1868 betrat der aus Oldenburg stammende Ingenieur Rudolf Lehmann erstmals japanischen Boden, wo er den Zusammenbau von drei in Hamburg vorgefertigten Dampfschiffen überwachen sollte. Gemeinsam mit seinem ebenfalls als Ingenieur tätigen Bruder Carl wurde er Berater der Verwaltung von Kyoto, wo er schon bald eine Stelle als Lehrer an der neu gegründeten Schule für westliche Studien wurde. Gemeinsam mit seinen Schülern erarbeitete er das erste deutsch-japanische Wörterbuch, das nach seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1871 stetig ergänzt wurde.
Lehmann führe ab 1872 mit der Japanerin Ben Kida eine eheähnliche Beziehung, der sechs Kinder (eine Tochter und fünf Söhne) entsprangen. Zwei Söhne lebten später in Oldenburg, während ihr hochangesehener Vater 1914 in Tokio starb.

Der Nachlass der deutsch-japanischen Familie Lehmann kommt am 6. Dezember im Zuge der 140. Auktion der Teutoburger Münzauktion zum Aufruf und umfasst neben einem Brief Rudolf Lehmanns und Fotografien auch Lackarbeiten, Porzellan und weitere Kunstobjekte.

Die Auktion, die am 7.-9. Dezember fortgesetzt wird, umfasst viele weitere Münzen und Kunstwerke aus Fernost, darunter diese teilweise feuervergoldete nepalesische Bronzefigur aus dem 18. Jahrhundert, die die rituelle Vereinigung („Yab-Yum“) von aktiver Kraft und Weisheit in Gestalt des Gottes Mahakala und der Göttin Pelden Lhamo darstellt.

Hochinteressant ist auch das Silberkugelgeld, das sich hintern der Losnummer 272 verbirgt. Die kugelförmigen Münzen waren im heutigen Thailand vom 13. Jahrhundert bis 1904 in Gebrauch, bevor sie von flachen Münzen abgelöst wurden.

Weitere Highlights der Offerte sind die Lose mit modernen chinesischen Münzen. Hier muss zunächst auf diese komplette Serie mit fünf 50 Yuan-Goldmünzen aus dem Jahr 1994 hingewiesen werden, die die Entdeckungen des Altertums zum Thema hat und die sowohl ihre Originalschatulle, als auch ihre Zertifikate mit dabei hat.

Ein Jahr später wurde in der Volksrepublik diese 100 Yuan-Goldmünze zum Thema „Chinesische Kultur“ herausgegeben. Auf ihr ist die südwestlich von Hangzhou gelegene Pagode der Sechs Harmonien abgebildet, deren Ursprung auf das 10. Jahrhundert zurückgeht.
Von den Highlights aus den Prägestätten Europas blicken uns viele berühmte Herrscher an, deren Bildträger selten oder sogar äußerst selten sind.

Vorzüglich erhalten ist diese goldene Dobla-Münze zu 35 Maravedis, die Mitte des 14. Jahrhunderts unter König Pedro I. von Kastilien in Sevilla geprägt wurde. In der schönen andalusischen Stadt ließ Pedro den berühmten Alcázar-Palast im maurischen Stil errichten.

Der lateinische Beiname Corvinus („Rabe“) des ungarischen Königs Matthias leitet sich von dem Wappenvogel seiner Familie (Hunyadi) ab. Und so ist ein Rabe auch auf dieser Münze aus dem Jahr 1465 abgebildet, von der nur zwei weitere Exemplare im Kulturhistorischen Museum in Wien bekannt sind.

Die englische Sovereign-Goldmünze wurde erstmals von 1489 bis 1603 geprägt, also auch unter Königin Elisabeth I., nach deren Tod die Prägung erst einmal endete, bevor sie 1817 wieder aufgenommen wurde. Auf dem vorliegende Exemplar ist die Herrscherin mit den Insignien ihres Königreiches in einem Gewandt abgebildet, das an Darstellungen der Heiligen Jungfrau erinnert. Aber schließlich bezeichnete sich die unverheiratete Elisabeth selbst als „jungfräuliche Königin“.

Um ein vorzügliches Prachtexemplar handelt es sich bei diesem 1595 geprägten Reichstaler mit dem Brustbildnis von Moritz, Landgraf von Hessen-Kassel, der den Beinamen „der Gelehrte“ trug. Moritz soll acht Sprachen beherrscht haben und betätigte sich als Alchemist, Komponist und Gründer des Theaters Ottoneum in Kassel. Und nebenbei fand er auch noch die Zeit, um in zwei Ehen 18 Kinder zu zeugen.

Geradezu legendär ist die (illegitime) Nachkommenschaft des sinnenfreudigen August dem Starken, wobei die Zahl 354 doch wohl ein wenig übertrieben ist. Nachdem August bereits Kurfürst von Sachsen war, wurde er 1697 zum König von Polen gewählt. An seine Krönung in Krakau erinnert dieser sehr seltene Doppeldukat.

Ganz ohne gekröntes Haupt auf ihren Münzen kommen seit 1776 die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Dort war Carson City, die Hauptstadt des Bundesstaates Nevada, von 1870 bis 1893 eine der Prägestätten des United States Mint. Von dort stammt diese 20 Dollar-Goldmünze mit dem Profilbildnis der gekrönten Lady Liberty.

Am Freitag, den 10. Dezember, findet schließlich die 141. Auktion des Hauses statt, in der Briefmarken und Banknoten zum Aufruf kommen. Unter den Letztgenannten muss vor allem diese 100 Dollar-Note erwähnt werden, die 1914 für die Filiale Peking der Deutsch-Asiatischen Bank gedruckt, aber nicht mehr ausgegeben wurde. Der Schien ist, vor allem in dieser exklusiven Erhaltung, von größter Seltenheit.
Alle Versteigerungen finden bei der Teutoburger Münzauktion, Brinkstraße 9, in Borgholzhausen statt. Vorbesichtigungen werden vor allem für die Konvolute empfohlen.
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