Auf zwei hervorragend bestückte Auktionen mit Alten Meistern und Gemälden des 19. Jahrhunderts dürfen sich Kunstfreunde Ende dieses Monats im Wiener Dorotheum freuen. Als besondere Highlights können beide Kataloge mit hochinteressanten Wiederentdeckungen aufwarten.
Bei den Alten Meistern, die am 25. Oktober ab 18 Uhr zum Aufruf kommen, handelt es sich um eine Zeichnung Raffaels, die diesem als Studie für seine bedeutendste Arbeit im Auftrag des Vatikans diente: die Gestaltung der Stanzen, der päpstlichen Gemächer, im Apostolischen Palast.

Vier Räume stattete Raffael ab 1508 im Auftrag Julius’ II. mit großformatigen Fresken aus, wobei Die Schule von Athen im Studierzimmer des Papstes die berühmteste ist. Die vorliegende Studie führt uns in die Sala di Costantino, die als größter Raum für offizielle Audienzen gedacht war. Die Fresken dort greifen die Ereignisse auf, die Kaiser Konstantin zum Christentum bekehrten, allen voran die Schlacht an der Milvischen Brücke, in der er seinen Widersacher Maxentius besiegte – und zwar unter dem Zeichen des Christengottes, welches ihm vorab der Schlacht erschienen war.
Die Studie zeigt einen Teil der zentralen Szene jenes Freskos, in der sich ein Soldat Maxentius’, der bereits im Tiber zu ertrinken droht, auf seinem zu Boden gegangen Pferd zu verteidigen versucht, während sich Konstantin von der linken Seite nähert. Nachdem die Studie zuletzt im Jahr 2015 mit der Zuschreibung „Italienische Schule, 16. Jahrhundert“ versteigert wurde, konnte sie mittlerweile als eigenhändige Arbeit Raffaels identifiziert werden.

Genauso wenig wie der ursprüngliche Auftraggeber erlebte Raffael die Fertigstellung des Großprojekts, da er 1520 starb. Die Arbeit wurde von seinen Schülern fortgesetzt. Einer von ihnen, Polidoro da Caravaggio, nutzte die Rückseite des vorliegendes Blattes später für eigene Zeichnungen, die u. a. eine Säule und einen Mann in Rückenansicht zeigen.
Die Studie Raffaels kommt als letztes der 140 Lose der Auktion zum Aufruf, doch gibt es bis dahin viele weitere Highlights zu entdecken.

Eines davon ist das signierte und auf das Jahr 1644 datierte Leinwandwerk Ecce Homo von Jusepe di Ribera, genannt Lo Spagnoletto, das in der Vergangenheit als „eine der besten Arbeiten dieses brillanten Künstlers“ beschrieben wurde. Eine Aussage, die in jedem Fall zutrifft, zeigt das Gemälde den Künstler doch auf dem Höhepunkt seines Schaffens, mit dem für ihn typischen Naturalismus, der von einer reduzierten Farbpalette und dem gekonnten Einsatz von Licht und Schatten gekennzeichnet ist.

Ebenfalls hervorgehoben werden muss dieses Tafelbild der Thronenden Madonna mit Kind und den Heiligen Michael und Sebastian, das dem toskanischen Renaissancemaler Filippo d’Antonio Filipelli zugeschrieben wird. Filippi, dessen Werk stark von des Werkstätten Ghirlandaios und der Rossellis beeinflusst war, war vor allem als Freskenmaler tätig. So lassen sich zum Vergleich mit der vorliegenden Arbeit mehrere Fresken Filippis aus toskanischen Kirchen und Kapellen heranziehen.
Auch unter den mehr als 200 Gemälden des 19. Jahrhunderts, die am 24. Oktober ab 18 Uhr zum Aufruf kommen, kann auf eine spannende Wiederentdeckung hingewiesen werden.

Dabei handelt es sich um das Gemälde La Coda del Diavolo des italienischen Malers Fausto Zonaro, das eine Gruppe venezianischer Mädchen beim beliebten „Teufelsschwanz-Spiel“ zeigt. Zonaro war von 1892 bis 1911 als Hofmaler des osmanischen Sultans Abdülhamid II. tätig und mit dessen ältesten Sohn befreundet, der viele Werke Zonaros, darunter auch das vorliegende, seiner Sammlung zufügte. Nach der Revolution nahm der Prinz das Gemälde mit nach Europa. Lange galt es als verschollen und war nur von einer Fotografie bekannt, bis es vor Kurzem in einer deutschen Privatsammlung wiederentdeckt wurde.

Venezianische Ansichten sind wiederholt im Œuvre des italienischen Klassizisten Giuseppe Bernardino Bison zu finden und eine davon wird nun im Dorotheum versteigert. Darauf zu sehen ist der Canal Grande mit dem Palazzo Grimani auf der linken Seite. Das Gemälde ist nicht datiert, doch muss es nach 1814/15 entstanden sein, als Venedig unter die Herrschaft Österreichs gekommen war und der Palazzi Grimani als Postamt verwendet, was die habsburgischen Insignien und der Vermerk „I.R.POSTE” an dem abgebildeten Gebäude widerspiegeln.

Abschließend darf auch das Panorama von der Spitze des Mangart in den Julischen Alpen des bedeutenden Kärntner Landschaftsmalers Markus Pernhart nicht unerwähnt bleiben. Die Erkundung und die Darstellung der alpinen Bergwelt waren ein zentrales Thema Pernharts, der in den 1850er Jahren vierteilige Rundumblicke erfand, um beim Betrachter das Gefühl auszulösen, selbst vor Ort zu sein.
Die Auktionen finden am 24. und 25. Oktober im Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, in Wien statt. Vorbesichtigungen sind dort ab dem 14. Oktober möglich.
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