Ich hab geliebt, ich hab gelebt / Ich hab’ die Welt durchzogen / Doch nie erreicht, was ich erstrebt / Ich hab’ und ward betrogen!
Schön, unangepasst, rebellisch und voller Qualen, war Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898) eine deutlich rastlosere Persönlichkeit, als die, die Schauspielerin Romy Schneider in den 1950er Jahren in der Sissi-Trilogie darstellte.
Die wahre Natur der Kaiserin ist auf den Seiten ihres poetischen Tagebuchs zu finden, das erst viele Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht wurde. Sisi beschäftigte sich schon früh mit der Poesie und hatte eine besondere Vorliebe für Heinrich Heine, von dem sie später meinte, sein Geist würde ihre eigenen Gedichte diktieren. Elisabeths Gedichte waren zuweilen provokativ und richteten sich gegen die strengen Konventionen des Wiener Hofes, an die sich die Kaiserin nie hatte gewöhnen können. Auf ihren Wunsch blieben ihre Gedichte mehrere Jahrzehnte nach ihrem Tod verborgen. Frühestens 60 Jahre nach dem Verfassen ihrer Anordnung (im Jahr 1890) sollten sie veröffentlicht werden, damit sie nur von den „Zukunfts-Seelen“ gelesen (und verstanden) werden konnten. Der Erlös, den sie durch die Veröffentlichung erwartete, sollte möglichst politisch Verurteilten zugute kommen.
Denn in 60 Jahren so wenig wie heute werden Glück u. Friede, das heisst Freiheit auf unserem kleinen Sterne heimisch sein. Vielleicht auf einem anderen?
Wahrlich vorausahnende Worte, denn bis zur Veröffentlichung ihres poetischen Tagebuchs fanden schließlich zwei Weltkriege statt.

Elisabeth wurde am Heiligen Abend 1837 als zweite Tochter von Herzog Maximilian in Bayern und dessen Frau Ludovika in München geboren. Ihre Jugend verbrachte sie in der bayerischen Hauptstadt und der familiären Sommerresidenz Schloss Possenhofen am Starnberger See. Hier erlebte Sisi, wie sie im Familienkreis genannt wurde, viele unbeschwerte Momente und entwickelte, ganz der Vater, einen freien Geist, der ihr gesamtes Leben prägen sollte. Sie liebte die Natur und verbrachte ihre umfangreiche Freizeit mit Spielen, Wanderungen, Schwimmen und vor allem Reiten, wobei sie sich besonders hervortat.
Sisi hatte eine eher rudimentäre Ausbildung genossen und war gewiss nicht dafür vorgesehen, eines Tages Kaiserin von Österreich zu werden. Doch war sie es, in die sich der sieben Jahre ältere Kaiser Franz Joseph, ihr Cousin ersten Grades, bei einem Treffen in Bad Ischl 1853 verliebte. Eigentlich war Sisis ältere Schwester Helene („Néné“) dafür vorgesehen gewesen, doch der Kaiser setzte sich durch – gegen den Rat seiner ansonsten so allmächtigen Mutter, Erzherzogin Sophie.
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Schon bald nach der Hochzeit im darauffolgenden Jahr begann Elisabeth eine starke Abneigung gegen das strenge Zeremoniell am Wiener Hof zu entwickeln. Um ihrer Rolle gerecht zu werden brachte sie, kaum zwanzig Jahre alt, in weniger als vier Jahren drei Kinder zur Welt, darunter auch Thronfolger Rudolf. In der Folge entwickelte sie Depressionen, die sich in körperlichen Symptomen niederschlugen und eine sofortige Abreise in ein wärmeres Klima erforderten. Kaum auf Reisen, ging es Elisabeth schon besser.
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Elisabeths erstes fernes Ziel hieß Madeira. Eine besondere Vorliebe entwickelte sich mit der Zeit jedoch für die griechische Insel Korfu, wo sie sich in späteren Jahren eine Villa, das Achilleion, errichten ließ. In den 1870er Jahren verbrachte Elisabeth viele Wochen in England und Irland, um dort an den schwierigsten Reitjagden teilzunehmen. Sie trainierte dafür hart und galt schon bald als beste Reiterin Europas. Allgemein war Elisabeths Drang nach körperlicher Ertüchtigung, die sie vor allem für den Erhalt ihrer schlanken Linie durchführte, enorm. In ihren Residenzen ließ sie Turnräume mit Seilen, Gewichten, Stangen und Ringen einrichten, wo sie täglich trainierte. Später, als sie das Reiten aufgeben musste, wurde es durch lange Spaziergänge in hohem Tempo ersetzt.

