Am Abend des 24. April 1854 vermählte sich der österreichische Kaiser Franz Joseph I. mit seiner 16-jährigen Cousine, Elisabeth, Herzogin in Bayern, mit der er sich im Jahr zuvor überraschend verlobt hatte. Ihr Liebreiz und ihre Sanftmut hatten es ihm einfach angetan und so setzte er sich zum ersten und im Grunde auch einzigen Mal gegen den Willen seiner Mutter, Erzherzogin Sophie, durch und stand schließlich mit der Braut seiner Wahl vor dem Altar der Wiener Augustinerkirche.
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Nach den anstrengenden Hochzeitsfeierlichkeiten in der Hofburg und den enttäuschenden Flitterwochen auf Schloss Laxenburg bei Wien, in denen Sisi ihre mit Tipps nicht sparende Schwiegermutter häufiger zur Gesicht bekam als ihren frischangetrauten Ehemann, brach das Kaiserpaar Anfang Juni zu seiner Hochzeitsreise auf – wenn man es so nennen möchte.
Vielmehr handelte es sich bei der Reise nach Böhmen und Mähren um einen Staatsbesuch, mit dem der dortige Adel und die Bevölkerung zum Dank für die Treue gegenüber dem Kaiserhaus während des Revolutionsjahres 1848 geehrt werden sollten.
Das Kaiserpaar hatte ein straffes Programm mit Besuchen von Waisen- und Krankenhäusern, diversen Galas, Bällen, Vorführungen und Militärparaden zu absolvieren und die junge Kaiserin, die aus einem liberalen Elternhaus stammte und in relativ einfachen Verhältnissen aufgewachsen war, erahnte zum ersten Mal, was von ihr in Zukunft als Landesmutter erwartet wurde.
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Und natürlich gab es auch Geschenke, die dem erlauchten Paar huldvoll überreicht wurden, darunter eine Flasche Wein aus dem Jahr 1746. Elisabeth, die mit ihrer Volksnähe zumindest die einfachen Leute für sich gewinnen konnte, bekam zudem einige schöne Granatsteine geschenkt, für die Böhmen bis heute berühmt ist.
Böhmische Granate wurden bereits in der Antike in Schmuckstücke gefasst und erlebten im Laufe der Jahrhunderte ihre Ups and Downs in Sachen Popularität. Als Sisi und Franz Joseph durch Böhmen reisten, waren sie gerade kaum gefragt. Doch als Elisabeth wieder nach Wien zurückgekehrt war und sich aus den ihr geschenkten Steinen eine prachtvolle Parure anfertigen ließ, mit der sie auf den Hofbällen alle Blicke auf sich zog, wollte plötzlich jede Dame, die etwas auf sich hielt, ebenfalls Schmuck mit den „Böhmischen Feuerdrachen“ haben – ein Trend, der mehrere Jahrzehnte andauern sollte.
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Diese Episode aus den ersten Monaten Elisabeths als Kaiserin zeigte, dass sie das Zeug zur Modeikone hatte. Nachdem ihre Schönheit in den 1860er Jahren voll erblüht war und sie aus diesem Umstand ein enormes Selbstbewusstsein entwickelte, wollten natürlich viele Frauen der österreichischen Kaiserin nacheifern, auch wenn diese gemäß des damaligen Schönheitsideals eigentlich viel zu schlank war. Für ihre überaus schmale Taille wurde sie aber bewundert, ebenso für ihr prachtvolles Haar, das sich Elisabeth täglich wie eine Krone aufstecken lies. Da jedoch kaum eine andere Frau von der Natur so begünstigt war wie Elisabeth und obendrein die Zeit und Muße hatte, den eigenen Körper so sehr zu hegen und zu pflegen wie sie, waren die meisten Imitationsversuche nicht gerade von Erfolg gekrönt.
In jener Dekade, in der sie ihre repräsentativen Pflichten als Kaiserin tatsächlich noch wahr nahm, legte Elisabeth auch viel Wert auf eine erlesene Garderobe. Später, nachdem sie sich systematisch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte und sich nur noch als Privatperson betrachtete, bevorzugte sie zweckmäßige und bequeme Kleider, die ihr viel Bewegungsfreiheit beim Spazierengehen oder sogar Bergsteigen ließen, sodass so mancher sie als schlecht gekleidet empfand – von einer Modeikone oder Trendsetterin konnte also wirklich keine Rede mehr sein.
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Royale Modeikonen gibt es nach wie vor, man denke etwa an die Königinnen Máxima der Niederlande oder Mary von Dänemark, die immer wieder für ihre Stilsicherheit gerühmt werden. Am deutlichsten lässt sich der Hype, den Kaiserin Elisabeth 1854 mit ihrem Granatschmuck auslöste, jedoch mit jenen Gelegenheiten vergleichen, bei denen Catherine, Princess of Wales mit Kleidern „von der Stange“ gesichtet wird, die daraufhin regelmäßig in kürzester Zeit ausverkauft sind.







