Zeichnung von Nelson Mandela für 100.000 Euro versteigert

Eine Zeichnung, die Nelson Mandela während seiner Gefangenschaft auf Robben Island von der Tür seiner Zelle angefertigt hat, verdoppelte am 2. Mai beinahe seinen unteren Schätzpreis.

Zeichnung von Nelson Mandela für 100.000 Euro versteigert

Nach der 27 Jahre währenden Haftstrafe, die er wegen seines Widerstands gegen die Apartheid hatte verbüßen müssen, und seiner Amtszeit als erster schwarzer Präsident Südafrikas, fand Nelson Mandela in der Kunst eine neue Beschäftigung. 2002 schuf er 22 Zeichnungen, von denen viele als Lithografien herausgegeben wurden, um Geld für die Nelson Mandela Foundation zu sammeln. Nur eine Zeichnung verblieb bis zu seinem Tod im Jahre 2013 in seiner persönlichen Sammlung: Eine Skizze der Tür, die 18 Jahre lang seine Zelle auf Robben Island verschloss. Die in Lila und Braungelb ausgeführte Zeichnung zeigt einen kleinen Ausschnitt mit Türgittern, dem Schloss mit darin steckenden Schlüssel und einen Teil des dahinter liegenden Bodens.

Nelson Mandela, "The Cell Door, Robben Island" | Foto: © Bonhams
Nelson Mandela, "The Cell Door, Robben Island" | Foto: © Bonhams

Am 2. Mai war die Zeichnung The Cell, Robben Island bei Bonhams in New York versteigert worden. Eingeliefert wurde sie von Mandelas Tochter Makaziwe Mandela-Amuah. Nachdem die Zeichnung vom Auktionshaus mit rund 53.000-80.000 Euro bewertet worden war, konnte sie bei der Auktion knapp 100.000 Euro erzielen, also beinahe das Doppelte der unteren Schätzung.

Nach Aussage des Auktionshauses war die Zeichnung die erste eigenhändige Arbeit Mandelas, die jemals auf dem Auktionsmark angeboten wurde. Giles Peppiatt, Leiter der Abteilung für Moderne und Zeitgenössische Kunst bei Bonhams, beschreibt das Werk als "eines der ergreifendsten und bedeutendsten" des ehemaligen Präsidenten, das "seinen unbezwingbaren Geist in einer charakteristischen Ehrlichkeit und Klarheit" demonstriere.

Nelson Mandela beim Zeichnen | Foto: Grant Warren. Courtesy of WeTransfer and The House of Mandela Art via Artsy
Nelson Mandela beim Zeichnen | Foto: Grant Warren. Courtesy of WeTransfer and The House of Mandela Art via Artsy

Makaziwe Mandela-Amuah, die entschieden hatte, die Zeichnung versteigern zu lassen, sagte: "Nachdem sich mein Vater nach seiner Zeit als Präsident zur Ruhe gesetzt hatte, hatte er nicht viel zu tun. Ich denke, die Kunst war für ihn ein guter Weg sich auszudrücken und sich mit seiner Geschichte, seinen - wenn man so sagen möchte - Dämonen und seinem ganzen Leben auszusöhnen."

Die kleine Zelle 5 ist heute eine wahre Pilgerstätte, die auch schon von so mancher bekannter Persönlichkeit besucht worden ist. In seiner 1994 erschienen Autobiografie Long Walk to Freedom ("Der lange Weg zur Freiheit") schrieb Mandela: "Ich konnte in nur drei Schritten von einem Ende zum anderen laufen".

Der Nobelpreisgewinner in seiner Zelle, in der er 18 Jahre seiner insgesamt 27 Jahre dauernden Inhaftierung verbrachte. Robben Island, Südafrika, 1994 | Foto: © Jürgen Schadeberg
Der Nobelpreisgewinner in seiner Zelle, in der er 18 Jahre seiner insgesamt 27 Jahre dauernden Inhaftierung verbrachte. Robben Island, Südafrika, 1994 | Foto: © Jürgen Schadeberg

2002, das Jahr, in dem auch die Zeichnung entstanden war, sagte er: "Wenn ich Robben Island heute betrachte, betrachte ich es vielmehr als ein Freudenfest des Kampfes und als ein Symbol für die besten Eigenschaften des menschlichen Geistes, denn als Monument brutaler Tyrannei und der Unterdrückung der Apartheid. Robben Island ist ein Ort, an dem Mut überlebte im Angesicht endloser Härte, ein Ort, an dem Menschen nicht aufhörten zu glauben, als es schien, dass alle Träume hoffnungslos wären, und ein Ort, an dem Weisheit und Entschlossenheit Furcht und menschliche Schwäche überwunden haben."

Bei der Auktion, der ersten von Bonhams ausgeführten Auktion für zeitgenössische afrikanische Kunst in New York, wurden sechs neue Weltrekorde für Künstler wie Irma Stern, Demas Nwoko, Alexander Skunder Boghossian und Christo Coetzee aufgestellt.

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