Statue, Statuette, Skulptur, Figurine oder Plastik – die Werke von Bildhauern haben, je nach Größe, Funktion oder Herstellungsweise, unterschiedliche Bezeichnungen. Seit der Steinzeit sind sie aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken – eine ziemlich lange Erfolgsgeschichte. Entdecken Sie im Folgenden einige der berühmtesten dreidimensionalen Kunstwerke der Geschichte.
Unbekannter Künstler, Große Sphinx von Gizeh (3. Jahrtausend v. Chr.), Gizeh

Ist es ein Löwe? Ist es ein Pharao? Nein, es ist die Große Sphinx von Gizeh, die seit über 4000 Jahren die Pyramiden unweit der sich immer weiter ausdehnenden ägyptischen Hauptstadt Kairo bewacht. Also, vermutlich bewacht, denn welche Funktion dieser Löwe mit dem Kopf eines Pharaos tatsächlich hatte, ist noch immer ungeklärt. Die einfachste Erklärung für ihre Entstehung wäre, dass sie geschaffen wurde, weil das Material dafür halt da war. Die Sphinx besteht nämlich hauptsächlich aus einem Kalksteinfelsen, der bei der Gewinnung des Baumaterials für die Cheops-Pyramide übrig geblieben war. Ihr vermutlich immer wieder überarbeiteter Kopf stellt möglicherweise Pharao Chepren (ca. 2570-2530 v. Chr.).
Unbekannter Künstler, Venus von Milo (Ende 2. Jh. v. Chr.), Musée du Louvre, Paris

Die beiden ältesten Darstellungen des menschlichen Körpers stammen aus der jüngeren Altsteinzeit und weisen weibliche Formen auf. Beide wurden nach dem Symbol der weiblichen Schönheit schlechthin, Liebesgöttin Venus, getauft: Venus vom Galgenberg, Niederösterreich und Venus vom Hohlefels, Schwäbische Alb. Die wohl berühmteste Venus der Welt wurde 1820 zufällig von einem Bauern auf der griechischen Insel Melos entdeckt. Die marmorne Göttin, der leider die Arme abhanden gekommen sind, stammt aus der Epoche des Hellenismus (336-30 v. Chr.). Den Weg in den Louvre fand die Statue durch den französischen Botschafter in Konstantinopel (Griechenland gehörte damals zum Osmanischen Reich), der sie für das Pariser Museum erwerben konnte.
Unbekannte Künstler, Moai (Blütezeit: 1400-1600), Osterinsel

Nicht weniger rätselhaft als die Große Sphinx von Gizeh sind die Moai, jene Kolossalstatuen, für die die im Pazifik gelegene Osterinsel weltberühmt ist. Die Moai, was in dem polynesischen Dialekt, der von den Bewohnern der Insel gesprochen wurde, "steinerne Figur" bedeutet, sind durchschnittlich 4,05 m hoch und 12,5 Tonnen schwer. Vermutlich dienten sie einem Ahnen- oder Totenkult, da sie häufig gruppenweise im Zusammenhang mit altarähnlichen Grabanlagen aufgestellt wurden. Heute kann man noch 638 Moai auf der Osterinsel bewundern, früher sollen es mehr als 1000 gewesen sein. Im 17. Jahrhundert ging die etwa 500 Jahre alte Tradition der Moai mit dem Untergang der Osterinsel-Kultur zu Ende.
Michelangelo Buonarroti, David (1501-04), Galleria dell’Accademia, Florenz

1501 erhielt Michelangelo Buonarroti von der einflussreichen und offenbar vermögenden Wollweberzunft von Florenz den Auftrag zu einer monumentalen Statue des biblischen Helden und späteren König David. Da waren sie bei Michelangelo an genau der richtigen Adresse. Dieser ließ aus dem nahe gelegenen Carrara einen gigantischen Marmorblock herbeischaffen und verbrachte die nächsten drei Jahre damit, aus diesem die erste Kolossalstatue der Renaissance herauszuarbeiten. Das Ergebnis war ein 5,17 m hoher jugendlicher David im Adamskostüm. Neben der Tatsache, dass die Statue aus einem einzigen Stück Marmor bestand, ist der Kontrapost, also jene Körperhaltung mit Stand- und Spielbein, die in der klassischen Antike aufgekommen war, hervorzuheben. Im Mittelalter war der Kontrapost in den Hintergrund getreten, nun kehrte er auf die Podeste und Sockel zurück – Renaissance par excellence!
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Jérôme Duquesnoy, Manneken Pis (1619), Ecke rue de l’Etuve/Stoofstraat, rue des Grands Carmes/Lievevrouwbroerstraat und rue du Chêne/Eikstraat, Brüssel
Tag für Tag verrammeln sich in der Hauptstadt Belgiens viele Touristen vor einem Brunnen, um einen 61 cm kleinen Jungen aus Bronze beim Wasserlassen zuzusehen: Manneken Pis ist eben Kult. Geschaffen wurde der ungenierte Knabe 1619 vom Brüsseler Bildhauer Jérôme Duquesnoy als Zier für einen der vielen Brunnen, die die Einwohner der Stadt mit Trinkwasser versorgten. Ursprünglich als einfache "Drolerie", ein mittelalterlicher Begriff für derb-lustige Kunstwerke, gedacht, ist das Manneken Pis heute ein Symbol für Widerstandsgeist und Meinungsfreiheit inmitten der Hauptstadt der Europäischen Union. Bei all diesem politischen Gewicht, kommt der Sinn für Mode aber nicht zu kurz: Das Manneken Pis wird zu verschiedenen Gelegenheiten in passende Kostüme gekleidet. 950 hängen mittlerweile in seinem – vermutlich begehbaren – Kleiderschrank.
Auguste Rodin, Der Denker (1880-82), Musée Rodin, Paris

