Hier sind fünf interessante Fakten über den vielseitigen Künstler Edgar Degas, die Sie vielleicht noch nicht kannten.
1. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie
Edgar Degas (eigentlich de Gas) kam am 19. Juli 1834 in Paris zur Welt, wo sein Vater, ein gebürtiger Neapolitaner eine Niederlassung der Bank seiner Familie leitete. Seine Mutter stammte aus New Orleans, wo ihre Familie ebenfalls im Bankwesen, vor allem aber im Baumwollhandel, tätig war. Edgar besuchte sowohl seine Verwandtschaft in Italien als auch in Amerika und hielt diese Begegnungen in Gemälden fest. Er wuchs also in wohlhabenden Verhältnissen auf und konnte sich ohne finanziellen Druck der Malerei zuwenden. Das änderte sich jedoch nach dem Tod des Vaters im Jahr 1874, als sich herausstellte, dass die familieneigene Bank kurz vor dem Ruin stand und Degas’ Bruder René zudem einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft hatte. Um die Schulden abzutragen, verkaufte Edgar Degas das Familienanwesen und seine Kunstsammlung. Nun war er plötzlich doch auf Verkäufe seiner Werke angewiesen, war darin jedoch erfolgreich, sodass er aus eigener Kraft wieder zu Wohlstand kam und im Alter finanziell abgesichert war.

2. Er wird den Impressionisten zugeordnet, war aber keiner
Edgar Degas wird immer wieder als Impressionist bezeichnet, obwohl er gar keiner war. Zwar nahm er zwischen 1874 und 1886 an fast allem Ausstellungen der Impressionisten teil und wurde wie viele von ihnen vom Kunsthändler Paul Durand-Ruel betreut, doch unterschied sich seine Malweise maßgeblich von jener, die Renoir, Sisley, Monet und Co. betrieben. Vor allem lehnte er jede Spontanität ab. Degas war ein Perfektionist, der seine Werke genau plante, Vorzeichnungen anfertigte und am liebten in seinem Atelier malte statt unter freiem Himmel. Es konnte geschehen, dass er ein Gemälde über Monate oder sogar Jahre hinweg immer wieder überarbeitete. Möglicherweise sind es die ungewöhnlichen Bildausschnitte und -perspektiven, die er oft wählte, die seine Werke spontan und „impressionistisch“ erscheinen lassen. Eine Gemeinsamkeit war jedenfalls die Inspiration durch das moderne Paris mit seinen Theatern, Tanzveranstaltungen und Cafés.
Lesen Sie auch: Impressionismus: Zwischen Licht und Schatten

3. Er bevorzugte Ballerinen und Badende
Ganz und gar nicht zu Unrecht wird Degas jedoch als „Ballett-Maler“ bezeichnet, denn die Tänzerinnen der Pariser Oper waren tatsächlich sein bevorzugtes Motiv. Meist malte er sie beim Training, eher selten auf der Bühne. Die Balletttänzerinnen waren Teil des modernen Paris, das ihm die meisten seiner Motive lieferte. Auch boten sie ihm mit ihren pliés, tendus und développés ein breitgefächertes Repertoire an Posen an, das er sonst nirgendwo finden konnte und aus bisweilen ungewöhnlichen Blickwinkeln festhielt. Gleiches gilt für seine ebenfalls umfangreiche Werkgruppe mit Abbildungen von badenden Frauen, die er als perfekte Studien des menschlichen Körpers betrachtete. In diesem Sinne war er weit davon entfernt, die Frauen als makellose Schönheiten darzustellen, wie es die Akademie, mit der er nie warm geworden war, forderte. Stattdessen experimentierte er mit Farben und Perspektiven und wollte die Szenen so spontan wie möglich erscheinen lassen, gerade so als würde man die Frauen ohne ihr Wissen beobachten.
Lesen Sie auch: Das romantische Ballett und die Tutus der Marie Taglioni

4. Er war ein Meister der Pastellmalerei
Edgar Degas hatte keine formale Ausbildung in Form eines Kunststudiums durchlaufen. Er erhielt Unterricht bei einem Ingres-Schüler und besuchte für kurze Zeit die École des beaux-arts, bevor er eigene, modernere Wege einschlug. Die klassische Vorgehensweise des Zeichnens behielt er jedoch Zeit seines Lebens bei und sie war ein integraler Bestandteil seiner Kunst. Zunächst der Ölmalerei zugewandt, beschäftigte sich Degas im Laufe seiner Karriere mit vielen anderen Medien, darunter Druckgrafik (inklusive Monotypie), Bildhauerei und sogar Fotografie, wobei er diese vor allem als Studienobjekte für seine Malerei verwendete. Ab seiner mittleren Schaffenszeit wurde die Pastellmalerei immer bedeutsamer für ihn, ermöglichte sie ihm doch, Zeichnung und Malerei zu vereinen. Er wurde ein wahrer Meister auf diesem Gebiet und experimentierte mit Farben und Oberflächen und führte die Bilder auch auf farbigen Bildträgern aus. Degas baute seine Pastelle Schicht für Schicht auf, die er zwischendurch immer wieder fixierte und erzielte dadurch ein an ein Fresko erinnerndes Ergebnis. Die Pastellkreide erwies sich als das perfekte Medium für ihn, da er mit ihr Bewegungen darstellen und spontane Korrekturen vornehmen konnte.
Lesen Sie auch: Ingres und die Kraft der Kontur

5. Er wollte seine Skulpturen nie veröffentlichen
1881 präsentierte Edgar Degas auf der sechsten Impressionistenausstellung seine Skulptur La Petite Danseuse de quatorze ans, eine Mischwerk aus Bronze, Farbe und Textilien, was damals absolut revolutionär war. Die Kritiken vielen größtenteils negativ aus und vielleicht war das einer der Gründe, weshalb Degas davon absah, weitere seiner dreidimensionalen Werke öffentlich auszustellen. Für ihn blieben sie ein privates Vergnügen, das ihm zusätzlich als Studienmaterial für seine gemalten Werke diente. Nach Edgar Degas’ Tod am 27. September 1917 – er war zu jenem Zeitpunkt fast vollständig erblindet – fanden sich rund 150 schlecht erhaltene Wachs- und Tonmodelle von Pferden, Tänzerinnen und Badenden in seinem Atelier. Entgegen seinem Wunsch entschieden seine Erben, 72 von ihnen in streng limitierten Auflagen gießen zu lassen. Vielleicht würde es den äußerst selbstkritischen Künstler versöhnlich stimmen, zu erfahren, wie viel Anerkennung sein bildhauerisches Werk heutzutage erhält. Und tatsächlich ist es ein Exemplar von Petite danseuse de quatorze ans, das den aktuellen Auktionsrekord für Degas erzielen konnte, als es 2022 für 41,2 Millionen US-Dollar versteigert wurde.

