."
Das Angebot im Katalog reicht von seinen Psycho-Objekten über einen mit Zement gefüllten roten Blumentopf (sein Lieblingsmotiv) bis zu seinen Keramikkompositionen, die ihn bereits sein ganzes Leben lang fesseln und so zu seinem Markenzeichen geworden sind.

Ebenfalls zu beachten sind zwei Kompositionen des Schweizer Objektkünstlers Daniel Spoerri, dem Schöpfer der Fallenbilder und Mitgleid der Nouveaux Réalists: Palette, (heberstof) und Caisse palette, Jim Whithing, motorisée von 1989. Über das zweitgenannte Werk sagte der Künstler: "Jim gefiel es, mit einen kleinen Karton mit seinem Werkstattschrott zu geben. Er sagte, ich solle damit machen, was ich wollte. Ich warf alles auf meine Werkbank und schloss die noch funktionierenden Motoren an. So gesehen ist dieses Tableau das mir fremdeste und das von mir am meisten interpretiert wurde. Jim wird mir vergeben, nachdem er es war, der sagte, ich könne damit tun, was ich wolle."
Des Weiteren sind Vertreter der modernen und zeitgenössischen Kunst wie Nan Goldin, Jack Beal, Ben und Christian Boltanski in der Auktion am 28. Oktober vertreten – eine Auktion, die einen Tribut an den Schweizer Galeristen und dessen Neugier im Dienst der Kunst darstellt.
Die übrigen 133 Werke der Sammlung, darunter Fotografien, Papierarbeiten und Siebdrucke, werden vom 22.-29. Oktober in einer Online Only-Auktion versteigert.



