"Je einfacher Linien und Formen, um so mehr Schönheit und Kraft", umfasste Ingres einmal das Grundgerüst seiner Kunst. Aus dieser einfachen Formel holte er das Bestmögliche heraus, was ihn zu einem der bedeutendsten französischen Maler des 19. Jahrhunderts machte.
Der nicht immer gerade Weg dorthin begann am 29. August 1780 in der südfranzösischen Stadt Montauban. Jean-Auguste-Dominique Ingres' Vater war ein vielseitiger Künstler und Mitglied der Académie Royale de Peinture, Sculpture et Architecture in Toulouse. Vater Ingres war es auch, der seinem ältesten Sohn Dominique den ersten Zeichenunterricht gab, bevor dieser mit elf Jahren Schüler der Kunstakademie in Toulouse wurde.

Dominique Ingres beschäftigte sich bereits in diesen frühen Jahren mit antiker Historienmalerei in der klassizistischen Tradition. Im Alter von Sechszehn Jahren ging er nach Paris, um den eingeschlagenen Weg beim Begründer der klassizistischen Malerei in Frankreich, Jacques-Louis David, weiter zu beschreiten. Zwei Jahre später erfolgte die Aufnahme an der École des Beaux-Arts, 1801 wurde er für ein antikes Historienbild mit dem Prix de Rome ausgezeichnet.
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Seinen mit dem Preis verbundenen Studienaufenthalt in Rom trat er jedoch erst 1806 an, nachdem er auf eigene Faust ein Krönungsportrait Kaiser Napoleons I. angefertigt hatte, das mit seiner Unnahbarkeit und mittelalterlichen Inszenierung hauptsächlich auf Ablehnung stieß. In den drei Jahren, die er an der Villa Medici in Rom verbrachte, sandte er immer wieder Gemälde nach Paris, die von den dortigen Kritikern ebenfalls eher schlecht aufgenommen wurden. Daher entschloss er sich, auch nach Auslaufen des Stipendiums in Rom zu bleiben, wo er 1813 heiratete und sich besonders dem Werk Raffaels widmete.
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Um seine Familie ernähren zu können, musste Ingres immer wieder als Porträtmaler auftreten, obwohl die Historienmalerei nach wie vor sein Steckenpferd war. Nach einem Aufenthalt in Florenz und einem endlich wohlwollend in Paris aufgenommenen Gemälde, kehrte Ingres mit seiner Frau 1824 dorthin zurück.

Rund zehn Jahre blieb Ingres in der französischen Hauptstadt. Er wurde Mitglied der Ehrenlegion sowie 1830 Professor der École des Beaux-Arts und schließlich deren Direktor. Weiterhin sehr beliebt war er auch jetzt als Porträtmaler, dessen Bildnisse durch eine Fülle von Details bestachen. Ein beliebtes Stilmittel, das Ingres immer wieder verwendete, war der Spiegel, der es ihm erlaubte, noch mehr Details in einem Werk unterzubringen. Wie bereits zuvor wurde er aber auch kritisiert, besonders wegen der oft nicht stimmigen Proportionen der dargestellten Personen. So ist der linke Daumen im ansonsten hochgelobten Porträt des Verlegers Bertin völlig aus seiner natürlichen Position gerutscht.
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Das bekannteste Beispiel für Ingres' lockeren Umgang mit den Proportionen, ist der überlange Rücken seiner Großen Odaliske von 1814. Für Ingres war dieses scheinbare künstlerische Unvermögen jedoch Mittel zum Zweck, um die von ihm zuvor geplante Aussage eines Bildes umzusetzen und zu unterstreichen.
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Von 1835 bis 1841 war Ingres als Direktor der dortigen Dependance der Académie Royale erneut in Rom. Zehn Jahre nach seiner Rückkehr nach Paris erhielt er den Titel eines Rektors der École des Beaux-Arts auf Lebenszeit mit dem damit verbundenen Gehalt. Dies gab ihm die nötige Muße, um sich seinem Platz in der Kunstgeschichte zu widmen. Teil dieses Plans war die Gründung eines seinem Werk gewidmeten Museums in Montauban. Sich selbst verewigte er 1854 als Ritter in dem Gemälde Jeanne d’Arc bei der Krönung Karls VII. in der Kathedrale von Reims. Modell für die damals noch nicht heilige Jungfrau von Orléans stand seine zweite Frau Delphine Ramel, die er 1852 geheiratet hatte, nachdem Madeleine drei Jahre zuvor verstorben war.

In den späteren Lebensjahren des Künstlers verschärfte sich auch der Streit zwischen ihm und dem Romantiker Eugène Delacroix, der im Gegensatz zu Ingres der Farbe die Vorherrschaft über der Linie zuordnete. Dieses Streitthema, das auch zwischen den jeweiligen Anhängern ausgetragen wurde, spaltete die Kunstschule.
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Dominique Ingres bekanntestes Werk seiner späten Karriere ist Das türkische Bad von 1863, das er für den Prinzen Napoleon "Plon-Plon" Bonaparte ausführte. Es erscheint wie eine Versammlung seiner frühen Arbeiten, vor allem in Hinblick auf Die Badende von Valpinçon von 1808, die er in einem einmaligen Crescendo der Linien und Formen zusammenfasste.
Jean-Auguste-Dominique Ingres verstarb am 14. Januar 1867 in seiner Wohnung in Paris.
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