Im Garten des Musée Rodin in Paris kann man, erhöht auf einem steinernen Sockel, einen nachdenklichen Mann aus Bronze bewundern. Der Denker, so sein Name, war ursprünglich als Element des Höllentores gedacht, das als Eingang zum Musée des Arts décoratifs in der französischen Hauptstadt dienen sollte. Zu dieser Umsetzung kam es nie, dennoch arbeitete Auguste Rodin den Rest seines Lebens an diesem Auftrag, den er 1880 erhalten hatte. Die literarische Vorlage zum Höllentor war Dante Alighieris Göttliche Komödie, Der Denker soll Dante höchstselbst darstellen. Als Modell dafür diente Rodin der Preisboxer Jean Baud, mit dem er auch für andere Werke zusammenarbeitete.
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Frédéric-Auguste Bartholdi, Freiheitsstatue (1875-86), Liberty Island, New York City

Was wohl in den Köpfen und Herzen der vielen Einwanderer vor sich ging, die ab dem späten 19. Jahrhundert den Hafen von New York erreichten und auf der diesem vorgelagerten kleinen Insel namens Liberty Island zum ersten Mal die Freiheitsstatue erblickten? Die Idee zu einer die Freiheit symbolisierenden Statue hatte der französische Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi, der mit jener Insel im New Yorker Hafen den perfekten Platz dafür fand. Zur Finanzierung wurden diesseits und jenseits des Atlantiks Spendengelder gesammelt. Bartholdi gestaltete die Statue im Stil einer griechischen Göttin mit siebenstrahliger Sonnenkrone und in der erhobenen Hand gehaltenen Fackel und gab ihr den Namen La Liberté éclairant le monde ("Die Freiheit erleuchtet die Welt"). Am 28. Oktober 1886 war es schließlich soweit und die mit Sockel 93 m hohe Lady Liberty konnte eingeweiht werden. Übrigens war sie ursprünglich mit grün: Ihre äußere Hülle besteht aus Kupfer, das erst nach und nach seine heutige Farbe angenommen hat.
Edvard Eriksen, Kleine Meerjungfrau (1913), Uferpromenade Langelinie, Kopenhagen

Ganz still und bescheiden sitzt sie an der Uferpromenade in Kopenhagen: Die Kleine Meerjungfrau aus dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen aus dem Jahr 1837, in dem sich eine Meerjungfrau in einen Prinzen aus der Welt der Menschen verliebt und fortan ebenfalls ein Mensch sein möchte. Die 125 cm hohe Bronzestatue des dänischen Bildhauers Edvard Eriksen fängt die Sehnsucht der Meerjungfrau perfekt ein, weshalb sie heute ein absoluter Besuchermagnet ist. Als Vorlage dienten Eriksen drei gleich drei Damen: Für die Körperhaltung die Skulptur Jeanne d’Arc écoutant ses voix seines französischen Kollegen Henri Chapu, für den nackten Körper seine eigene Ehefrau, für das Antlitz das Gesicht der damals populären Primaballerina Ellen Price, die die kleine Meerjungfrau in einem Ballett verkörpert hatte.
Henry Bacon & Daniel Chester French, Lincoln Memorial, (1915-22), National Mall, Washington, D. C.

In einem vom griechisch-dorischen Stil inspirierten Tempel sitzt er da und genießt den weiten Blick über die National Mall bis zum Kapitol: Abraham Lincoln, der 16. Präsident der USA. Mit der Arbeit an dem Tempel wurde 1915, anlässlich des 50. Todestages Lincolns, begonnen. Der Tempel, dessen 36 Säulen die 36 Bundesstaaten symbolisieren, die es während der Amtszeit Lincolns gab, wurde nach einem Entwurf von Henry Bacon errichtet. Die 5,80 m hohe Lincoln-Statue in seinem Inneren ist ein Werk des amerikanischen Bildhauers Daniel Chester French. Wie bei Michelangelos David diente weißer Marmor als Material. Im Gegensatz zu der Renaissance-Statue besteht Frenchs Abraham Lincoln jedoch nicht nur aus einem, sondern aus 28 Marmorblöcken.
Heitor da Silva Costa & Paul Landowski, Cristo Redentor (1922-31), Corcovado, Rio de Janeiro

Die Millionenmetropole Rio de Janeiro ist eine Stadt voller Kontraste, in der große Lebensfreude und große Armut Hand in Hand gehen. Seit dem 12. Oktober 1931 wacht mit ausgebreiteten Armen die Statue des Christo Redentor ("Christus der Erlöser") über all das. Anlässlich des 100. Jahrestages der brasilianischen Unabhängigkeit hatte der brasilianische Bauingenieur Heitor da Silva Costa 1922 den Auftrag dazu erhalten. Für die Gestaltung der Hände und des Kopfes wandte dieser sich an den polnisch-französische Bildhauer Paul Landowski. Das Ergebnis war eine 30 m hohe Statue im Stil des Art déco, die, ganz Kind der aufkommenden Moderne, aus Stahlbeton besteht, der wiederum mit einem Specksteinmosaik bedeckt ist. Als Aufstellungsort wählte man den 710 m hohen Berg Corcovado, von dem aus Christo Redentor über die Stadt und die Guanabara-Bucht bis zum berühmten Zuckerhut blickt.
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