Am 5. und 6. April öffnet das Kunstauktionshaus Schlosser seine Tore in der Bamberger Altstadt und lädt in diesem passenden Ambiente ein zu seiner großen Frühjahrsauktion mit Kunstschätzen aus vielen Epochen. Neben Werken vom Barock bis zur Gegenwart, dürfen sich Bieter auch über Kunst und Antiquitäten des 13.-16. Jahrhunderts, jenen Jahrhunderten, in denen die europäische Kunstszene zunächst den Geist der Gotik lebte, um anschließend mit der Wiederentdeckung der antiken Ideale neue Wege zu gehen.
In der Rubrik "Plastik - Kunsthandwerk" kommt die feine Elfenbeinfigur Venus mit Trauben zum Aufruf, die in der Werkstatt oder von einem Nachfolger des Bildhauers und Dombaumeisters von Siena, Giovanni Pisano ausgeführt wurde. Pisano war um 1300 tätig, der angedeutete Kontrapost der Figur deutet jedoch bereits auf die Renaissance hin.

Bei der Miniatur Das jüngste Gericht handelt es sich um ein Blatt aus einem Stundenbuch, das um 1480 in Frankreich angefertigt worden war. Zu jenem Zeitpunkt waren aufwändig gestaltete und handgeschriebene Stundenbücher durch die Einführung des Buchdrucks ihrem Ende geweiht und wurden nur noch selten von reichen Auftraggebern bestellt.
Allgemein beschäftigte sich die Kunst der Gotik vornehmlich mit biblischen und religiösen Themen, so auch bei dem kleinen gotischen Tafelbild in der Rubrik "Gemälde", das den gefesselten Christus vor Pontius Pilatus zeigt.

Ein anderes Gemälde, das Das Gastmahl im Hause Simons des Pharisäers zum Thema wurde wie das vorige Werk um 1500 geschaffen. Es stammt von einem Salzburger Meister und weist mit dem Einsatz einer räumlichen Perspektive bereits Merkmale der Renaissance auf.
Während in Italien um 1500 der Geist der Renaissance bereits weit verbreitet war, fertigte ein Kunsttischler, vermutlich in einer nördlichen Region des Landes, die folgende Nussholztruhe im gotischen Stil an. Zur Gestaltung der Wände verwendete er das Leitmotiv der Gotik, den Spitzbogen.

Mit Tilman Riemenschneider und Erasmus Grasser sind zwei bedeutende deutsche Bildhauer am Übergang von der Gotik zur Renaissance um 1500 in der Auktion vertreten.

Während Grasser durch seine Begabung zum reichsten Künstler seiner Wahlheimat München avancierte, stieg Riemenschneider zum Ratsherrn in Würzburg auf. Die in der Auktion angebotene Mondsichelmadonna wird einem Nachfolger Riemenschneiders zugeschrieben.
Obwohl die Renaissance in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Italien aus bereits weit über die Alpen vorgerückt war, hat ein Meister aus Ulm dieses Tafelbild, das die Gottesmutter zwischen den Heiligen Stephanus und Laurentius zeigt, im gotischen Stil ausgeführt.

Im selben Zeitraum führte ein Bildschnitzer die folgende Darstellung Martin Luthers auf einer als Gnadenstuhl gestalteten Kanzel aus. Die Plastik wurde aus Lindenholz gefertigt und weist noch Reste einer früheren Bemalung auf.

Wie sein Vater und Lehrer Lucas Cranach d. Ä., beschäftigte sich auch sein gleichnamiger Sohn mit dem Thema des Ungleichen Paares, das meist einen älteren Mann mit einer wesentlich jüngeren Frau darstellt, die Geld gegen gewisse Gefälligkeiten austauschen. Das im Auktionskatalog aufgeführte Gemälde entstammt der Werkstatt oder dem Umkreis Lucas Cranachs d. J.

In der letzten Phase der Renaissanceepoche wichen einige Künstler von deren Idealen ab und griffen stattdessen jene der Gotik wieder auf, in der weniger die Natur, sondern vielmehr die künstlerische Ästhetik im Mittelpunkt standen. Zu den Vertretern des Manierismus zählten auch der römische Maler Marcello Venusti und dessen Umkreis, aus dem ein Maler das vorliegende Werk mit Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes ausgeführt hat.
Zum Schluss haben wir noch dieses hochinteressante Kabinettschränkchen, das im späten 16. Jahrhundert in Süddeutschland oder Tirol angefertigt wurde. Bei dem musealen Stück handelt es sich um eines der frühesten Kleinmöbel, dessen Dekor mit Strohintarsien gestaltet wurde.

Entdecken Sie in den April-Auktionen des Kunstauktionshauses Schlosser auch europäische Kunst und Antiquitäten späterer Epochen, darunter Silber und Porzellan. Im 1585 Lose starken Katalog ebenfalls vertreten sind Kunstwerke aus Asien sowie Studioglas.
Die Versteigerungen finden am 5. und 6. April um 15 bzw. 11 Uhr im Auktionshaus in der Karolinenstraße 11 in Bamberg statt. Die Ausstellung zur Auktion kann dort vom 30. März bis 4. April besucht werden.
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