Nachdem sie in ihren Anfangsjahren am Wiener Hof noch eher unscheinbar gewesen war, entwickelte sich Elisabeth zu einer Schönheit, die ihresgleichen suchte. Die Pflege ihrer Schönheit wurde für sie zur Lebensaufgabe, der sie viel Zeit widmete. Um ihre ohnehin schon schlanke Taille, um die sie viele ihrer Zeitgenossinnen beneideten, zu betonen, ließ sie sich jeden Tag in ein enges Korsett schüren und kleidete sich mit einer schlichten Eleganz, die ihr anmutiges Erscheinungsbild betonte.
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Besonders stolz war Elisabeth jedoch auf ihr langes und kräftiges Haar. Die Last, die diese bis zum Boden reichenden dunkelbraunen Wellen mit sich brachten, war bisweilen so groß, dass Elisabeth Kopfschmerzen bekam. Wollte die Kaiserin ihre Haare waschen, mit einem Sud aus Cognac, Ei und Walnussschalen, beanspruchte dies einen ganzen Tag. Doch auch auch das tägliche Frisieren dauerte Stunden. Ihre Friseurin Fanny Feifalik, die sie von der Hofoper abgeworben hatte, vermochte es, die Haarflut zu der berühmten Flechtfrisur zu bändigen, die Elisabeth „wie eine Krone statt einer Krone“ trug.
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Um die Elastizität ihrer Haut zu erhalten, verwendete Elisabeth Gesichtsmasken, etwa aus Erdbeeren, oder ließ sich rohes Kalbfleisch aufs Gesicht legen. Auch ein Bad in heißem Olivenöl gönnte sie sich ab und zu.
Dadurch, dass sie ihre Schönheit für ihre wichtigste Waffe hielt, um sich behaupten zu können, wurde Elisabeth zur Gefangenen ihrer körperlichen Erscheinung. Auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit im Alter von 32 Jahren, beschloss sie, sich zukünftig vor den Augen Fremder zu verstecken. Sie ließ sich nicht mehr fotografieren und ging nur noch mit Schirm und Fächer bewaffnet in die Öffentlichkeit.
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Der Druck von Außen und der, den sie sich selber machte, verstärkten ihre Depressionen. Hinzu kamen Tragödien, von denen der Verlust ihrer ältesten Tochter Sophie im Jahr 1857 und der Selbstmord ihres Sohnes Rudolf im Januar 1889 am schwersten wogen. Nach Rudolfs Tod verschenkte Elisabeth ihren Schmuck und kleidete sich nur noch in Schwarz.
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Kurz vor Rudolfs Tod kam Elisabeths unkonventionelle Art bei einer sehr ungewöhnlichen Begebenheit zum Vorschein: Sie, die das Meer so liebte, ließ sich einen kleinen schwarzen Anker auf die Schulter tätowieren. Tattoos waren damals hauptsächlich bei Matrosen üblich, aber ganz bestimmt nicht bei einer Monarchin. Das Wiener Wachsfigurenkabinett griff diese Episode jedoch auf und hat die nach dem berühmten Winterhalter-Porträt geschaffene Figur der Kaiserin mit einem „Anker-Tattoo“ ausgestattet.

Das Leben der reisefreudigen Kaiserin endete dann auch fernab der Heimat in Genf, wo sie am 10. September 1898 von dem italienischen Anarchisten Luigi Lucheni ermordet wurde. Er stieß mit einer angespitzten Feile in ihr Herz, dem das Leben bereits zuvor so viele Stiche versetzt hatte.
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Das unkonventionelle Leben und die außergewöhnliche Persönlichkeit der Kaiserin Elisabeth faszinieren noch immer und Erinnerungsstücke an sie sind auf dem Auktionsmarkt begehrt. 2014 versteigerte das Wiener Auktionshaus Dorotheum einen angeblich von der Kaiserin getragenen Reithut für 134.500 Euro, was dem 50-fachen seines Schätzpreises entsprach. Ende 2021 wechselte einer der schwarzen Seidenhandschuhe, die Elisabeth am Tag ihrer Ermordung getragen hatte, bei Hermann Historica für 66.000 Euro seinen Besitzer.




