Hat man bei einem Besuch des Louvre genug von Gemälden und antiken Schätzen, kann man auch noch einen Abstecher in die Galerie d’Apollon machen, um sich dort die französischen Kronjuwelen anzuschauen, die von den Herrschern des Ancien Régime, der beiden Kaiserreiche und der Restaurationsregentschaften stammen. Neben der Krönungskrone Ludwigs XV. und Napoleons Krönungsschwert kann auch eine mit Saphiren und Diamanten besetzte Schmuckgarnitur die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die einst von Königin Maria Amalia, Gemahlin des Bürgerkönigs Louis-Philippe I., getragen wurde.
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Ein so zusammenpassend gestaltetes Schmuckset wird „Parure/Parüre“ genannt, abgeleitet vom französischen Wort parer, was „schmücken“ oder „verzieren“ bedeutet. Paruren kamen um 1700 in Frankreich auf, genauer gesagt am Hof von Versailles, wo von den Höflingen, denen die Gnade zuteil geworden war, sich im Dunstkreis des Sonnenkönigs bewegen zu dürfen, eine entsprechend prunkvolle Aufmachung erwartet wurde.
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Eine Parure besteht in der Regel aus einem Collier, Ohrringen, einer Brosche sowie einem oder zwei Armbändern, manchmal auch einem Fingerring. Je nach Zeitgeschmack können weitere Schmuckstücke hinzukommen, wie beispielsweise weitere Broschen, mit denen frau ihr Kleid verzieren konnte, so wie es auch Königin Maria Amalia tat (siehe Porträt oben). Auch Schmuck für das Haar kann Teil einer Parure sein. Im 18. Jahrhundert war das meist eine Aigrette, ein mit Federn besetztes Schmuckstück, dessen Ursprung an den Turbanen osmanischer Sultane und indischer Moguln zu finden ist. Eine vollständige Parure wird auch Grande-Parure genannt, während ein kleineres Set, das beispielsweise nur aus einem Collier und Ohrringen besteht, als Demi-Parure bezeichnet wird.

Während des Ersten Kaiserreichs in Frankreich gewann die Parure enorm an Bedeutung und wurde zudem um das Diadem erweitert, das durch das Aufleben des römisch-antiken Stils in Mode gekommen war. Die prachtvollsten Paruren besaß natürlich Kaiserin Joséphine, die von ihrem Gemahl Napoleon damit überhäuft wurde. Neben verschiedenen Edelsteinen hatte der Kaiser eine besondere Vorliebe für Kameen, bei denen es sich um zeitgenössische, teilweise aber auch um antike Stücke handelte.
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Viele Porträts von Joséphine veranschaulichen die Pracht dieser fantastischen Schmucksets, von denen so manches durch Erbfolge in die Schatzkammern der Königshäuser Europas gelangt ist. Besonders berühmt sind jene Paruren, die nach Schweden kamen, allen voran die mit großen Saphiren besetzte Leuchtenberg-Parure, die zu Königin Silvias liebsten Schmuckensembles zählt. Die Parure war 1810 ein Geschenk Joséphines an ihre Schwiegertochter Prinzessin Auguste von Bayern, die auf Bestreben Napoleons mit Joséphines Sohn aus erster Ehe, Eugène de Beauharnais, verheiratet worden war. Anlass war die Geburt des ersten Sohnes des wider Erwarten glücklichen Paares, das nach Napoleons Sturz die Titel eines Herzogs und einer Herzogin von Leuchtenberg erhielt. Den Saphir-Schmuck vererbte Auguste ihrer ältesten Tochter Joséphine (Josefina), die an der Seite Oskars I. Königin von Schweden wurde. Auf dem selben Weg gelangte auch die außergewöhnliche Kameen-Parure, die Napoleon 1809 seiner Joséphine geschenkt hatte, in das nordische Königreich. Dort wird die Tiara des Schmucksets traditionell von den höchststehenden königlichen Bräuten am Tag ihrer Hochzeit getragen, zuletzt von Kronprinzessin Victoria.
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Auch die prachtvolle Smaragd-Parure, für die Königin Sonja von Norwegen seit 1968 die exklusiven Nutzrechte genießt, stammt aus der „Leuchtenberg-Connection“. Dieses Set war nach Augustes Tod in den Besitz von deren dritter Tochter Amélie, verwitwete Kaiserin von Brasilien, gelangt, die es wiederum ihrer älteren Schwester Josefina von Schweden vererbte, nachdem ihr einziges Kind, Maria Amalia, bereits 20 Jahre vor ihr verstorben war. Nun in Schweden, überließ die dorthin verheiratete dänische Prinzessin Ingeborg das Set im Zweiten Weltkrieg ihrer Tochter Märtha, Kronprinzessin von Norwegen, als diese mit ihren Kindern ins amerikanische Exil ging. Falls nötig, sollte sie die Juwelen verkaufen. Dies musste nicht geschehen und bei ihrer Rückkehr nach Norwegen 1945 hatte Märtha die Juwelen bei sich.

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Auch im dänischen Königshaus gibt es mit der wunderschönen Rubin-Parure ein Schmuckensemble, das aus dem kaiserlichen Frankreich stammt. Seinen Ursprung hat es zwar nicht bei Kaiserin Joséphine, jedoch ist das schwedischen Herrscherhaus Bernadotte ein weiteres Mal involviert. Der erste König von Schweden dieser Dynastie, Jean-Baptiste Bernadotte, war Marschall von Frankreich gewesen, bevor er zum schwedischen Thronerben auserkoren wurde. Bei der Krönung Napoleons und Joséphines am 2. Dezember 1804 in Notre-Dame de Paris waren natürlich auch die Marschälle nebst ihren Gattinnen an prominenter Stelle zugegen. Damit alles auch schön prachtvoll aussah, erhielten die Marschälle von Napoleon den Auftrag und das dazu nötige Geld, die Frauen an ihrer Seite entsprechend auszustatten. Bernadotte kaufte seiner Désirée, der einstigen Verlobten Napoleons und Schwester der Gemahlin von dessen älterem Bruder Joseph, eine Parure aus Rubinen und Diamanten, deren Diadem damals noch ein schlichterer Reif im Stil einer Weinranke war. Als die Bernadottes nach Schweden gingen, nahm Désirée, jetzt Desideria genannt, ihren Schmuck natürlich mit. In Erbfolge, unter anderem über Königin Josefina, kam die Parure in den Besitz von Prinzessin Louise, die 1906 an der Seite Frederiks VIII. Königin von Dänemark wurde. Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ließ Königin Ingrid von Dänemark das Diadem verändern, indem zwei Broschen der Parure darin eingearbeitet wurden. Von Ingrid an ihren Enkel Frederik vererbt, wird die Dänische Rubin Parure heute von dessen Gemahlin, Königin Mary, getragen.
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Paruren spielen bei den glanzvollen Auftritten der weiblichen Mitglieder der Königshäuser bis heute eine große Rolle. Doch auch wenn sie so aussehen, können nicht alle von ihnen auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken. Ein Beispiel dafür ist die Brazilian Aquamarine Parure von Queen Elizabeth II. Die Parure, die zunächst nur aus einem Collier und einem Paar Ohrringen bestand, erhielt Elizabeth II. 1953 anlässlich ihrer Krönung vom damaligen Präsidenten Brasiliens, Getúlio Vargas, im Namen des brasilianischen Volkes geschenkt. Vier Jahre später beauftragte die Queen Hofjuwelier Garrard mit der Anfertigung einer passenden Tiara. 1958 wurde das Ensemble durch ein Armband und eine Brosche, weitere Geschenke aus Brasilien, erweitert. Auch ein Staatsbesuch in Brasilien blieb nicht ohne Folgen. Der Aquamarin-Haarschmuck, den die Queen bei dieser Gelegenheit überreicht bekam, wurde kurz darauf in die Tiara eingearbeitet, die dadurch ihre jetzige Form erhielt.
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Wie man sieht, sind Paruren nicht nur prachtvolle Erbstücke, sondern laden auch dazu ein, kreativ zu werden. Sie können ergänzt oder neu zusammengesetzt werden und je nach Bedeutung des Anlasses vollständig oder nur in Teilen getragen werden. So manche Grande-Parure wurde im Laufe der Geschichte aber auch Opfer durch erbschaftliche Aufteilungen, sodass der Anblick eines kompletten historischen Sets umso eindrucksvoller ist. Doch auch moderne Stücke haben ihren Reiz und die Kollektionen von namhaften Juwelieren wie Cartier, Harry Winston oder Van Cleef & Arpels laden dazu ein, sich ein eigenes glamouröses Ensemble zusammenzustellen. Oder man schaut sich einmal auf dem Auktionsmarkt um, der immer wieder Paruren in unterschiedlichen Preiskategorien im Angebot hat.










